Einige von uns Flâneuren schauen gerne den Tatort. In einem kurzen Rückblick zeigen wir euch an jedem Nach-Tatort-Montag, was wir über den aktuellen Tatort denken, welche Gefühle wir beim Schauen hatten und ob es sich lohnt, noch einmal in die Mediathek zu schauen.
Die harten Fakten:
Titel: Borowski und die Kinder von Gaarden
Stadt: Kiel
ErmittlerInnen: Borowksi & Brandt
Austrahlungsdatum: 29. März 2015
tl;dr
Ninia: Ein Hund! Ein toter Pädophiler, wieder mal verwirrende Beziehungen zwischen Hauptdarsteller_innen und Wodka.
Johanna: Kiel mit Blaufilter. Knacki und Rauschi, dem Chippendale-Cop. Und Hundi.
Falk: Soziale Verwerfungen und hübsche Luftaufnahmen.
Überraschungsmoment
Ninia: Als der kleine Junge am Ende dem anderen ins Herz sticht. Da hab ich mich dann doch kurz erschrocken.
Johanna: Die letzten 15 Minuten waren dann doch überraschend, hab ich nicht mit gerechnet.
Ninia: Ja! Ich hab die ersten 15 Minuten nicht so richtig mitbekommen, fand es dann recht fad, aber zum Schluss wieder fesselnd.
Falk: Ich war ziemlich überrascht, dass Rauschi am Ende eben nicht der Mörder war.
Das hat gefehlt
Ninia: Andere Polizist_innen in Gaarden.
Johanna: Oder andere Chippendales.
Falk: Da gab es doch welche, die ganzen Gruselfiguren auf der Wache.
Ninia: Ach, das ist mir beim Nägellackieren irgendwie durchgegangen. Aber nur der Rauschi ist Streife gefahren.
Das war zu viel
Ninia: Diese Videos von den “Partys”.
Falk: Mich machte die Schlussszene, als der kleine Junge von den fiesen Jugendlichen fertiggemacht wurde, ziemlich porös. Überhaupt, diese Jugendclique, das war beängstigend gut gespielt.
Johanna: Da wurde ja auch noch der Hund getreten, das fand ich auch nicht gut.
Ninia: Nee, ich auch nicht.
Lieblingsdialog
Ninia: “Wie hat er die Partys denn finanziert?” “Jetzt, wo sie es sagen: Gute Frage!” “Ich hab noch mehr davon.”
Oder auch: “Sie sind ein Arschloch.” “Das ist mir bekannt.”
Falk: “Ich rufe Ihnen ein Taxi, dann können Sie Ihren Rauschi asschlafen.” Ja, ist kein Dialog. Sagt aber ziemlich deutlich, was an dieser Figur Borowski so sympathisch ist.
Lieblingsszene
Ninia: Alle mit Hund.
Johanna: Ähhh… [siehe oben]
Ninia: Naja, alle die, in denen der Hund durchs Bild gelaufen ist, ohne gequält zu werden.
Falk: Alle mit Borowski und Brandt.
Johanna: Ich mochte es, als der kleine wütende Junge gegen Borowskis Karre getreten hat. Der war sowieso super, hat “sch” so doll betont.
Falk: Die ganzen Kinderdarsteller waren klasse.
Top-Tweet
Ninia:
Das sagt die nächste Generation zum #Tatort pic.twitter.com/dhCJEVoISP
— teresa bücker (@fraeulein_tessa) 29. März 2015
Johanna:
"Du kannst entweder alles falsch oder ganz falsch machen. Richtig gibt's hier nicht." Adorno liebt #tatort
— ihf (@ihf_a) March 29, 2015
Falk:
Früher musste ich den #Tatort heimlich durch das Schlüsselloch in der Wohnzimmertür gucken.
Heute konnte ich auch nur ein Auge aufhalten!
— Meinolfs Schwester (@MeinolfsS) March 29, 2015
Bechdel-Test
Ninia: Nein.
Johanna: Sowas von nein.
Falk: Nö. Schade.
Das habe ich gelernt
Falk: Gaarden ist die Bronx von Kiel. Wusste ich aber schon vorher, Gaarden verfolgt mich gerade ein wenig.
Ninia: Du bist in Kiel?
Falk: Nö, aber ein Teil meines Kolleginnenkreises ist gerade beziehungsmäßig kielfixiert. Genauer: gaardenfixiert.
Ninia: Ich lernte, dass der Typ aus Game of Thrones in echt ganz anders aussieht und Deutsch spricht.
Johanna: Ich lernte, dass der Typ bei Game of Thrones mitspielt und kein Chippendale ist.
Das wünsche ich mir beim nächsten Mal
Ninia: Noch mehr Screentime für Sibel. Ich finde die einfach großartig. Und mal wieder mehr nordisch-trockener Humor (was bei dieser Thematik natürlich nicht möglich war).
Falk: Mit Sibel bin ich bei dir. Aber ich fand diesen Fall gerade gar nicht so humorlos. Um ehrlich zu sein, machte das die Qualität dieses Drehbuchs aus: Es gab einen durchaus präsenten Humor, und das, ohne dass die soziale Schärfe des Falls gelitten hätte. Chapeau.
Johanna: Weniger Blaufilter, mehr Meer. Vielleicht einen Matrosen-Tatort. Oder wie heißt das jetzt noch gleich?
Falk: Schiffsmechaniker.
Was ich auch noch loswerden wollte
Ninia: Mehr Kiel. Bitte. Ist inzwischen mein absoluter Favorit. Noch vor Dortmund und Wien.
Falk: Dass der Revierbulle in Gaarden solch eine Terminologie drauf hat: geschenkt. Aber ein Sympathieträger wie Borowski sollte doch eigentlich wissen, dass der Begriff “Kinderschänder” gar nicht geht. Zumal das hier ungenau war: Die Jungs, um die es ging, waren ja gar keine Kinder.
Johanna: Das “kleine Nachbarin” hat genervt. Da hätte sie dem echt mal ordentlich eine für mitgeben müssen.
Falk: Nicht nur dich, auch Frau Brandt.
Ninia: Word, Johanna.
Gesamtnote
Falk: Das war alles schon ziemlich stimmig. außerdem mag ich das Team. Und die Stadt. Und eigentlich habe ich nur einzelne Terminologieprobleme, also: 2.
Ninia: Ich hab ja die ersten Minuten nicht mitbekommen, weil ich ins Hotelzimmer stürzte. Ich fands für Kiel nicht herausragend, aber immer noch besser als viele andere Tatorte (ist das überhaupt die Mehrzahl?). Ich gebe eine 2-.
Johanna: Puh, ja, ich weiß nicht. Die letzten Minuten haben es dann irgendwie noch rausgerissen, vorher war es teilweise lahm und Rauschi hat genervt. Ich gebe eine 4+.





