Neues vom Kriminalsofa (50)

tatortsofa

Einige von uns Flâneuren schauen gerne den Tatort. In einem kurzen Rückblick zeigen wir euch an jedem Nach-Tatort-Montag, was wir über den aktuellen Tatort denken, welche Gefühle wir beim Schauen hatten und ob es sich lohnt, noch einmal in die Mediathek zu schauen.

Die harten Fakten:

Titel: Das Haus am Ende der Straße

Stadt: Frankfurt

ErmittlerInnen: Steier

Austrahlungsdatum: 22. Februar 2014

tl;dr

Der Mann: Nachbarschaftshilfe von Hanibal L.

Ninia: Ein furioser Abgang, spannend und irgendwas mit Wodka.

Inga: Gefangenendilemmata und Entzugsklinik.

Johanna: Skandinavische Krimi-Ästhetik mit Frankfurter Charme.

Anne: Murphy’s Law strikes again. Was schief gehen kann, geht schief.

Theresia: Gefangenendilemma meets 50 Shades of Grey, Pulp Fiction & Trainspotting.

Falk: “Das war jetzt aber kein Tatort.”

Überraschungsmoment

Ninia: Welcher jetzt genau? Ich kann mich nicht entscheiden!

Anne: Die zweite Traumszene mit dem schreienden Mädchen. Leute, ey, das könnt ihr nicht mit mir machen. Das hat einen Grund, dass ich keine Horrorfilme gucke.

Ninia: Ja! Das war gut!

Inga: Als Pole (oder wie hieß der?) Steier nach der Rettung eins mit der Flinte über den Deetz zieht.

Ninia: Poller.

Johanna: Und als Sauer im Keller die Waffe nimmt und Steier erschießen will – dann aber doch keine Kugel drinnen ist. Frankfurter Roulette.

Der Mann: Das Zerschlagen der Glühbirne. Es zeichnete sich zwar schon lange ab, aber der Nutzen wird mir nicht klar…

Theresia: Die nicht-quietschende Dachbodenluke hat mich doch schon sehr verwundert.

Falk: Die ganzen Psychospielchen von Poller mit den Gefangenen waren so unglaublich gut getaktet, das war mehr oder weniger ein einziger großer Überraschungsmoment.

Das hat gefehlt

Inga: Frauen.

Anne: Was Inga sagt. Ich bin ziemlich sicher, dass es in Frankfurt mehr Frauen gibt.

Theresia: Was Inga und Anne sagen.

Ninia: Was Inga, Anne und Theresia sagen.

Falk: Frauen. Und Frankfurt. Frankfurter Frauen.

Johanna: Ja, Frankfurt! Ich meine, Nied, hallo? Das ist ja kaum mehr Frankfurt. Alibihalber wurden dann ein paar kitischige Skyline-Aufnahmen eingestreut. (Hach.)

Der Mann: Was die anderen sagen…

Anne: Da kann ich mir fürs nächste Mal ja gleich mitwünschen, dass mal was in Hanau spielt. Ist dann auch nicht absurder als Nied.

Das war zu viel

Theresia: Als die einzige Frau auch noch ihr Oberteil öffnen musste. Really?

Inga: Tote Kinder. Ich musste schon nach fünf Minuten das erste Mal weinen.

Ninia: Dieser Ekeltyp, bei dem eingebrochen wurde und dann sein Umgang mit der Frau. Ekelgefühle.

Falk: Bisschen viel Zitathuberei.

Johanna: “Ein Leben für ein Leben”. “Held im eigenen Film sein…”. Arg platt.

Der Mann: “Sei dein eigener Held. Trink Milch!” (Ich habe auch so verstanden, dass Alkohol böse ist)

Anne: Zu viel Spannung. Aber man ist halt nichts mehr gewöhnt. Ich hab die ganze Zeit darauf gewartet, dass es endlich vorbei ist. Könnte sich der ein oder andere Tatort mal was von abgucken.

Lieblingsdialog

Anne: Dialog war das keiner, aber “Alter, kannst du mal aufhören mich zu duzen?” war schon schön.

Theresia: “Ich hab jetzt Lust auf Milch. Einen schönen White Russian.”

Falk: “Das Geld reicht gerade mal für meine Fische.” “Das waren fünf Mille!” “Teure Fische.”

Ninia: Den fand ich auch am besten – mit den Fischen.

Inga: „Was haste jetzt vor?“ „Ich will wieder Held in meinem eigenen Film sein.“ „Ich habe jetzt Bock auf Milch.“ „Komm, ich weiß, wo es ’nen guten White Russian gibt.“

Johanna: “Was machen sie hier? Ein Polizist zur richtigen Zeit am richtigen Ort – das ist doch eher ungewöhnlich!”

Inga: Darf ich auch zwei? „Hier sind ja ganz neue Freundschaften entstanden. Ein wahrer Ort der Begegnung.“

Theresia: Darf ich auch noch eins? (steht da zwar schonmal) “Kannst du mal aufhören mich zu dutzen?” – “Alter…”

Der Mann: Alle meine Favoriten wurden genannt… außer: “Schnauf weiter!”

Lieblingsszene

Anne: Die Schlussszene schon irgendwie, wo Steier dann in die Kamera lächelt. Das war ein guter Abgang.

Inga: Rapid Eye Movement als Polle (Gott, wie hieß der?) vom Sohn träumt.

Ninia: Poller.

Inga: Danke.

Johanna: Ganz am Anfang, als das Mädchen mit den Glitzerschuhen protzte. Und dann am Ende, als Poller die Platte von “Elliott Smith – Everything means nothing to me” auflegte und sich die Waffe an den Kopf hielt. Das klingt jetzt etwas makaber, aber das war einfach zu gut gemacht.

Falk: Als im Fernsehen der Abspann vom “Texas Chainsaw Massacre” lief.

Ninia: Ich mochte den Schluss. Und als Poller sich mit Steier über die neuen Knarren und das Nicht-Mehr-Anschnallen unterhielt.

Theresia: Den Anfang fand ich schön, vor allem den Hitchkock’esquen Zoom vom Haus auf die Straße.

Anne: Falk, ja, das mit dem Abspann war hart. Ich hatte ganz kurz Angst, dass es jetzt so vorbei ist.

Der Mann: Als Steier Nico Fischer erschießen wollte und beim Umdrehen den Bruder umrennt.

Fehler

Anne: Darf man in Frankfurter Clubs noch rauchen? Aber wahrscheinlich geht das, solange sie abgefuckt genug sind. Und das mit dem Speicher. Niemals im Leben öffnet man so einen Speicher so leise und in so kurzer Zeit.

Falk: Ha! Der Speicher war wirklich ein arger Fauxpas. Zumal es überhaupt nichts gebracht hat – kurz darauf haben die Einbrecher den Flüchtigen ja doch noch entdeckt.

Johanna: Warum werden eigentlich nie echte Clubs genommen? Gibt es in Frankfurt denn keine abgefuckten Kellerclubs mit schlechter Musik? (Spoiler: Ja, die gibt es)

Ninia: Keine Fehler. Der HR macht aus meiner Sicht sehr viel richtig. (schleimischleim)

Falk: Johanna, war der Laden an der S-Bahn eigentlich nicht die Batschkapp? Mir war, dass ich da in der Zufahrt mal Groupie für PJ Harvey spielte.

Ninia: Ja, war er.

Der Mann: Wie ich oben schon sagte: das Zerschlagen der Glühbirne…

Inga: Woher wusste die Polizei beim Finale, dass sie ins “Haus am Ende der Straße” muss und nicht zum Nachbarn?

Top-Tweet

Johanna:

Ninia:

Theresia:

Anne:

Falk:

Inga:

Bechdel-Test

Theresia: Mal wieder nicht bestanden. Wie auch, ohne zweite relevante Frauenrolle?

Ninia: Vollkommen durchgefallen.

Anne: Perfektes Beispiel für “Wie man den Bechdel-Test nicht besteht”.

Falk: Mangels Frauen nicht einmal für den Bechdel-Test zugelassen.

Johanna: Vielleicht glauben sie ja, Gewalt an Frauen würde zum Bestehen ausreichen…

Inga: Mmmpf.

Der Mann: Frauen?

Das habe ich gelernt

Anne: Armin Rohde föhnt sich die Haare. Und: Wer im Keller sitzt, kriegt kein Gewürzgürkchen.

Johanna: Warum hat er eigentlich die Gewürzgürkchen weggeworfen? Da bin ich kurz dezent ausgerastet.

Theresia: Mir wurde auf Twitter erklärt, dass objektifizierende Frauenrollen in einem Krimi voll okay sind, weil es sich ja nicht um einen Dokumentarfilm handelt. #ausGründen wa?

Ninia: Armin Rohde ist zu Recht immer noch einer meiner Lieblingsschauspieler.

Johanna: Zu Recht.

Inga: Das V-Tattoo stand jetzt noch mal für … ?

Ninia: Nico Vischer? (Haha.)

Der Mann: Die großen Spinner wohnen im Vororten oder am Stadtrand.

Falk: Das ist aber wirklich so. Hey, ich bin am Stadtrand aufgewachsen.

Der Mann: Ich auf dem Dorf. Darüber brauchen wir erst gar nicht sprechen…

Theresia: Inga, ich glaube das stand für Valter, Vendetta oder als Hinweis darauf, wo die Vene ist…

Johanna: Oder für Vrankfurt, höhö.

Das wünsche ich mir beim nächsten Mal

Inga: Mehr Hessisch. Wenigstens ein bisschen.

Falk: Ich wünsche mir auf jeden Fall, dass die Drehbücher in Frankfurt nicht mit dem neuen Team ausgetauscht werden.

Anne: Ich hätte gerne mehr Kommissare und Kommissarinnen mit intaktem Sozialleben. Auf Dauer ist das schon sehr anstrengend.

Ninia: Ich hätte gern mehr Kommissarinnen. Aber lassen wir das. Ich habs ja schon oft genug gesagt.

Theresia: Einige der Männerrollen könnten ja auch mal durch Frauen besetzt werden, ich meine… gibt ja keinen Grund dafür, dass es Männer sein sollen.

Johanna: Ich fände es ja mal toll, wenn die Drehbuchator_innen ganz am Ende, wenn das Drehbuch fertig ist, einfach mal alle Rollen tauschen würden. Also die geplanten Männerrollen werden von Frauen gespielt und umgekehrt. Das wäre sicher spannend.

Inga: Das glaube ich auch – und wäre in diesem Fall mal ‘ne echte One-Man-Show gewesen.

Falk: Es gab mal einen Münchner Fall, bei dem mit Ausnahme von den beiden Kommissaren ausschließlich Frauen spielten. “Wenn Frauen Austern essen” hieß der, glaub’ ich.

Der Mann: Sympathische Menschen in alternativen Familienformen. Der neue Chef war eher ein Unsympath.

Falk: War der so total unsympathisch? War halt ein Chef.

Der Mann: Vielleicht versteht der Deutsche das dann nicht…!?

Was ich auch noch loswerden wollte

Falk: Das macht übrigens großen Spaß, hier, mit dem ganzen Besuch.

Johanna: Ich möchte jetzt Blinkeschuhe haben. Und: Ich fand es ganz nett, dass der neue Polizeichef schwul ist und das nicht groß thematisiert wurde. (Weshalb ich es jetzt auch nicht groß thematisieren möchte).

Ninia: Ich bin überfordert bei so vielen Menschen auf dem Sofa. Und Blinkeschuhe will ich auch.

Theresia: Es ist total witzig hier auf dem Sofa zuzugucken 😀 Und ja, die unaufgeregte Art, wie gezeigt wurde, dass der Polizeichef schwul ist und in einer intakten Beziehung mit Kindern lebt, fand ich sehr schön.

Anne: Johanna, das mit dem homosexuellen Polizeichef fand ich auch schön, so ganz nebenbei und ohne viel Aufhebens. Ansonsten finde ich das hier auf dem Sofa sehr lustig.

Falk: Überfordert bin ich nur von der Tatsache, dass ich ins Dokument klicke, und bis ich was geschrieben habe, ist der Text schon wieder eine Ecke weiter. Haben wir eigentlich noch Chips?

Anne: Chips sind alle.

Theresia: Schade, ich hab keine Chips abbekommen….

Falk: Schade. In der Küche ist aber noch Raki.

Johanna: Sind wir mal ehrlich – dieser Tatort war nicht für Chips gemacht. Viel zu laut und so.

Der Mann: Hätte mir für heute einen Durchschnittstatort gewünscht. Ein Verriss hätte mehr Spaß gemacht. Vielleicht wäre der Schweiger dann auch auf dieses Blog aufmerksam geworden.

Johanna: Zum 100. Kriminalsofa laden wir vielleicht wieder ein, hehe.

Falk: DAS Blog. Bitte. (wimmer)

Ninia: Hat er doch geschrieben?!

Der Mann: Trotz Rechtschreibschwäche…

Inga: Ich hätte gern noch die Playlist zum Tatort. Johanna?

Ninia: Hat schon jemand erledigt:

Gesamtnote

Falk: Der war unheimlich spannend. Es gibt ein paar Abzüge: Das Frauenthema war schon mehrfach angesprochen, die fehlende Frankfurt-Spezifik ebenfalls. Und so gut wie das Drehbuch war, fiel ein wenig unter den Tisch, dass die Sache filmisch eher konventionell runtergedreht wurde. Trotzdem: 2 minus.

Johanna: Boah, Falk, wie streng du bist. Filmisch eher konventionell? Allein der Titel und die Einstellungen. Ich war 90 Minuten komplett gefesselt. Das war ästhetisch, ansprechend und einfach gut. Ich gebe eine glatte 1.

Theresia: 2- maximal, weil trotz des guten Drehbuchs und den Kameraführungen & -einstellungen alte “weiße” Männer mit Crisis die zu “ich bin voll deep”-Dialogen führen doch eher langweilig (aka Sonntagstatort) sind. Aber wenigstens wurde geraucht, gesoffen und geflucht. Ist ein bisschen lebensnaher.

Ninia: Unfassbar guter Abgang von Steier. Ich mochte die Geschichte, den Stil, die Dialoge und allem voran die Schauspielkunst. Schade, dass meistens nur in besonderen Fällen so etwas Gutes beim Tatort rauskommt. Ich schließe mich Johanna an: 1. Ich vermisse Conny.

Anne: Ich bin immer noch traurig, dass es Steier und Mey nicht länger gemacht haben. Das war so großartig. Dafür war das jetzt aber ein sehr guter Tatort und ein sehr guter Abgang für Joachim Król. Ob ich jeden Sonntag so viel Spannung ertrage, weiß ich nicht, aber da kann der Tatort ja nichts für. Ich würde eine 2+ geben, glaube ich, aber tatsächlich wüsste ich nichts, was mich ernsthaft gestört hat, außer eben die fehlende Existenz von Frauen.

Inga: Ich gebe eine 2. Aus genannten Gründen.

Der Mann: Beste Unterhaltung: 2+. Für den Einser-Bereich hätte ich mir noch mehr unvorhersehbare Wendungen gewünscht. (Außerdem darf man nicht gleich beim ersten Mal 1er verteilen, sonst wirkt man zu gutmütig…)

Falk: Liebe Besucher_innen, Danke fürs Mitspielen. Morgen Vormittag stellen wir dieses tolle Kriminalsofa online – und freuen uns, wenn ihr mal wieder vorbei schaut.

Les Flaneurs Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. skFFM
    23. Februar 2015
    Antworten

    Der Frankfurt-Tatort war vorher schon ganz okay, aber seit Steier alleine ermittelte, ging’s nochmal ein gutes Stück nach vorne. Schade, dass es schon wieder vorbei ist damit. Die „Frankfurt-Nied“-Szenen, also fast der ganze Tatort, wurden übrigens außerhalb Frankfurts gedreht (Erlensee).

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