
Einige von uns Flâneuren schauen gerne den Tatort. In einem kurzen Rückblick zeigen wir euch an jedem Nach-Tatort-Montag, was wir über den aktuellen Tatort denken, welche Gefühle wir beim Schauen hatten und ob es sich lohnt, noch einmal in die Mediathek zu schauen.
Die harten Fakten:
Titel: Das Muli
Stadt: Berlin
ErmittlerInnen: Rubin & Karow
Austrahlungsdatum: 22. März 2015
tl;dr
Ninia: Drogenpäckchen, krasses Berlin, Beziehungsprobleme, Blut.
Falk: Eheprobleme.
Mark: Offene Beziehung und krude Vorstellungen von Jugendsprache.
Überraschungsmoment
Ninia: Als der Gangster am Ende neben dem Polizeiwagen doch noch erschossen wurde.
Falk: Dass Karow sich am Ende doch noch als Guter rausgestellt hat. Quark, war nur Spaß. Das war ja offensichtlich.
Mark: Grundsätzlich bin ich beim Tatort immer überrascht, wenn ein folgenübergreifender Handlungsbogen aufgezogen wird. Bin gespannt, wie es mit Karow und dem Mord an seinem Ex-Kollegen weitergeht ( – was nicht bedeutet, dass ich den Berliner Tatort tatsächlich weiter verfolgen werde. Höchstwahrscheinlich lese ich in einem Jahr irgendwo im Netz mal nach, wie es um die Hauptstory bestellt ist).
Falk: Hi, Mark. Ja, das mit dem Folgenübergreifenden gefiel mir auch. Allerdings arbeiten sie in Dortmund ja ähnlich.
Ninia: Mark, willkommen.
Mark: Hach, ihr seid immer so höflich zu mir, wenn ich mal mit-Tatort-rumkrittele. Herz und Hallöchen.
Das hat gefehlt
Ninia: Spannung. Und irgendwie Befriedigung. Ich hatte von dem neuen Tatort mehr erwartet.
Mark: Ist das nicht inzwischen Grundvoraussetzung eines jeden Sofadiskussion: Eigentlich hätte man was erwartet, was dann aber nicht eingelöst wurde? Außer, wenn der Wotan dabei ist. Dann erwartet man was und bekommt auch einiges.
Ninia: Ach Wotan. Der war auch schon besser. Außerdem erwarte ich bei Wotan nur Milch. Recht einfach einzulösen.
Falk: Hey, vorige Woche Bremen, das gefiel uns ganz gut!
Mark: Okay, lese ich mal nach.
Falk: Ich will gar nicht so viel lästern. Das ist ja wirklich kein Vergnügen für einen Drehbuchautor, ein neues Team inklusive persönlicher Macken einführen und jetzt auch noch folgenübergreifende Handlungsstränge entwickeln zu müssen .
Das war zu viel
Ninia: Gewollte Berlin-Krassheit.
Falk: Das war mir alles zu viel Berlin aus dem Reiseführer. Siffiger Kreuzberg-Club, cleaner Flughafen Schönefeld, Airbnb-Wohnungen mit schwäbelnden Vermietern, Kinder, ich bitte euch!
Ninia: Also, desch find ich jetzt net so gut.
Mark: War euch zu viel Berlin? Nur deshalb habe ich zugeguckt! Und jetzt will ich auch in einer supertollen Kommissarinnenwohnung wohnen. Grml.
Ninia: Ist ja jetzt ein Zimmer frei bei Meret.
Mark: Und dieser großartig Harmonie-bedürftige Sohnemann würde mir auch sehr gut als Mitbewohner gefallen. Ich setze gleich mal eine Bewerbung auf …
Falk: Ich dachte, das macht das Wohnen in Berlin ohnehin aus, diese riesigen Wohnungen, die praktisch nichts kosten?
Mark: Das ist leider nicht mein Berlin.
Lieblingsdialog
Ninia: “Holen Sie mir einen Kaffee.” “Ich bin hier nicht zum Kaffeeholen.” (Ja, sorry, besser geht’s heute nicht.)
Falk: Kein Lieblingsdialog, wie du schon sagst.
Mark: Aber vielleicht können wir uns darauf einigen, dass die Hospitantin der coolste Charakter des neuen Tatorts ist? Ich hoffe auf weitere nette Momente mit Carolyn Genzkow, echt jetzt. Und fun fact: Die junge Schauspielerin kommt aus Hamburg, hihi.
Lieblingsszene
Ninia: Der Security, der seine Freunde in das Hotel lässt. Schön.
Falk: Und dafür erschossen wird. Mit seinem Hund. Nein, das ich nicht schön. Ach, bezeichnet mich als alten Sexisten, aber ich mochte die Hospitantin. Die war nicht nur so ein Abziehbild, sondern irgendwie echt.
Mark: Meine Reden. Oder wie die coolen Kids heute (womöglich) sagen würden: Word! Aber das wissen die Tatort-AutorInnen ja besser.
Falk: Ja, Mark, das war mir irgendwie klar, dass die junge Frau dein Beuteschema ist.
Mark: Rmpf. Entschuldige, dass ich clevere Damen gut finde.
Falk: Ich sag doch gar nichts.
Fehler
Ninia: Ach ey. So viel Verwirrtheit. Wieso hatte der eine Hitlers Frisur? Wie kommt der Kommissar auf Mexiko? Warum wird einer unter den Umständen einfach so versetzt? Warum bekommt Meret keinen besseren Fall?
Falk: Vielleicht kann ich helfen? Auf Mexiko kam er, weil er schon zuvor mit der gleichen Bande zu tun hatte, und wahrscheinlich sind die auf Mexiko spezialisiert.
Ninia: Ah ja, wegen des Fotos! Ok. Lasse ich gelten.
Falk: Was aber auf jeden Fall falsch war, war die Geographie. Bahnhof Zoo, Hackescher Markt, Kreuzberg, Schönefeld – da passte nichts zusammen.
Mark: Und dann am Ende noch mal den zerfallenden Spreepark im Treptower Park zeigen, um auch die durchgenudelste Location der Stadt gleich in der ersten Berlin-Folge zu verballern. Was wollen sie denn jetzt noch zeigen?
Top-Tweet
Ninia:
HAT MITTLERWEILE JEMAND DIE ARME PFLANZE GEGOSSEN? #tatort
— Quarkkrokettchen (@anneschuessler) 22. März 2015
Falk:
Berlin ist nicht Rostock. #Tatort
— uersfeld (@uersfeld) March 22, 2015
Mark:
Das Revolutionärste, was man im deutschen Fernsehen machen könnte: Tatort-Kommissar mit intakter Familie. #tatort
— Ralf Heimann (@ralfheimann) 22. März 2015
Bechdel-Test
Falk: Rubin und die Leiterin der Jugendhilfeeinrichtung, vielleicht? Ninia: Ja. Kann man schon als bestanden bezeichnen.
Das habe ich gelernt
Falk: Abführmittel sorgt dafür, dass Kokspäckchen im Magen platzen. Ninia: Wusste ich! Weil ein Bekannter als Arzt am Frankfurter Flughafen arbeitete und das mehrmals mitbekam. Schlimm. Ansonsten hab ich gelernt, dass fahrende S-Bahnen in Berlin unrealistisch sind. Danke, Twitter. Mark: Dass der Döner in Berlin für 1,50 Euro über die Theke geht, schockiert vor allem die Twitter-Zuschauer aus München und Frankfurt.* (* nicht repräsentative Spontan-Analyse)
Das wünsche ich mir beim nächsten Mal
Falk: Einen besseren, spannenderen Fall. Und weniger gewolltes Berlin-Sightseeing. Ninia: Genau, weniger gewollt in allem. Ich mag Meret. Ich finde auch die Rolle von Karow interessant. Das kann noch was werden. Mal gucken. Mark: Wieder eine Folge mit Wotan. Wann kommt endlich wieder eine? Wie werde ich darüber informiert? Und kann ich dann hier mal ausgiebig fangirlen? Och, bitte!

Falk: Informiert wirst du von uns, Herzchen. Aber ich muss dich warnen: Die letzte aus Oldenburg war auch nicht so prickelnd.
Was ich auch noch loswerden wollte
Ninia:
Jetzt haben nicht nur die Kommissare im #Tatort private Probleme, sondern auch die Gangster.
— Tatort-Blog (@tatortblog) 22. März 2015
Falk: Ich mag das Role Model des Älterwerdens, das Meret Becker hier repräsentiert.
Mark: Ich glaube, mit dem Robert Karow wollen die Tatort-Macher eine Art Simon-Baker-Reminiszenz schaffen. Aber dafür müssen sie der Figur noch einiges an Charmebolzigkeit hinzufügen.

Gesamtnote
Falk: Okay, der Fall war doof. Und ein neues Team einzuführen, ist nie einfach. Ich rechne ihnen aber an, dass sie versuchen, ein Stück weit ins horizontale Erzählen einzusteigen. Und überhaupt, die ersten Fälle aus Dortmund waren auch nicht besonders, und heute sind die wirklich gut. Das heißt: eine wohlwollende 3-, mit Luft nach oben.
Ninia: Es ist ja schlimm! Wir sind SCHON WIEDER einer Meinung. Ich sehe den Ansatz. Es war heute sehr turbo und “wir packen jetzt alles rein”. Aber ich bin gespannt, wie es weiter geht. Ich gebe auch eine 3-.
Mark: Ich bin der fiese Möpp: 4-. Aber Spaß hat’s gemacht mit euch, Ninia und Falk. Auf bald!


Obwohl ich wegen Jetlag und mimimi ausnahmsweise nicht mit auf dem Sofa saß, habe ich heimlich den Tatort geschaut. Und das ganz ungewohnt ohne Twitter und so. Meret Becker finde ich toll und habe wahrscheinlich jedes Mal laut gequickt, wenn sie etwas gesagt oder getan hat. Die Hospitantin hingegen konnte mich nicht wirklich überzeugen und auch der Karow fand ich doof, obwohl es am Ende ja schon fast versöhnlich wurde zwischen den beiden. Ich glaube ja, dieser komische andere Typ, mit dem sie da wohl was hatte, hat was mit dem gefälschten Obduktionsbericht und vielleicht auch dem Mord am Kollegen zu tun. Irgendwas mit Korruption. Der war mir generell nicht ganz koscher.
Fazit: Ehrlich, ich fand das alles nicht so schlecht und frage mich gerade, ob das auch etwas damit zu tun hat, dass ich null Einfluss von Aussen hatte. Hmm. Ich freue mich auf jeden Fall auf den nächsten Fall aus Berlin.