Unverhofft, doch. | Nils Frahm spielt auf Hamburgs Kampnagel

Nils Frahm, 2015. Foto: Erased Tapes Records
Nils Frahm, 2015. Foto: Erased Tapes Records

Das erste Mal sah ich Nils Frahm am 26. Juli 2010 um 19.20 Uhr im kleinen Saal des Amsterdamer Paradisos. Damals supportete er Shearwater, die ich seinerzeit ein wenig durch nahegelegene Städte mit Freunden darin verfolgte. „Hi, ich bin Michael aus Hamburg, das ist Thomas aus Utrecht“, begrüßte ich ihn nach der Show. „Hi Michael, hi Thomas, ich bin Nils aus Berlin.“ Ich fragte ihn, wie denn das erste Stück hieß, dass er da gespielt hat, jenes mit dem breitflächigen Klavierteppich. Das fand ich ganz fantastisch. Er konnte es nicht beantworten, es sei noch ein Work in Progress, bisher ohne Titel. Über die Jahre habe ich Frahm dann noch viele Male live gesehen, und zwar immer im Vorprogramm, ohne spezifisch ein Ticket für ihn zu kaufen. Er freundete sich mit Ólafur Arnalds an, von dem ich großer Fan bin und den ich so oft wie möglich live sah. Und quasi immer als Support und später als „Überraschungsgast“ mit auf der Bühne: Nils Frahm.

Das Interessante ist, dass der Berliner plötzlich einen Hype erfuhr, der gefühlt den um Arnalds längst weit überholte. Ein Hype, mit dem ich so nie gerechnet hätte, denn gegen Arnalds oft romantische Kompositionen kam mir Frahms Musik immer weit vertrackter vor. In weitgehend ambienten Stücken pflegte Frahm Minimalismus mit Hang zum Experiment, wie das minutenlange Anschlagen einer einzigen Taste in „Said and Done“, das er immer live spielte, wenn ich ihn sah. Und doch war er mit einem Schlag überall präsent, komponierte Soundtracks, Stücke für Werbung, pflegte gemeinsame Projekte mit angesagten Neoklassikern, produzierte und tüftelte in seinem Durton-Studio. Mit der Zeit entwickelte sich auch seine eigene Musik deutlich weiter und ich freute mich immer mehr auf seine Auftritte. Plötzlich kamen sich heftig aufbäumende Synthesizerstücke dazu, wie das atemberaubende „Says“, das ich lange auf Repeat bei ausgedehnten Fahrradtouren durch die Hamburger Nacht hatte. In Musikforen schwärmten plötzlich alle von Frahms Virtuosität, ich fühlte mich fast elitär, wenn mir wieder jemand erstaunt entgegnete: „Was, du hast ihn damals schon live gesehen?“

Jetzt, fünf Jahre später, füllt Nils Frahm gar nicht mal so kleine Locations bis auf den letzten Platz. Natürlich die Volksbühne in seiner Berliner Heimat, aber auch den Kampnagel in Hamburg. Und das freut mich auf vielen Ebenen, für ihn, aber auch für die neue Wertschätzung „moderner Klassik“, mit der ich zuvor so nicht gerechnet hätte. Denn fast am schönsten an seinen Konzerten sind die völlig euphorisierten Reaktionen des Publikums, das Frahm feiert wie eine Horde Teenager One Direction. Nur eben auf angenehmere Art und Weise. Deshalb werde ich wieder live dabei sein, nun das erste Mal bei einem richtigen Solokonzert Frahms, und hoffen, dass er jenen Opener aus Amsterdam von 2010 spielt. Denn das Lied habe ich seitdem nie wieder von ihm gehört.

Seid doch dabei, am Sonntag, dem 17. Mai in der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel. Das Konzert mag schon lange ausverkauft sein, aber wir haben noch zwei Gästelistenplätze, für einen glücklichen Neoklassikfan plus Begleitung. Sendet uns dafür bitte bis nächsten Mittwoch (13. Mai) eine E-Mail mit dem Betreff „Nils Frahm auf Kampnagel“ an redaktion@lesflaneurs.de. Viel Glück!

P.S.: Übrigens hat uns ein Vögelchen gezwitschert, dass Nils Frahm beim Internationalen Sommerfestival im August wieder in Hamburg auf Kampnagel spielen wird! UPDATE: Und es ist offiziell, am Dienstag, 11. August, gibt es Frahms Zugabe. Informationen und Tickets: http://www.kampnagel.de/de/programm/has-lost-his-mind-european-tour-2015/?datum&id_datum=3724

Die erste Begegnung: Nils Frahm 2010 im Paradiso, Amsterdam. Foto: Michael Schock
Die erste Begegnung: Nils Frahm 2010 im Paradiso, Amsterdam. Foto: Michael Schock
Share Button
Michael Schock Verfasst von:

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.