Zeit, etwas zu wagen

Abgeblätterter Putz, silbern glänzende Rohre, puristisch weiße Wände. Das „Lehrter Siebzehn“ bot vergangene Woche den rau charmanten Schauplatz für den ersten „Urban Journalism Salon“. Der Raum als weiße Leinwand für eine neue Idee: Journalismus erlebbar machen, abseits von digitalem oder analogem Papier. Wichtigstes Requisit ist dabei das Publikum. Die jungen Medienbegeisterten waren aufgefordert, zu erleben, zu interagieren – und natürlich die sozialen Netwerke zu füttern. Ein bunter Abend, moderiert von Eva Schulz, folgte.

Die Idee entwickelte Flâneur Mark Heywinkel zusammen mit Rabea Edel und Jens Twiehaus. Abseits der tausendsten Diskussion über die Zukunft des Journalismus wollten sie etwas Neues probieren. Sie wagten das Experiment und stellten ein performatives Magazin auf die Bühne.

Crowdspondent: Steffi Fetz und Lisa Altmeier

Für das Inlandsressort sprechen Steffi Fetz und Lisa Altmeier über ihr „ Crowdspondent“-Projekt. Sie sind zurzeit durch Deutschland unterwegs und berichten über die Themen, die ihre Leser vorgeben. Dafür nehmen sie auf der Bühne ihren nächsten Podcast auf – aus Gewohnheit im improvisierten Kleiderschrank.

Hanno Hauenstein

Wie sieht es in Israel wirklich aus? Was verbirgt die Berichterstattung? Das Format lässt Fragen zu, ruft zur Interaktion auf. Im Auslandsressort trägt Hanno Hauenstein seinen Text zum Streit um das Wasser vor, zeigt Bilder und erklärt. Schleichend wandert die Aufmerksamkeit vom Text auf die Person selbst. Ein neuer Blick auf die journalistische Arbeit eröffnet sich.

Thilo Kasper

Es wird performativ: Thilo Kasper (rechts) kreiert eine Infografik mit Zuschauern. Der „Putsch“-Initiator bespielt auf ungewöhnliche Weise das Politikressort. Es entsteht ein überdimensional anschauliches Beispiel dafür, warum die Karikatur in Zeiten des Internets nicht mehr zum Leser findet. Ein Highlight des Abends.

Urban Journalism Salon

Etwa 380 Menschen sind gekommen, um zu erfahren was hinter der Idee „Urban Journalism“ steckt. Sie scheuten nicht die Interaktion.

Teresa Bücker
Teresa Bücker

Teresa Bücker beim Quiz: Welche Frau in einer Führungsposition suchen wir? Die Botschaft zwischen den Zeilen ist schnell erahnbar, dafür sind die oberflächlichen, herabwertenden Beispiele etwas zu offensichtlich. Die Redaktionsleiterin von „Edition F“ gibt dem Wirtschaftsteil eine unerwartet feministische Seite.

Katrin Gottschalk und Daniela Burger
Katrin Gottschalk und Daniela Burger

Zuletzt wird gebastelt. Aber Basteln ist nicht gleich Basteln. Die Redakteurinnen vom „Missy Magazine“ verstehen es als politische Handlung und bringen das passende Manifest gleich mit. Katrin Gottschalk und Daniela Burger versuchen sich an Tampongeistern und selbstgemachtem Sandwicheis.

In Zukunft bitte mehr davon. Noch mehr Mut und Experimentierfreude. Weil es wichtig ist.

Die ganze Veranstaltung gibt es auch als Aufzeichnung von ALEX TV.

Poster von Indiemags
Poster von Indiemags. (Fotos: Katharina Röben)

 

 

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Katharina Röben Verfasst von:

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