Hypefestivalambiente. (Foto: Ninia Binias)

Hypefestivalambiente. (Foto: Ninia Binias)

Nur noch ein paarmal schlafen, dann startet unsere Lieblingsfestivalfamilie: das Artville, das Scienceville und, für die Kleinen, das Lüttville. Und als Höhepunkt, vom 15. bis 17. August, das MS Dockville, in der schönstvorstellbaren Festivallocation im Hamburger Hafen. Wir freuen uns vor und überlegen, welche Band für wen eigentlich die passendste wäre.

Für Träumer Die Hundreds, die mir auf Platte immer ein Stück weit zu langweilig rüberkommen, die allerdings mit ihrem Piano-Elektro-Pop am frühen Morgen ganz wunderbare Emotionen wachkitzeln dürften. Dann, wenn man eigentlich schlafen möchte, aber nicht schlafen kann, weil doch das Herz so rast. (Falk & Katharina) Am schönsten tagträumt es sich zum melodischen Elektrofolk von RY X und seinem sanften Tenor. (Kathrin) Ha, die neuen Stücke der Hundreds haben teilweise ordentlich Bumms (sagt man das im Jahr 2014 noch? Grumpy old man tut es jedenfalls). So oder so, Hundreds sind Pflicht! Außerdem bin ich sehr gepannt auf den Auftritt der jungen Dänin Broken Twin. Das klingt aus der Konserve schon ganz wundervoll. Wehe ihr zerlabert ihr Set!  (Michael)

Für Verliebte Hercules & Love Affair, weil: Disco enttäuscht dich nie. (Falk) Majke Voss Romme alias Broken Twin. Geigen, Klavier, Pausen an den richtigen Stellen, eine schöne Frau mit einer wunderschönen Stimme. Wenn man dabei nicht gut knutschen kann, dann weiß ich auch nicht. (Jule) Neulich beim gemeinsamen Kochen, irgendwo auf St. Pauli: “Das ist so säuselig, so hauchig … Sind das Air?” “Shazam sagt, das sei ein Remix von La Femme.” “Ha, passt!” Hab ich Bock drauf. (Michael)

Für Islandverliebte Ólafur Arnalds. Und Träumer. Und Verliebte. Ach, eigentlich für alle. Der isländische Multiinstrumentalist und Produzent macht einfach tolle Musik. Und Sehnsucht. (Johanna) Johannas Worte in euer allen Ohren: Ich habe den Óli seit 2007 mehr als ein dutzendmal gesehen, mit Streicherquartett, Orchester, in Triobesetzung, mit und ohne Gastgesang. Enttäuscht wurde ich nie von Arnalds Mix aus neoklassischem Minimalismus und sich hochschraubender, berstender Euphorie. Toll, dass er im Lineup Platz findet! (Michael)

Für Instrumentalliebhaber Nils Frahm versinkt zwischen seinen Instrumenten, während wir in verträumte Sphären entgleiten. Einfach nur wahnsinnig schön. (Katharina) Ich hätte den Nils ja bei Für Melancholiker eingeordnet, aber so oder so ist er definitiv einer der Ausnahme-Acts des Festivals. Ganz besonders. (Kathrin) Das Beste am Herrn Frahm: Er hat sich aus der Intellektuellennische mit der Zeit ordentlich freigespielt und seine neuen Sets begeisterten mich fernab der Pianovirtuosität mit so richtig spacig-sphärisch-genialen Synthistücken. (Michael)

Für Erwachsene Kakkmaddafakka, weil die Norweger quasi im Alleingang das Softrock-Revival stemmen, das einen so schön erinnert an die Sonntage, auf dem Teppich im Elternhaus, damals, in den späten Siebzigern. Ach, SWR 3! (Falk) Sollen die Kids zu ihrem Elektro toben, ich gebe mich derweil wieder mit Haut und Haar den Wild Beasts hin. 2011 war ich so dumm, ihre Show für das desaströs miese Schauspiel von Casper zu verlassen. Fool me once, aber nie mehr! Dieses Jahr kriegen mich keine zehn Pferde vom Set der britischen Indierocker weg. Spielt “Two Dancers (i)” verdammt! (Michael)

Für Kinder Nochmal Kakkmaddafakka, weil die Spätgeborenen gar nicht mehr wissen, was das ist, Softrock. Und deswegen denken, Kakkmaddafakka seien das nächste dicke Ding. (Falk) Samy Deluxe, denn so ein kopfnickendes, zeigefingerschwingendes und kniewippendes HipHop-Kind ist etwas wirklich Feines. (Jule)

Für Eskalierer Ich schwanke zwischen Feine Sahne Fischfilet und Die Antwoord. Die es am Ende dann auch machen. Mecklenburger mit dem richtigen politischen Bewusstsein, gut und schön, aber gegen prollige, sexistische, hochintelligente Aggro-Südafrikaner kommen die Herren von der Küste eben doch nicht an. (Falk) Ich mein, keine Ahnung und so, aber ich glaube, die Kids werden zu The/Das vom feinen Berliner Label Sinnbus durchdrehen. Alles schon passiert. (Michael)

Für Hipsterfreunde Wer auf Bärte, Briten und kuscheligen Gitarren-Folk-Pop steht, wird mit Bear’s Den sehr glücklich werden. (Katharina) (Schnauz-)Bärte gibt’s bei Milky Chance auch, dazu Strubbelfrisuren und lässige oversized Oberteile. “Stolen Dance”, ihren Megaerfolgssong aus dem letzten Jahr,  kann man auch diesen Sommer rund um die Uhr im Radio, im Drogeriemarkt, im Café, im Fitnessstudio hören. Was soll’s, Frontmann Clemens Rehbein hat halt eine wahnsinnig tolle Stimme, die live noch ein wenig rauer und verwegener klingt. Grrr. (Jule)

Für Entspannte Vom Australier Chet Faker gibt es weit mehr hörenswertes als nur sein Cover von “No Diggity”. Aber allein das ist schon verdammt gut. (Katharina) Eigentlich wollte ich hier Baths empfehlen, aber der hat leider abgesagt. Steckt man nicht drin. Dafür fällt mir zum Thema Entspannung noch Sohn ein, den kennt sicher der/die eine oder andere schon. Wenn James Blake schon nicht kommt … (Michael)

Für Vergangenheitsverliebte Jake Bugg klingt wie aus den 60ern. Wer noch nie eine LP in der Hand hielt, geschweige denn von Dylan oder Cash gehört hat, kann sich hier Nachhilfestunden holen. (Katharina)

Für Grrrls Und Boys. Und alle dazwischen: Warpaint. Die vier Kalifornierinnen sind kreative und experimentelle Musikerinnen, coole Frauen und  haben mit dem zweiten Album noch eine Schippe oben drauf gelegt. (Johanna) Volle Zustimmung. Was freue ich mich darauf, mich in den Soundschwaden der vier zu verlieren. Und ich lege noch eine drauf in dieser Kategorie: Die Dänin kann in Sachen Grrrl-Power auf jeden Fall mithalten und war schon letzten Sommer eines meiner Dockville-Highlights. Musikalisch geht es allerdings wesentlich Elektropoppiger zu als bei Warpaint. (Kathrin) Beim letzten Berlin Festival verpasste ich die Hohepriesterin der Traurigkeit: Dillon. Soll dieses Mal nicht passieren. Die andere Seite der Grrrls: das Akzeptieren des Scheiterns, wenn Zähne fletschen nichts mehr bringt. (Michael)

Für alte Hasen Wer schon zur Schule ging, als Thurston Moore mit den legendären Sonic Youth Noiseorgien feierte, der will sich den Solo-Akustik-Moore sicher auch nicht entgehen lassen. (Kathrin) Ich erwähne das Wort Jazz nicht, es kann viel kaputt machen. Formulieren wir es so: Wer zu kreativen, sehr schönen Pianoklängen zwischendrin mal die Füße still halten möchte oder gar wegen fortgeschrittenen Alters (oder Geschmacks) muss, der versuche sich an Carlos Cipa. Toller Komponist. (Michael)

Was allerdings viel wichtiger ist: Was ist denn das Richtige für Euch? Schreibt uns in den Kommentaren, was ihr euch als Höhepunkt auf dem diesjährigen Dockville erwartet, mit kurzer Begründung, und, ganz wichtig: einer gültigen Mailadresse.

Es gibt nämlich was zu gewinnen: Wir verlosen zwei Drei-Tages-Tickets fürs Dockville (ohne Camping, aber, hey, das ist Hamburg, die Stadt der attraktiven Hostels und billigen Singles!). Und wenn ihr bei der Adresse schummelt, können wir keinen Kontakt zu euch aufnehmen – und das wäre doch wirklich schade. Alle Kommentare bis 15. 7. nehmen teil.

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