Mistaken for Strangers

The National – Mistaken for StrangersTom Berninger hat einen Film über seinen berühmten Bruder Matt gedreht: den Leadsänger der Band The National. Herausgekommen ist eine intim-komische Camcorder-Doku mit Herz. 

The National ist eine amerikanische Band, die aus fünf Menschen besteht. Zwei Geschwisterpaare – Scott und Bryan Devendorf und Aaron und Bryce Dessner, die sogar Zwillinge sind – und Matt Berninger. Letzterer ist der Leadsänger und unangefochtener Liebling der Band.

The National – die Band, die man entweder liebt oder hasst, weil andere Gefühle da nicht möglich sind, weil man sich entweder ob der ganzen Traurigkeit in eine Blase aus Melancholie und Pathos ziehen lässt, oder das Ganze aus genau den selben Gründen für prätentiöse Indie-Scheiße hält. So wie Tom Berninger, der jüngere Bruder von Matt.

Leave your home

Matt Berninger ist bekannt für seine Bühnenshows, bei denen er auch gerne mal Weinflaschen auf dem Boden zerschmettert, ausgiebige Spaziergänge durchs Publikum unternimmt und es schafft, trotz perfekt sitzendem Anzug alles andere als spießig zu wirken.

Tom Berninger hingegen ist der Antiheld – ein erfolgloser Filmemacher, der anders als sein Bruder Matt nie versucht, der Liebling zu sein, scheinbar noch daheim bei den Eltern wohnt und dort seine Vorliebe für Splatter-, Trash- und Horrorfilme im Garten auslebt. Der kleine Bruder, der nie erwachsen werden will und auch noch nie etwas zu Ende gebracht hat.

Change your Name

Matt lädt Tom dazu ein, The National bei ihrer Tour als Teil der Crew zu begleiten. Doch statt Handtücher bereitzulegen, Catering für die Band zu organisieren und mit Walkie Talkie einsatzbereit immer am richtigen Ort zu sein, dreht Tim lieber mit dem Camcorder kleine wackelige Filmchen von der Band und stellt unfassbar komische Fragen: „Nehmt ihr eigentlich euren Geldbeutel mit auf die Bühen? Und euren Ausweis? Matt, wie berühmt bist du eigentlich? Bist du bei Konzerten manchmal müde?“. Bei seinen Pflichten versagt Tom völlig, kurz vor seinem Rauswurf und darauf folgenden Heimflug verpasst er völlig betrunken und orientierungslos den Bandbus.

Und auch wenn die gewollt unbeholfene und amateurhaft wirkende Filmerei mit dem Camcorder kein Zufall sein kann und Tom bei der Filmerei und Fertigstellung des Films unterstützt wird, ist der fertige Film zwar doch irgendwie kalkuliert, aber dennoch eine authentische Geschichte von zwei Brüdern, wie sie unterschiedlicher nicht sein können.

Live alone

Der Film ist witzig, unterhaltsam und unkonventionell komisch, weil Tom genau so eine Person ist und keinen glamourösen Film über eine erfolgreiche Band und seinen beliebten Bruder gemacht hat, sondern eine ehrliche Geschichte über zwei unterschiedliche Brüder, die eine gänzlich verschiedene Vorstellung vom Leben und Erfolg haben.

Und irgendwie hat Tom auch einen Film für alle gemacht, die diesen stetigen Konkurrenzkampf und das Messen unter Geschwistern kennen, sich womöglich in der Rolle des unangepassten jüngeren Kindes wiederfinden und das ewige Streben danach, genauso wie ihre größeren Geschwister zu sein, satt haben.

Eat Your Cake

Spiegel Online titelte „Der Rockstar und sein peinlicher Bruder“, und ich glaube, sie haben einen ganz anderen Film gesehen. Tom mag vielleicht etwas anders sein, aber er ist derjenige, mit dem wir nach einer durchzechten Nacht in unseren bier- und schweißgetränkten Shirts eine vor Fett triefende Pizza essen gehen. Der, bei dem wir nicht perfekt sondern wir selbst sein können.

Wenn wir The National das nächste Mal auf der Bühne stehen sehen, ist es immer noch die Band mit den zwei mal zwei Brüdern und Matt Berninger. Aber wir wissen jetzt, dass da noch ein Bruder ist. Tom.

>> mistakenforstrangersmovie.com

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Johanna Emge Verfasst von:

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