Und dann. Und dann. Und dann. Und dann treffen sich Bär, Biber und Hase auf der Lichtung, Vorräte für den Winter sammeln. Und dann verliebt sich Bär in eine Außerirdische. Und dann wird Hase vom Jäger erschossen. Und dann muss die Außerirdische wieder abreisen. Und dann.
Der kanadische Rapper Joshua David Charles Dolgin aka Socalled hat ein Musical geschrieben, „The Season“, und es ist: eine Fabel. Eine Fabel mit Puppen, und die Puppen sehen aus, als ob sie einer kurzen, betrunkenen Affäre von Krümelmonster und irgendeiner Zufallsbekanntschafts-Sockenpuppe entsprungen wären. Dazu gibt es einen schwelgerischen Fifties-Musicalscore zu hören. Und HipHop. Und Indierock. Und osteuropäische Klänge. Irrsinn.
Und auch: kein Irrsinn. Diese Waldtiere, diese schusseligen, verfilzten, hochreflektierten Waldtiere, das sind doch liebenswerteste Nichtsnutze. Sie säen nicht, sie ernten nicht, aber ein Abendessen mit halbwegs trinkbarem Wein bekommen sie allemal zusammen. Die Tiere, das ist die prekäre Generation mit ganz ordentlichem geisteswissenschaftlichem Abschluss aber ohne jeden Ehrgeiz, die Tiere, das sind die Hipster im Waldpraktikum. Selbst wenn sie wüsten, tierischen Sex haben, sehen sie spielerisch aus, selbst wenn sie sterben, hat das eine ironische Anmut. Der Jäger hingegen … Obwohl, der Jäger. Dem passt die Bösewichtrolle auch nicht wirklich, ich meine, die anderen Jäger nehmen ihn ja nicht ernst, verspotten ihn als „Vegetarier“, und als sich er am Ende ein Jäckchen aus Außerirdischenfell strickt, sieht er eher campy aus als gefährlich.
Gut, der Jäger erschießt Hase, aber, mal ehrlich: Hase ist auch irgendwo ein Arsch. Ein Arsch, der beim Auftreten von immer mehr Außerirdischen in böse „Das Boot ist voll“-Rhetorik verfällt. Andererseits ist das gleich noch mal schöner an „The Season“: dass auch Arschlochhase beim lustigen Waldhipstertum mitspielen darf. Und dass wir wirklich traurig sein dürfen, als Hase stirbt, trotz „Das Boot ist voll“.
Und deswegen mache ich jetzt etwas, was eigentlich gar nicht meine Art ist: Ich analysiere ein Theaterstück nicht, ich wäge nicht Pro und Kontra ab, ich gebe einfach nur eine Empfehlung. Schaut euch „The Season“ an. Meine ich ernst, wirklich.
„The Season“, noch täglich bis Samstag, 16. 8., auf Kampnagel, Hamburg, im Rahmen des Internationalen Sommerfestivals





