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Die Großstadt: Zuhause der Nein-Sager. (Foto: Mark Heywinkel)

Es gibt in diesem Leben wohl kaum etwas Leichteres, als Ja zu sagen. Ein Klick auf „Gefällt mir“. Eine Zusage zur Party. Ein Kreuz auf dem Organspendeausweis. Ja, ja, ja. Und alle sind zufrieden.

Schwerer, viel schwerer: das Nein. Denn mit einem Nein kratzt man an Egos und Eitelkeiten, ein Nein verletzt. Und es schreit nach einer Erklärung. Wenn das Ja der Like-Button ist, dann entspricht das Nein dem Kommentarfeld: Es liegt außerhalb der Comfort-Zone und bietet erschreckend viel Platz und Pflicht für Rechtfertigungen und Bekenntnisse.

Deshalb bin ich tendenziell ein Ja-Sager. Nicht zwingend, weil ich Schiss davor habe, ein Nein zu rechtfertigen und dazu zu stehen. Aber ich brauche Zeit für ein Nein, weil ich eben auch ein Grübler bin. Einer, der jede Ansicht tausendmal überdenken muss, bevor er sie für wasserdicht hält. Und ich bin ein Rechtmacher, der jedes Nein dahingehend prüfen muss, ob die anderen damit klar kämen, bevor ich meinen eigenen Bedürfnissen Raum eingestehe.

Nein zu sagen, abzusagen, das ist eine der größten Herausforderung meines Alltags. Dabei hilft mir die Erinnerung an das größte Nein, das ich bisher gesprochen habe: in einem früheren, anderen Leben, als es darum ging, aufs Land zu ziehen. Hätte ich damals Ja gesagt, dann bestünde mein Tag heute vermutlich aus ungestörtem Ausschlafen, Spazierpfaden vor der Haustür, dunstigen Pferdekoppeln, schnapsschweren Hoffesten und langen Busfahrten. Mein Leben wäre geordneter. Ruhiger.

Aber ich habe damals Nein zum Land gesagt, und das war wichtig. Ohne dieses Nein wäre ich nicht nach Hamburg und letztlich nicht nach Berlin gekommen. Ich wäre nicht umgeben von Lärm, Dreck und Sinnesüberflutungen. Ich würde nicht im Ungewissen leben, was ich auf merkwürdige Weise sehr mag. Und ich hätte all die tollen Leute nicht kennengelernt, mit denen dieses Blog möglich geworden ist. Ohne dieses Nein wäre ich nicht ich.

Und ich glaube, so geht es vielen Großstadtmenschen. Wenn ich mich in meinem Freundeskreis umsehe, dann sehe ich Leute, die mit Leichtigkeit “Gefällt mir” klicken, die zu allem erst mal Ja sagen, um nicht uncool zu wirken und um dabei zu sein, Leute, denen das Nein tendenziell schwer fällt. Ich sehe aber auch Leute, die an der entscheidenden Stelle Nein gesagt haben. Nein zu Tirol. Nein zu Flensburg. Nein zum Ortsverband. Nein zur Kirchenmesse. Wenn ich mich in der Großstadt umsehe, dann sehe ich Nein-Sager. Ich sehe Menschen, die im entscheidenden Moment mutig sein können. Und es gibt kein Umfeld, in dem ich mich wohler fühlen würde.

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