Gesa Füßle: Sieben Sätze, warum ich an der Elbe lebe

Foto: Claudia Timmmann
Foto: Claudia Timmmann

1 Eigentlich wohne ich gar nicht richtig in Hamburg, jedenfalls nicht in der Innenstadt, denn ich bin ein Landmensch, ich brauche keinen Trubel um mich herum und schätze es, jedem Haus meiner Straße einen Namen mit Gesicht zuordnen zu können.

2 Trotzdem suche ich die Nähe der Stadt, ich möchte die Möglichkeit haben, Dinge zu erleben, ohne vor meiner Haustür zwangsläufig in die Action hineingezogen zu werden.

3 Nach 17 Jahren woanders habe ich eruiert, was mir wichtig ist: freundliche, ehrliche, offene Menschen, die sich nicht über jede Kleinigkeit aufregen zum Beispiel, oder ein buntes Kulturleben oder ein gewisses Maß an Sauberkeit, das nicht in einen Ordnungswahn ausufert.

4 Das alles zusammen in Kombination mit einer Menge Wasser, das wie ein Stimmungsbarometer mal steigt und mal fällt, selten über die Ufer tritt und ansonsten ruhig vor sich hin fließt.

5 Es gibt keine Steigungen in Hamburg, die mir den Atem nehmen, jedenfalls nicht da, wo ich mich vornehmlich aufhalte, dafür aber eine Steigerung meiner Laune, denn es gibt viel Grün – Grün und Blau, ja, oft auch Grau, aber wen stört das denn, selbst die Literatur lässt ja neuerdings die Grauschattierungen hochleben.

6 Der Wind sorgt dafür, dass jeder Nebel sich umgehend verzieht und mit ihm eine eventuell zart aufkommende schlechte Stimmung.

7 Aber vor allem sind es die Leute: In Hamburg trifft sich die Nettigkeitselite.

Gesa Füßle ist 38 und wohnt seit ein paar Jahren in Hamburg-Kirchwerder, wo sonst nicht so viele wohnen. Beruflich liest und schreibt sie.

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Falk Schreiber Verfasst von:

Falk arbeitet als Redakteur und Theaterkritiker in Hamburg.

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