Alltag, du Sau (9): Zwei Löcher in der Wand

Ich bin ziemlich selbstständig. Seitdem ich 18 bin, habe ich in 6 Städten gelebt, die Umzüge zähle ich nicht mehr. Es gibt wenig, was ich nicht selbst auf die Reihe kriege. Ich fahre große Sprinter durch die Stadt und schlage Nägel in die Wand. Aber eine Sache habe ich noch nie gemacht: ein Loch bohren.

Das geht mit meinem Selbstverständnis als unabhängige Frau natürlich überhaupt nicht zusammen. Nicht, dass ich mir nicht mal gerne helfen lasse, aber dass Frau nicht mit einem Bohrer umgehen kann, ist zu sehr Genderklischee, um es so einfach auf mir sitzen zu lassen.

Also habe ich letzte Woche all meinem Mut zusammengenommen, mir eine Bohrmaschine ausgeborgt, nach Elektroleitungen Ausschau gehalten, die Stelle an der Wand, wo das Loch hinsollte markiert, einen Bohraufsatz ausgesucht (die erste Unsicherheit), mich auf eine Leiter gestellt und losgebohrt.

Das Ergebnis: 2 Löcher in der Wand, die nicht tief genug sind für den Dübel und ein abgebrochener Bohrer. Die Erkenntnis, dass meine Unabhängigkeitsbestrebungen diese störrische Wand einen Dreck kümmern. Und dass Bohren, wenn schon keine Männersache, eine ist, über die man sich vorher ein bisschen informieren sollte.

Kathrin Kaufmann Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. Fettigel
    5. Januar 2015
    Antworten

    Oder einfach gar nicht nachdenken. Ich hatte auch noch nie gebohrt und dann hab ich es einfach gemacht. In Backstein.

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