Foto: Johanna Emge

Frankfurt. Wo unter der Woche Banker mit Aktentaschen und Pendler mit Rollkoffern zwischen den Hochhäusern entlang hetzen, bevölkern am Wochenende die Junggesellen mit ihren Bauchläden die Innenstadt, das Mainufer und Frankfurts „Ballermann“, Alt-Sachsenhausen. In Kleingruppen poltern sie mit Bollerwägen und Bauchläden über die Pflastersteine. Der künftige Bräutigam gerne mal mit symbolischen Ketten oder Fesseln, die Braut mit Schleier. Die Bollerwägen sind prall gefüllt mit Bier und Hochprozentigem, die blumenbeschmückten Bauchläden mit Klopfern, Kondomen und busenförmigen Lutschern.

Die Junggesellen stechen aus der Masse der Menschen hinaus, sie tragen einheitliche T-Shirts und auffällige Kostümierungen. Vielleicht reicht mein Humor für die Sprüche auf den billig bedrucken Shirts nicht aus, vielleicht sollte ich es nicht so ernst nehmen, wenn die Männer dort Sprüche wie „Ab morgen gibt sie mein Geld aus“, „Endstation Traualtar“ oder „Genug wild geritten, ab in den Stall. Lebenslang“ tragen. Die Frauen brüsten sich mit „Germanys next Topwife“ und vermeintlich emanzipierten Aussagen wie „Ich will – und er hat zu wollen“. Zum Totlachen.

„Lächle doch mal“, sagt einer aus der Gruppe der Junggesellen zu mir, als ich schnell an der Gruppe vorbeihusche – nicht ohne meinen Unmut durch einen abfälligen Blick kundzutun. Die Frauen halten sich eher an die schon angetrunkenen Männer, die kaufen ja gerne mal was, auch, weil sie als Belohnung einen Kuss von der Braut versprochen bekommen. Zur Belohnung für die verkauften Gegenstände wird das eingenommene Geld in Wirtshäusern wie dem „Oberbayern“ in Cocktails und Schnäpse mit kreativen Namen wie Ficken, Orgasmus und Gruppensex investiert. Eine Steilvorlage für dumme Anmachsprüche und sexuelle Belästigungen.

Aber macht ja nichts, „sei doch nicht so“, ist schließlich der Junggesellenabschied, das meinen die ja nicht ernst. Ein Freifahrtschein, der jegliches Fehlverhalten entschuldigt: „Die Nacht der Nächte“ wird zelebriert, als gäbe es kein Morgen, zumindest nicht in der Form, wie es bisher war. Als würde man mit dem Ehegelübde tatsächlich die Freiheit an den Nagel hängen und sich fortan nur noch seinen Pflichten als Partner widmen. Würde ich diesen Gedanken vor einer Eheschließung haben, dann würde ich sicherlich nicht heiraten.

In den letzten drei Jahren war ich auf sechs Hochzeiten – und keinem einzigen Junggesellenabschied. Weil ich nie mit der Braut befreundet war, sondern immer mit dem Bräutigam. Und egal ob die Männer auf Mallorca, in Bulgarien oder Alt-Sachsenhausen gefeiert haben – Frauen waren dabei nicht erwünscht. Sicherlich nicht aus Bosheit, sondern weil das eben so ist.

Was bleibt: Für die Feiernden der Kater. Und die Ehe. Für die Anderen ein zurückgelassener Bauchladen im Regen. Und die Frage, ob es nicht auch eine andere Art und Weise gibt, wie man sich vom Junggesellenleben verabschieden kann. Im nächsten Jahr werde auch ich einen Junggesellenabschied organisieren müssen, womöglich sogar in Frankfurt. „Das macht man hier ja so“.

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