Der heilige Bimbam kommt in die Stadt

Berlin Design Market_5_72dpiDurch Berlin stolpernde Menschen haben oft mit einem Überangebot und dadurch verursachten Entscheidungsproblemen zu kämpfen. Der Trend zu U-Bahn-Karten, die einen zu den besten Burgern, besten Bars und sogar den besten Weihnachtsmärkten führen, ist somit keine große Überraschung. Kurze Laufwege, weniger Diskussion, mehr Effizienz. Aber wo bleibt da die Überraschung? Hier! Vom 11.-14.12. und 18.-21.12. wächst die „Neue Heimat“ auf dem RAW-Gelände um ein weiteres Weihnachtsspektakel: Heiliger Bimbam denkt man sich da, noch mehr Weihnachten? Aber klar! Wir haben ein wenig mit Katja Weber geplaudert, die als Mitbegründerin des „Berlin Design Market“ ganzjährig kleine, feine Feste feiert und euch nun mit dem „Heiliger Bimbam“-Weihnachtsspecial die Vorweihnachtszeit noch ein wenig mehr versüßen will.

Die Zeit der Weihnachtsmärkte hat begonnen und gerade in Berlin ist die Auswahl riesig. Um es den Leuten ein wenig einfacher zu machen: Wieso sollten sie eurer Weihnachtsedition „Heiliger Bimbam“ einen Besuch abstatten?

Der Heilige Bimbam ist die Weihnachts-Edition des Berlin Design Markets und als solche natürlich inhaltlich in naher Anlehnung an die Veranstaltungen, die wir bereits im Sommer und Herbst veranstaltet haben. Wir suchen Dinge aus, die wir toll finden – von Fashion über Accessoires, Produkte, Kulinarik und allerlei Dingen, die wir mögen. Bis hin zu Kosmetikartikeln, Kunst, Möbeln und sogar speziellen Spirituosen. Wer uns sonst mag, wird uns also an Weihnachten lieben.

Der Heilige Bimbam ist aber nicht nur Shopping. Die Gesamtinszenierung ist wichtig. Weihnachten ist doch so romantisch – und dafür braucht es Orte, die das bieten ohne zu kitschig oder zu traditionell zu sein. Aber ich bin auch ein riesiger Fan vom Weihnachtsrodeo. Ich finde man sollte auf beiden Veranstaltung gewesen sein. An Weihnachten kann man doch gar nicht genug Glühwein trinken und sich über glitzernde Vorweihnachtsromantik freuen.

Euer Markt verbindet hochwertige Produkte mit regionaler Herkunft und spannender Küche. Werden solche Rundum-Wohlfühl-Kombinationen immer präsenter?

Ich glaube, dass es den Konsumenten immer wichtiger ist, zu verstehen, wo die Dinge herkommen und unter welchen Umständen sie produziert wurden. Man war wahrscheinlich gefühlt noch nie so hilflos wie aktuell. So lange man bei globalen Firmen einkauft, kann man selten sagen, an welcher Stelle Umweltsünden, schlechte Arbeitsbedingungen, Ausbeutung oder sonstige Umstände einfließen. Selbst zertifizierte Firmen finden Schlupflöcher.

Eine Antwort sind regionale Produkte – am besten vom Produzenten selbst verkauft. Und da gehen Qualität und Anspruch von Essen und Produkten/Fashion doch Hand in Hand. Dass Food so „in“ ist wie gerade jetzt, war lange überfällig und ist meiner Meinung nach auch keine kurzfristige Zeiterscheinung. Für uns ist das Essen ein bedeutender Teil der Inszenierung. Die Qualität ist ausschlaggebend und jeder Food-Designer ebenso interessant wie die Gestalter von Fashion und Produkten.

Wie wählt ihr die Aussteller aus? Wechselt ihr gerne durch und probiert immer was Neues oder versucht ihr schon vorher Trends auszumachen oder sogar selbst anzutreiben?

Es ist immer eine Kombination aus verschiedenen Faktoren. Wir recherchieren sehr viel und sammeln dauernd neue Ideen – wenn wir Labels oder Produkte finden, die uns gefallen, schreiben wir sie an. Wir sind dabei natürlich darauf „beschränkt“ in Berlin und Umgebung zu suchen. Unser Markt ist aktuell nicht so angelegt, dass ein Label zu weit reisen kann – anders als im März beim Fashion Circus, bei dem auch zahlreiche Schweizer Anbieter mit dabei waren. Das geht eigentlich nur, wenn man in der passenden Saison Events über mehrere Tage macht.

Gleichzeitig bewerben sich bei uns auch Designer, Künstler und Verkäufer, die wir nicht zuvor angeschrieben haben. Dort nehmen wir eine kleine Selektion vor, lassen die Leute sich aber gerne mal ausprobieren. Nichts ist so ehrlich wie der Markt und diesen sehen wir vor allem als Kommunikationsplattform. Die Abwechslung bringen wir auch durch unsere wechselnden Themen in die Märkte. Das muss dann nicht notwendigerweise an den Ständen sichtbar sein.

„Heiliger Bimbam“ findet zusammen mit der „Holy Heimat“ auf dem RAW-Gelände in Berlin statt. Woran wird euer Markt erkennbar sein? Oder packt ihr einfach alles zusammen und macht eine riesige, gemeinsame Sause?  

Der Designmarkt wird ab dem 11. Dezember, also dem dritten Holy-Wochenende, starten. Komplett indoor in bekannter Manier in den Hallen 16 und 13 – das sind die beiden vorderen Hallen, in denen wir bereits im Sommer waren. Für “Holy Heimat“ haben die Jungs hingegen zahlreiche fast schon klassische Weihnachtsmarkthütten gebaut, die um die Hallen sowie in einer komplett neuen zusätzlichen ehemaligen Werkhalle verteilt werden. Außerdem gibt es mit der Eisbahn noch illustre Weihnachtsspecials, die alle um uns herum passieren werden.

Vor fünf Jahren hast du mit einer Freundin zusammen den Zürcher MONTAGSMARKT ins Leben gerufen und pendelst derzeit zwischen Zürich und Berlin. Obwohl du Wahlberlinerin bist, stell‘ ich mal die fiese Frage: Wo fühlst du dich wohler?

Das kann ich wirklich nicht sagen. Beide Städte haben so starke Eigenarten, Ecken und Kanten, Liebenswürdigkeit und Charme, dass man sich für keine entscheiden kann. Ich schwör’s!

Berlin ist jung, groß, dynamisch, manchmal noch etwas pubertär und kennt weder Grenzen noch ist das Selbstvertrauen bereits so ausgereift. Zürich hingegen ist total hübsch und gleichzeitig geht es allen Menschen gut, die Stadt ist eher zurückhaltend und dennoch für die Größe (10 % von Berlin!) sehr vielfältig kreativ. Außerdem leben alle meine langjährigen Freunde dort. Ich kann mir ein Leben ohne das eine oder das andere gar nicht vorstellen. Bin aber tatsächlich – das muss ich zugeben – dadurch auch sehr häufig hin- und hergerissen.

Berlin Design Market_8_72dpiWelche Trends nimmst du aus Berlin mit und was bringst du aus Zürich zurück? Gibt es ähnliche Entwicklungen?

Es ist erstaunlich, wie gut die Brücke zwischen den beiden Städten funktioniert. Das liegt wohl auch daran, dass Zürich die gefühlte Kultur-Hauptstadt der Schweiz ist (sorry Bern) und damit auch einen großen Sog für junge, internationale Menschen bietet – also eine gewisse Parallele mit Berlin nicht von der Hand zu weisen ist. So haben wir im vergangenen Sommer in Zürich das erste Street Food Festival der Schweiz veranstaltet. Mit einem völlig unerwarteten Erfolg. Die Leute kamen in Scharen und hatten eine riesige Freude. Das Festival war nicht zuletzt ein Erfolg, weil wir zahlreiche Anbieter aus Berlin mitgenommen haben. Natürlich stammen die „Berliner“ aus der ganzen Welt. Das ist vielleicht an der Stelle noch wichtig zu sagen. Das Thema ist tatsächlich universal.

Umgekehrt haben wir den Design Market aus der Schweiz mit nach Berlin genommen. Jetzt könnte man anmerken, dass es bereits solche Märkte in der Stadt gibt. Dem kann ich nicht widersprechen. Was ich aber glaube, und das zeigt ja auch der Zuspruch, den unsere Veranstaltungen genießen: Die Leute lieben den Austausch. Plattformen, wie wir sie bieten sind keine Neuerfindung, sondern eine Neugestaltung. Wir inszenieren anders – vielleicht ist das „Züri-Style“. Auf jeden Fall kam kürzlich ein befreundeter Clubbesitzer aus Zürich zu Besuch in die Neue Heimat, als der Markt gerade startete und meinte, dass man unsere Handschrift schon am Eingang erkennen könnte. „Sieht fast aus wie in Zürich“.

In Zürich seid ihr außerdem mit dem Barprojekt „Frau Gerolds Garten“ sehr aktiv. Berlin ist in der Hinsicht durch die alternative Szene und die vielen Freiflächen gut gefüllt – habt ihr trotzdem Pläne für ein Berliner Barprojekt?

Wir planen immer. 😉 Und ich glaube, dass Projekte, die mit Liebe gemacht sind – so pathetisch das auch klingen mag – immer ihren Platz finden. Aktuell sind wir allerdings am Planen eines Projekts in St. Moritz. Eine kleine Charity-Pop-Up Bar in den Bergen. Und ich mache ja gerne eines nach dem anderen.

Um nochmal auf die schöne Weihnachtszeit zurückzukommen: Welche Dinge stehen dieses Jahr auf deinem Wunschzettel?

Ui – physische Dinge oder generell? Da das zweite zu weit führen würde, beschränke ich mich auf das Dingliche: Ich hätte gerne mal wieder einen neuen Rucksack (ich bin ja bei jedem Wetter mit dem Fahrrad unterwegs und habe einen entsprechend schnellen Verschleiß an Taschen). Außerdem würde ich mir wünschen mit meinen Freundinnen im nächsten Jahr eine kleine Reise zu unternehmen. Ich mag gerne Geschenke, die erlebbar sind.

Da auf Weihnachten immer auch Silvester folgt: Welche Vorsätze und Ideen gibt es für den Berlin Design Market im kommenden Jahr?

Ein Highlight wird sicher wieder der Sommer. Nächstes Jahr können wir dann wirklich mal Vollgas geben und planen, die Mittwochabende in der Neuen Heimat zu rocken. Ich persönlich liebe diese lauen Sommernächte, bei denen man einfach ein bißchen stöbern kann, sich eine Kleinigkeit kauft und im Anschluss mit einem Drink und etwas zu essen den Abend ausklingen lässt. Aber jetzt erst einmal Glühwein und Zimtstangen!

Berlin Design Market ‚Heiliger Bimbam!’ 
11. bis 14. Dezember 2014, Do.-Fr. 15-24 Uhr, Sa.-So. 12-24 Uhr  
18. bis 21. Dezember 2014, Do.-Fr. 15-24 Uhr, Sa.-So. 12-24 Uhr  
‚Neue Heimat’ RAW-Gelände – Tor 3, Halle 13 & 16 Revaler Straße 99 / Ecke Dirschauer Straße 10245 Berlin Friedrichshain www.berlindesignmarket.de

Alle Bilder haben uns die freundlichen Menschen von muxmäuschenwild zur Verfügung gestellt.

Enrico Seligmann Verfasst von:

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