Julefrokost in Kopenhagen

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Böse Weihnachtsgnome als Deko (Foto: Kathrin Kaufmann)

Das erste Adventwochenende habe ich dieses Jahr in Kopenhagen verbracht. Städte zur Weihnachtszeit zu besuchen mache ich gerne, weil man sie von einer ganz neuen Seite kennenlernen kann. Dieses Mal sind wir außerdem bei einer Studienkollegin von mir untergekommen, die schon seit Jahren in Kopenhagen lebt und ein paar Geheimtipps für uns hatte.

So kamen wir auch zu der besonderen Ehre, bei einer typisch dänischen Julefrokost dabei zu sein. Eigentlich ist das nichts Anderes als das traditionelle Essen am ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag mit den Verwandten (jule = Weihnachten, frokost = Mittagessen). Aber schon vorher treffen sich Firmen, Vereine und Freundeskreise zur ausschweifenden Julefrokost.

Dank des Engagements unseres dänischen Gastgebers Bo (Anrufe bei 10 Restaurants) haben wir es geschafft, kurzfristig noch einen freien Tisch in einem traditionell dänischen Restaurant für eine typische Julefrokost zu ergattern. Und ich kann nur sagen: Das ist ein Erlebnis – und das nicht nur, wenn man wie ich Vegetarierin ist.

1, 2, 3, 4 Gänge

Ich wurde schon vorgewarnt: Bei der Julefrokost gibt es vier Gänge: 1x kalter Fisch, 1x warmer Fisch, 1x Fleisch und dann die Nachspeise. Gut, Fleisch esse ich normalerweise nicht, dachte ich mir, aber ein Gang weniger, was soll’s.

Wir saßen also in diesem Laden, wahrscheinlich als erste Touristen jemals, neben uns der Altherrenverein mit roten Gesichtern, hinter uns die Betriebsweihnachtsfeier inklusive freizügig gekleideter Kolleginnen und dann ging es los:

0) Julebryg
Das Weihnachtsbier zählt zwar nicht als eigener Gang, aber in Sachen Nährwert und Prozente darf man es hier auf jeden Fall extra aufführen. Fazit: Gut aber gefährlich!

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Fisch in allen Varianten (Foto: Kathrin Kaufmann)

1) Kalter Fisch
Lachs, Hering in zwei Varianten, Kapern, Schweineschmalz und Garnelensalat wurden als Erstes auf einem Tablett mit Füßen mitten auf den Tisch gestellt, dazu Brot. Erste Etappe, super lecker.

1 a) Den Schnaps nicht vergessen!

Irgendwie habe ich es geschafft, noch nie in Kontakt mit Aquavit gekommen zu sein – dieser Abend hat das geändert. Denn bei Julefrokost ist die Runde Schnaps zu jedem Gang obligatorisch.

Wir essen zwei Drittel der Platte leer und sind eigentlich satt, aber es muss ja weiter gehen.

2) Warmer Fisch Fleisch

Überraschung: Bei dieser Variante der Julefrokost kommt gleich Fleisch statt Fisch. Direkt vor mir wird die Blutwurst platziert und kurz überlege ich, ob mir das als Vegetarierin jetzt die Laune verdirbt. Aber auf Reisen mache ich immer mal wieder Ausnahmen, kulinarisches Erkunden mag ich genauso gerne wie kulturelles, also finde ich mich mit meinem Schicksal ab und koste zumindest alles bis auf die Sülze. Aha-Effekt: Blutwurst schmeckt gar nicht nach Blut. Schon gar nicht, wenn man sie mit Honig und Zimt isst. Außerdem auf der Platte: Rote Bete, Schweinebauch, Kartoffelsalat, Chutney und Senf.

Nach einer weiteren Runde Julebryg und Schnaps geht’s weiter.

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Am besten war die Blutwurst. Ehrlich jetzt. (Foto: Kathrin Kaufmann)

 3) Und nochmal: Fleisch

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Foto: Kathrin Kaufmann

Die Dänen mögen Fleisch. Viel Fleisch. Deshalb gibt es nun noch Ente und weitere Varianten vom Schwein (und war das eine Rind?). Hier hab ich mich dann doch eher ans Rotkraut und die Spinatrahmbeilage gehalten, aber meine Begleiter haben sich tapfer geschlagen.

4) Käse und Risalamande

Bei der Nachspeise bin ich auch wieder voll mit dabei: Neben Käse gibt es den typisch dänischen Weihnachts-Mandelmilchreis mit heißer Kirschsauce. Sehr lecker! Normalerweise versteckt die Köchin eine ganze Mandel im Milchreis und wer sie findet bekommt ein Geschenk. Bei uns war leider keine dabei.

Was wir stattdessen bekommen haben: eine saftige Rechnung. Wobei das teure nicht das Essen war, sondern, skandinavientypisch, der Alkohol.

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Risalamande (Foto: Kathrin Kaufmann)

Fazit: Macht das!

Solltet ihr mal die Gelegenheit haben, eine Julefrokost mitzumachen, lasst es euch nicht entgehen. Außer, ihr könnt wirklich nichts mit Fleisch anfangen. Oder Alkohol. Denn beides gehört einfach dazu.

In diesem Sinne: Skål und God Jul!

PS: In Kopenhagen kann man auch sonst sehr vorzüglich schlemmen, aber mehr dazu im nächsten Blogbeitrag.

 

Kathrin Kaufmann Verfasst von:

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