
Einige von uns Flâneuren schauen gerne den Tatort. In einem kurzen Rückblick zeigen wir euch an jedem Nach-Tatort-Montag, was wir über den aktuellen Tatort denken, welche Gefühle wir beim Schauen hatten und ob es sich lohnt, noch einmal in die Mediathek zu schauen.
Die harten Fakten:
Titel: Im Schmerz geboren
Stadt: Wiesbaden
ErmittlerInnen: Felix Murot
Austrahlungsdatum: 13. Oktober 2014
tl;dr
Ninia: Ein grandioses Theaterstück in Instagram. Blut.
Johanna: Mehr Leichen als bei Nick Tschiller und das auch noch kunstvoll verpackt.
Überraschungsmoment
Johanna: Der ganze Tatort war eine einzige Überraschung.
Ninia: Absolut. Ich fand viele Szenen auf ihre eigene Art und Weise überraschend. Am meisten aber, dass man sich getraut hat so etwas Beklopptes, und das ist positiv gemeint, auf den Screen zu bringen.
Das hat gefehlt
Ninia: Ein richtiger Tatort (EGAL!).
Johanna: Ich habe mich 90 Minuten so richtig gut unterhalten gefüllt, da hat definitiv nichts gefehlt. Zumindest an Spannung, Action und so. Ein paar mehr (gute) Rollen für Frauen hätten allerdings nicht geschadet.
Ninia: Nicht geschadet, ist gut – es war ja quasi fast keine vorhanden.
Das war zu viel
Johanna: Die rückblickende Szene mit dem Dreier war ja ganz nett, aber der animierte Schmetterling war dann doch zuviel des Guten. Ich hatte schon die Befürchtung, dass sie diesen in der Schlussszene noch mal aufgreifen, das haben sie aber zum Glück sein lassen. Stattdessen eine Feder, nunja. Forrest Gump lässt grüßen.
Ninia: Ich wusste nicht ganz, was ich von dem Erzähler zu halten habe und ob der wirklich nötig war. Ansonsten war die ganze Geschichte natürlich komplett abstrus. Und der brennende Papierkorb am Ende war vielleicht auch zu viel. Aber gerade das war auch wieder schön.
Johanna: Das mit der Erzählstimme fand ich toll! Das will ich unbedingt öfter haben.
Lieblingsdialog
Ninia: “Warum brennt der Papierkorb?” “Ich weiß nicht.” (Den genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr, aber die Szene war komplett lustig.)
Johanna: Und die darauffolgenden “Gags” auf Twitter “Warum brennt der Papierkorb? Warum liegt da Stroh?…” waren dann auch absehbar. Gut fande ich auch: “Sie machen Internetdating?” – “Nein, natürlich nicht, das war eine Anzeige in der Zeitung”.
Lieblingsszene
Johanna: Selbstverständlich die völlig surreale Szene, als Murot und Harloff im Park auf der Bank sitzen, Kaffee trinken und dann die ganzen Sondereinsatzgedönspolizisten auch noch Drinks mit Schirmchen von Harloff spendiert bekamen.
Ninia: Was Johanna sagt.
Dabei habe ich Gänsehaut bekommen
Ninia: Ständig. Vor Aufregung.
Johanna: Wenn Harloff so direkt in die Kamera geschaut hat und man quasi nur seine dunklen, tiefschwarzen Augen gesehen hat. Wahnsinn.
Fehler
Ninia: Keine Fehler. (Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sage.)
Johanna: Ganz ehrlich – ich hätte es nicht mal bemerkt, wenn es einen Fehler gegeben hätte. War ja auch Kunst und so, ne.
Top-Tweet
Ninia:
Bang bang, he shot her down, bang bang. #Tatort
— Simon (@neuhamburger) 12. Oktober 2014
Johanna:
drei tote an einem hessischen bahnhof. ich kann sie beruhigen, der rmv ist nicht zuständig. #tatort
— stadtkindFFM (@stadtkindFFM) October 12, 2014
Bechdel-Test
Ninia: Siehe oben. Nicht bestanden, aber sowas von nicht.
Johanna: Wenn sie beim nächsten Mal noch eine Schippe drauflegen wollen – und das müssen sie ja wohl – dann geht das nicht ohne tolle Frauen. Also los!
Das habe ich gelernt
Ninia:
Ich mag diese Mischung aus Möchte-Gern-Hollywood und deutscher Uneleganz. #tatort
— Ninia LaGrande (@NiniaLaGrande) 12. Oktober 2014
Johanna: Ein Tatort kann auch ein toller Tatort sein, wenn er eigentlich kein Tatort ist.
Das wünsche ich mir beim nächsten Mal
Ninia: Das mag jetzt komisch klingen: Einen richtigen Tatort. Das war ein grandioses Märchen und ich bin immer noch völlig begeistert, aber so ein kleiner, süßer Fall mit einer Leiche, Ermittlungen und “Huch, der wars”-Moment am Ende wär auch mal wieder toll. Ansonsten bitte das von gestern mehrmals im Jahr.
Johanna: Wieder den Tatort ganz alleine und entspannt im Schlafanzug auf dem Sofa schauen. Auch wenn das gestern bei der Tatortshow sehr schön war – ich hatte doch auch Angst, zu viel vom Tatort zu verpassen. Und das ist ja generell schon schwierig, wenn man nebenher viel twittert.
Was ich auch noch loswerden wollte
Ninia: Dieses Tatort-Liveshow-Ding (http://www.you-fm.de/index.jsp?rubrik=89175) hat sehr viel Spaß gemacht. Auch wenn ich beim spannenden Moment, als alle erschossen wurden, gerade verkabelt wurde.
Johanna: Ulrich Tukur ist toll. Bei der Tatortshow gab es ja diese Einspieler, wo er zu Twitter befragt wurde. Leider kannte er das nicht und nutzt es daher auch nicht. Lieber Ulrich, komm doch bitte zu Twitter. Da funktioniert das mit dem Dating sicher auch besser als bei Zeitungsannoncen.
Gesamtnote
Ninia: Ohne viel Laberei: 1.
Johanna: 1. Wäre Falk nicht im Theater gewesen, dann hätten wir hier uns sicher was anhören müssen. So von wegen “…wenn ich ins Theater gehen will, dann gehe ich ins Theater und schaue keinen Tatort”. Oder, Falk?
Falk (Der sich verspätet noch einschaltet): Ich sah’ die letzte Viertelstunde, bin also kein seriöser Kritiker und habe mich diesmal rausgehalten. Aber das, was ich da sah, war in meinen Augen Theater für Leute, die seit 30 Jahren kein Theater mehr von innen gesehen haben, überkanditelt, pathetisch, mit einem eigenartigen Humor, der, vermute ich mal, hauptsächlich aus falsch verstandenener Postmoderne resultiert. Aber, wie gesagt, seriös werte ich ich nicht.
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Johanna und Ninia haben den Tatort gestern Abend gemeinsam in Frankfurt geschaut, bei der ersten Tatort-Liveshow! Ninia war sogar als Talkgast in der Runde dabei. Die Show lief im Anschluss im Netz und Radio. Wer sie verpasst hat, kann sie hier anschauen:





Ein Kommentar
Rolf says:
Okt 13, 2014
FALK DU HAST SO RECHT!
Vielen Dank für das unseriöse Kurzkritik-Satement aus meinem Herzen.
Ich hatte den ganzen Film über den Eindruck, einem überambitionuerten Abschlussfilm zu zu sehen, wo ein kleiner Möchetgern-Quentin versucht, alle Film- und Kulturzitate unterzubringen, die er so kennt und damit Eindruck schinden will. Hat ja geklappt, wenn man sich den Twitter-Euphoriesturm anschaut.
Ich frage mich nur die ganze Zeit: Where is the beef?