Les Flâneurs sind ein Jahr alt, Hurra! Aber wir wollen uns nicht feiern, im Gegenteil – wir wollen hören, was an uns so richtig blöde ist. Natürlich: damit wir erfahren, was wir im nächsten Jahr besser machen können. Aber auch: weil wir es irgendwo ziemlich geil finden, so richtig fett gegens Schienbein getreten zu bekommen. Und was wolltet ihr uns schon immer mal sagen? Die Kommentare stehen euch offen.
Schmutz
Hallo liebe LesFlaneurs! Ihr wollt also wissen, was ihr anders machen könnt? Für mich ist das ganz einfach: Ihr müsst wieder mehr Schmutz fressen!
Euer Magazin ist toll, das wisst ihr schon, das sagen euch vermutlich alle, und, ja, auch ich sage das. Aber euer Magazin ist auch für saubere nette Menschen und vermutlich auch von solchen. Schon auf euren Fotos seht ihr alle so nett und kuschelig aus. Keine Sorge, hier kommt jetzt keine dümmliche Härtetest-Bewertung, aber ihr wolltet ja wissen, was ihr besser machen könnt.
Ich liebe Kunst, ich liebe Kultur, ich liebe Unterhaltung, und das alles habt ihr. Aber ich liebe auch den Kohlenpott, in dem ich nun mal geboren bin. Die Klischees mögen überzogen sein, wir leben hier nicht in Schwarz-Weiß, weil hier alles so schmutzig ist von der Kohle, aber andersherum kommen die Klischees auch irgendwo her und es wird schon einen Grund geben, warum mich alle auslachen, wenn ich erkläre, dass meine Heimatstadt eine der grünsten Großstädte Deutschlands ist. Der Pott ist vielleicht nicht mehr ganz so dreckig, aber so richtig schön ist er halt auch nicht.
So, wie auch viel Kultur, Kunst und Unterhaltung. Klar, die hippen Twens und jungen Erwachsenen gucken Sonntags Abends Tatort, schlürfen Weinschorle und diskutieren moderne, aber nicht zu hauptstromige Kunstinstallationen, aber manchmal bleibt mir in eurem Magazin dabei eines auf der Strecke. Ich wiederhole mich vielleicht: das Schmutzige.
Geht doch bitte mal an die Orte, wo die Künstler sich nicht mal trauen, sich so zu nennen. Wo sind die Konzertberichte aus dem ranzigen Jugendtreff mitten im Stadtteil, wo die wirklichen Bands des Untergrunds spielen? Ich bin ja selbst nicht besonders hart, aber wo ist denn mal ein bißchen versoffener Schmodder-Punk-Kram?
Ihr müsst ja auch nicht mit euren schönen Klamotten hingehen. Taucht ein, taucht unter. Ja ja, ich weiß: Ihr seid Flaneure und keine Sozialarbeiter vom Kiez. Aber ist das nicht irgendwie schade? Ihr habt tolle Menschen die tolle Dinge schaffen in Interviews und erzählt über sie, aber entwickelt doch auch noch mal ein bisschen mehr Sinn fürs Mittelmaß.
Das ist ja auch für euch besser. Wenn die hoffnungslosen Fälle dann nämlich mal vorwärts kommen, könnt ihr doch sagen: “Die fanden wir schon vor ihrem Erfolg echt ganz außerordentlich mittelmäßig!” Bietet denen eine Plattform, die sie sonst nie haben würden. Nutzt eure Reichweite, setzte die Kleinkünstler mal unter Druck, größer zu werden. Denn wenn ich eins hier im Kohlenpott gelernt habe, dann: Setzt man die schmutzige Kohle nur lang genug ausreichend Druck aus, dann wird ein Diamant draus.
Liebe FlaneurInnen! Fühlt euch unter Druck gesetzt, in nicht allzu ferner Zukunft will ich euch auch als Edelstein unter den Blogmagazinen sehen.
Jay Nightwind ist Schreiber, Blogger und Poetry Slammer. Das gebürtige Pottkind redete gerne über die Gesellschaft und wo ihre Reise hingeht. Im Blogmagazin “DerNachtwind” bietet er gemeinsam mit Freunden und Gastautoren ein breites Allerlei von Kurzgeschichten, Berichten und Rezensionen an.
Liebe Flaneure, ihr glaubt ja wirklich, jede eurer Ideen ist gut. Aber lasst euch eins mal gesagt sein: Nein! Wirklich nicht jede Idee ist gut. Wenn ihr schon Woche für Woche über den Tatort urteilen wollt, dann tut das doch auch bitte Woche für Woche und nicht nur dann wenn ihr Lust habt. Innerhalb eines Jahres habt ihr es nur 30 Mal geschafft, über den Tatort zu schreiben, das geht auch besser! Herzlichst eure Amina
Novalis
Les Flâneurs wird ein Jahr alt. Ach, Mensch. Sogar Knut ist vier Jahre alt geworden. Da habt ihr also noch ein bisschen was vor euch. Um euch direkt den Jubiläumswind aus den pseudomaritimen Segelohren zu nehmen: Man kann nur hoffen, dass es nie so weit kommt. Denn was sich hinter dem ach-so-einzigartig-französisch-klingenden Blog-Projekt einiger journalistischer Springinsfelde und Hallodris verbirgt, ist das prätentiöse/prètentieusé letzte Aufbäumen einer Gruppe, die entweder auf durchgenudelte und -gegähnte Twitterhypes wie Tatortbesprechungen aufhüpft oder das eigene Konzept des Urbanen mit spätromantischem Wald-und-Wiesen-Schwelgen untergräbt, dass man Novalis auf die leidige Lanze brechen möchte. Das hat so wenig Relevanz, dass ich mich gar nicht so sehr schämen muss, dass die Wochenend-Intellektuellen für den urbanen Skinny-Jeans-Träger mit rebellischer Jeverfahne einen meiner Texte veröffentlichten – den Mist tut sich ja sowieso kein Mensch an. Denn frei nach Groucho Marx kann ich natürlich keinen Blog gut finden, der so wenig Anspruch hat, dass mein Geschreibsel genügt. Was natürlich auch für diesen Rant gilt.
Alles Gute, ihr Schnuffis!
Timo Petersen bloggt unregelmäßig auf Drop Words Like Enter, twittert sehr regelmäßig und mag Les Flâneurs eigentlich, kann das aber nicht so gut zeigen.
Ich weiß nicht, wieso ich euch so hasse – Tatortsofasurfer eurer Stadt. Ich bin alleine, und ich weiß es – aber ich find es sogar cool. Denn ihr demonstriert Verbrüderung … Schließlich gibt es doch einen wesentlichen Grund, euch so richtig doof zu finden. Zum Beispiel letztes Jahr im Sommer, drüben auf dem Hügel, wo ich euch nicht persönlich kennen lernen durfte. Mir wäre zumindest kein Tatort eines Treffens in Erinnerung geblieben, oder irre ich mich?! Denkt mal darüber nach. Einzig das Spazieren durch die Ansammlung flanierender Buchstaben von euch bleibt einem zuhause einsam übrig. Und ihr demonstriert Verbrüderung. Schließlich seid ihr zu acht und wir alleine. Das zum Beispiel zerrt enorm an euren Sympathiewerten. Genau genommen, find ich das sogar richtig arrogant und regelrecht doof von euch, natürlich ohne lästern zu wollen … Aber ihr nehmt euch ja nicht mal ein kleines bisschen Zeit, euch richtig bei mir vorzustellen. Ich glaube insgeheim ja auch, dass es anderen auch so geht. Nur beim Lesen eurer Wörter kann man euch weder riechen noch hören noch sehen. Ich weiß, das sind ‚harte Fakten‘, aber das ist ‚was euch fehlt‘: der ‚Überraschungsmoment‘ vor meiner Haustür, wo bei Menschen ‚Gänsehaut entstehen‘ könnte und man gemeinsam einen persönlichen ‚Lieblingsdialog‘ schmieden könnte wie: „Hallo, ich bin…“
Das wäre definitiv ‚meine Lieblingszene‘ und hätte Anstand. Und ich glaube nicht, dass ‚es zu viel war‘, was ich nun hier anmerkte. Das alles und noch viel mehr find ich halt so doof an und von euch. Ausgenommen Kathrin. Von der kenn ich zumindest 20 Dinge (http://kommander.wordpress.com/2013/10/20/20-dinge-ich-jetzt-auch-noch/) Außerdem nahm sie sich Zeit für mich, um auf meiner Couch vorbeizuschauen. Nehmt euch daran doch in Zukunft ein Beispiel!!! PS. Tatort schaute sie aber auch bei mir nicht. Aber DAS ist ‚mein Fehler‘.
Christian ist …
…waschechter Vulkanländer, tut schreiben-zeichnen-setzen-knipsen-wein-en für und in der wunder-wunderschönen Region Südoststeiermark. Mag à la Nick Hornby: Frauen, Fußball und Musik. Motto: “collect moments not things” und “Wer mir Himbeeren und Südtirolerisch bei-bringt, gewinnt mein Herz.”
Es ist ja toll, dass ihr so viele Gastautoren habt und euren Kreis ständig erweitern wollt. Blöd wird’s nur, wenn man die Gasttexte dann gut findet und mehr über die Autorin/den Autoren wissen will. Wo zum Blogteufel bleibt denn das Foto, die Kurzbiographie? Ja, ihr Kernflaneure seid auch hübsch. Aber die anderen gleich verstecken?
Lisa Kaufmann
Lebt in: Graz
Geht immer: Sich durch unendliche Blog-Welten klicken
Geht gar nicht: dauernd alles googeln müssen, weils nicht da steht, wo es stehn sollte
Anekdoten
Wie das hier schon wieder aussieht! Überall diese Anekdoten! Und guckt mal da, da liegt schon wieder nicht weggeräumte Selbstironie rum! Und überhaupt, ständig diese Sensibilität zwischen den Zeilen, das ist ja nicht zum Aushalten! Erst neulich bin ich hier wieder voll in nen differenziert geschriebenen Artikel getreten. In Socken! Kein Wunder, dass ihr nur Online statt Print macht. Für all diese Perspektiven, Momente und Geschichten würd’ euch am Kiosk doch niemand auch nur einen Kreuzer schenken! Ich flipp aus, wo kämen wir denn auch hin, wenn das jeder so wie ihr machen würde.
Mein Name ist Phil. Ich twittere, blogge, habe gebloggt, habe organisiert und mache Onlinedinge (für Musik in Berlin)







2 Kommentare
JayNightwind says:
Mai 7, 2014
Die spannende Frage ist jetzt ja auch, welche Konsequenzen ihr aus dieser Kritik zieht?
Falk Schreiber says:
Mai 7, 2014
Och, gar keine? Nö, natürlich denken wir drüber nach. Und dann mal sehen: Alles ist im Fluss, und Les Flâneurs fließen mit.