Wird Wohnen bald unbezahlbar?

Ninia BiniasGentrifizierung, Verdrängung und der deutschlandweite Wohnungsmarkt sind Themen, die pünktlich zur Wahl wieder auf den Tisch der Politik kommen. Wer kann sich das Wohnen in den Städten eigentlich noch leisten? Das hat sich letzten Freitag das 3sat-Magazin „makro“ gefragt. In „Die große Wohnungsnot“ geht es um den Anstieg der Immobilienpreise, Abbau von Sozialwohnungen und die Verdrängung der Mittelschickt in die Randbezirke.

Wie ist die Lage in Deutschland? Die teuersten Städte sind München, Frankfurt und Hamburg. WG-Zimmer für schlappe 700 Euro sind in der Hauptstadt Bayerns nicht ungewöhnlich. In Hamburg stehen die Menschen Schlange vor Wohnungen im Stadtgebiet – und müssen immer teurere Mieten in Kauf nehmen. Eine Freundin von mir suchte in den letzten Monaten eine Wohnung in Würzburg. Mit der Hilfe eines Maklers fand sie eine, bekam den Zuschlag aber erst nach einem aufwändigen Bewerbungsverfahren. Lebenslauf, Foto, wo sie vorher wann und wie lange gewohnt habe und warum sie unbedingt diese Wohnung haben wolle – alles ganz normale Anforderungen an die zukünftigen MieterInnen. Die Wohnungssuche als Competition.

Noch schlimmer ist es nur in den europäischen Metropolen. In London sprechen StadtplanerInnen und ImmobilienexpertInnen inzwischen vom „Dark Flat“-Phänomen. Im Zentrum werden hochmoderne Luxusappartements gebaut, die sich niemand mit einem Durchschnittseinkommen leisten kann. Investoren aus dem Ausland kaufen die Wohnungen – als Geldanlage oder Feriensitz – und sind niemals dort. Zwischen all den Lichtern der Stadt bleiben die Glasfassaden dieser Wohnungen dann dunkel. In Paris müssen viele einen Arbeitsweg von ein bis zwei Stunden in Kauf nehmen, pro Fahrt. Die Züge und Busse sind so überfüllt, dass manche nur zu spät oder gar nicht zur Arbeit kommen. Doch eine Wohnung in der Stadt, in der man für ein 50 qm Appartement bis zu 2.000 Euro Miete bezahlt, können sie sich nicht leisten. Die Städte werden zum Opfer ihrer eigenen Modernität und rasanten Entwicklung.

Gleichzeitig verschwinden immer mehr Sozialwohnungen. Die Bedingungen für Investoren sind nicht attraktiv genug. Der Altbestand wird an private Hände verkauft, den Kommunen fehlt das Geld für Sanierung und Instand-Haltung. Baut eine Stadt neu, entstehen meist Büroräume und Edel-Wohnungen. Bestes Beispiel: die neuen Gebäude rund um die Hamburger Elbphilharmonie. Und während gerade in Hamburg immer mehr Büroräume leer bleiben, fehlen der Stadt 30.000 bis 50.000 Wohnungen.

Es gibt verschiedene Ansätze zur Lösung des Problems. Bestehende Mieten sollen nur noch um 15 Prozent in drei Jahren steigen dürfen. Oder die Maklerkosten sollen in Zukunft von den Vermietern bezahlt werden. Doch das sind alles Vorschläge, die im Umkehrschluss die Wohnungsnot sogar noch vergrößern könnten, sagen Experten. Je mehr Auflagen Bund und Land beschließen, umso unattraktiver wird der Wohnungsmarkt für Vermieter und Investoren.

Am Ende bleibt die Frage: Wem gehört die Stadt? Ich möchte mir weiterhin aussuchen dürfen, ob ich zentrumsnah oder lieber im Grünen wohnen möchte. Und nicht von steigenden Mietpreisen und gläsernen Bürotürmen an den Stadtrand verdrängt werden.

Die ganze Sendung „Die große Wohnungsnot“ gibt es hier.

Ninia Binias Verfasst von:

Ninia lebt in Hannover und ist Autorin, Moderatorin und Online Communication Managerin.

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.