
Einige von uns Flâneuren schauen gerne den Tatort. In einem kurzen Rückblick zeigen wir euch an jedem Nach-Tatort-Montag, was wir über den aktuellen Tatort denken, welche Gefühle wir beim Schauen hatten und ob es sich lohnt, noch einmal in die Mediathek zu schauen.
Die harten Fakten:
Titel: Er wird töten
Stadt: Bremen
ErmittlerInnen: Lürsen & Stedefreund
Austrahlungsdatum: 09. Juni 2013
Überraschungsmoment
Falk: Leider keiner. “Er wird töten” war ein Schocker, spannend war der Film aber nicht, überraschend noch weniger.
Ninia: Kerzen, die auf einem Polizeischreibtisch stehen, brennen langsam, sehr langsam, herunter.
Johanna: Als Lürsen den Vater und Mordverdächtigen verhört hat und dann alleine im Raum saß. Da wurde sie kurz von hinten gezeigt und ihr Kopf ziemlich stark beleuchtet. Hatte was von einem Heiligenschein. Und dann sagt sie: “Bist du da?”. Ich denke, oh Gott, jetzt spricht sie mit Leo. Und dann antwortet Stedefreund. Puh.
Falk: Ja! Die metaphysische Reinkarnation Leos in der Gegensprechanlage hatte ich auch befürchtet. Haben sie dann aber noch halbwegs hingekriegt.
Johanna: Sie konnten es aber nicht ganz lassen. Da war ja noch die Szene kurz vor Ende, wie alle Kerzen auf seinem Schreibtisch gleichzeitig ausgeblasen wurden. So von wegen “der Fall ist jetzt gelöst und er kann in Frieden ruhen”.
Das hat gefehlt
Ninia: Der Stall. Und die Heiligen Drei Könige.
Falk: Sex. Und Politik. Fehlt beides ja häufig.
Johanna: Und Helge Schneider. Ansonsten kann ich Szenen mit Käsebroten nicht ernst nehmen.
Das war zu viel
Ninia: Die Kriegskritik, die irgendwie noch eingeschoben werden musste.
Falk: Das auf jeden Fall. Und die Tatsache, dass die Mutter des toten Polizisten Leo eine gebrochen deutsche sprechende Spätaussiedlerin war, die am Ende auch noch russisch orthodox trauert.
Johanna: Aber das Gedicht von Puschkin war doch ganz rührend. Irgendwie. Ach, ich finde Puschkin einfach toll. Mit der Beleuchtung von Lürsens Gesicht haben sie es aber irgendwie übertrieben. Das hat diesen ohnehin schon “christlichen Beigeschmack” (Marie, Josef, Christine) noch verstärkt.
Lieblingsdialog
Ninia: “Marie ist schwanger.” – “Und dann nimmt sie Speed?”
Falk: “Ich habe von Geburt an die perfekte Kugel.” – “M-hm.” (Blick auf seinen Bauch)
Johanna: “Wir haben alles untersucht, bis auf die oberen zwei Stockwerke” – und Twitter so: “Er ist in den oberen zwei Stockwerken!”
Ninia: Twitter wusste eh viel früher, was abgeht. War dieses Mal auch echt nicht schwer.
Falk: Nur war er ja eben nicht in den oberen zwei Stockwerken. Voll tricky, dieses Drehbuch.
Lieblingsszene
Falk: Die Todesszene von Leo. Bigger than life, das können die Bremer.
Johanna: Ja, das Ende war sehr ergreifend. Vor allem die gute Musikwahl.
Lied am Ende vom #Tatort: The Antlers – Kettering youtu.be/IgLm2gInV4A #ServiceTweet
— Basti (@astian) June 9, 2013
Ninia: Keine. Schade.
Fehler
Falk: Weswegen wurde die Zeugin ungefähr nach 45 Minuten eigentlich in ihre verwüstete, traumatisierende Wohnung verfrachtet?
Ninia: Eine Kommissarin, die mit dem Opfer zusammen war, bekommt niemals, auch nicht im Geheimen, den Fall. Im Prinzip ist doch die ganze Wache so so einer Geschichte befangen. Da müssen doch Externe ermitteln, oder? (Könnten wir das mal @TatortWatch fragen?)
Johanna: Bin mir auch ziemlich sicher, dass sie den Fall aufgrund von Befangenheit hätte abgeben müssen. Das ist doch sonst beim Tatort auch so. Ansonsten hat es mich auch sehr verwundert, wie gut Frisur und Wimperntusche gehalten haben.
Dabei habe ich Gänsehaut bekommen
Falk: Bei den Rückblenden, als der Vater sein totes Kind findet.
Ninia: Wie gefasst Lürsen nach dem Mord die ganze Zeit herumgelaufen ist.
Johanna: In dem Moment, als sie dem Kuscheltier den Kopf abgerissen hat, hat es mich trotzdem ordentlich geschüttelt.
Top-Tweet
Falk:
Kann man nicht auch zur Abwechslung einfach mal nen Tatort machen, wo zum Beispiel nur ein Fahrrad gestohlen und wiedergefunden wird?
— Ahoi Polloi (@ahoi_polloi) June 9, 2013
Ninia:
Käsebrot als Ersatz für Speed? Nette Idee; wäre aber verboten, wenn es ähnlich gut funktionieren sollte. #tatort
— Sue Reindke (@HappySchnitzel) 9. Juni 2013
Johanna:
#tatort gisbert hat keine beerdigungszene bekommen! #frechheit
— Der Tatortkritiker (@Tatortkritiker) June 9, 2013
Das habe ich gelernt
Falk: Das Verhalten von Stedefreund ist ein gefundenes Fressen für die KollegInnen von @tatortwatch.
Johanna: Twitter kann grausam, platt und unmöglich sein, wenn es um kindermordende Frauen geht.
Ninia: Drehbuchautoren aber auch. Und: Wenn Kommissare von der Rolle sind, verschütten sie Tee. Wie normale Menschen!
Das wünsche ich mir beim nächsten Mal
Ninia: Bitte endlich weniger Beziehungskram. Das habe ich schon seit Wochen auf der Liste.
Johanna: Dann wäre Maria Furtwängler aber bald arbeitslos…
Falk: Irgendeine neue Rolle für den wunderbaren Antoine Monot Jr., gerne auch nochmal mit epic Todesszene.
Johanna: Er könnte ja wieder auferstehen, das würde ja irgendwie zu diesem Tatort passen.
Was ich auch noch loswerden wollte
Ninia: Ich zitiere meine Mutter am Telefon bei der Nachbesprechung: “Früher gab’s einen Toten und dann war Action, dann haben sie ermittelt, fertig. Jetzt ist es nur noch lahmer Blödsinn.”
Johanna: Warum müssen immer die Guten sterben?
Ninia: Weil’s sonst langweilig ist. Ach nee, war’s ja auch so.
Falk: Und wegen der tragischen Komponente für die Kommissarin.
Gesamtnote
Falk: 2-3, inclusive Sympathiepunkten für Bremen.
Johanna: Da stimme ich dir zu, gibt aber Abzüge wegen der christlichen Note. Glatte 3.
Ninia: 4


Ein Kommentar
Electra says:
Jun 10, 2013
Die Kerzen am Ende sind ausgegangen, als der Hausmeister a.k.a. Facility Manager eines der Fenster öffnete, um es zu putzen. Habt ihr wohl nicht hingeschaut, wa?