Das Baby wird 10 | So war es beim MS Dockville 2016

Worst-case-Szenario: Es steht das 10. Jubiläum des MS Dockville in Hamburg an und unsere Flâneure werden krank, die Gastautorin sagt auch noch ab. Aber des einen Pech ist des anderen Glück, wir haben dafür Henning (28) und Finja (27) aufs Hafengelände in Wilhelmsburg geschickt – für das Paar das erste Dockville überhaupt! Deren Freundin Theresa (27) war zuletzt 2014 beim beliebtesten Indiefestival der Hansestadt. Wir haben hochinvestigativ nachgefragt: Und, wie war es so?

Im vollen Festivalmodus Theresa (l.), Henning und Finja beim MS Dockville 2016.
Im vollen Festivalmodus Theresa (l.), Henning und Finja beim MS Dockville 2016.

Erzählt mal, war es euer erstes MS Dockville?

Henning: Für mich war es das erste Dockville, ich kannte nur die Location.

Finja: Dito, auch für mich war es das erste Mal hier.

Theresa: Ich war dieses Jahr zum dritten Mal beim Dockville, das letzte Mal war ich 2014 da. Im Vergleich dazu, kam es mir in diesem Jahr deutlich voller auf dem gesamten Gelände vor, obwohl jedes Jahr eine neue Bühne dazuzukommen scheint.

Welche Bands waren eure Highlights und wer hat enttäuscht?

Henning: Half Moon Run war mein Highlight! Ich find die zwar eh einfach gut, aber die kamen schon mit Bock auf die Bühne und das war total ansteckend und hat Laune gemacht. War recht leer und wir hatten geile Plätze. Die sind zwar eher ruhig, das neue Album hat ein paar etwas schnellere Stücke, trotzdem gings irgendwie ab und die kleine Crowd hat die auch gefeiert. Das Wetter hat auch noch mitgespielt, traumhaft! Faber war meine Überraschung des Abends. Kannte den/die nicht und hatte vorher nicht reingehört. Beim Vorbeigehen sind wir spontan dageblieben und das hat mir echt gut gefallen! Selbst die Coverversion von „Volare“ war ok!

Enttäuscht hat mich Crystal Fighters. Ich hab viele gegenteilige Meinungen gehört, aber für mich wars das irgendwie nichts. Ich hatte vorher reingehört und dachte das könnte villeicht ganz gut werden. Bin dann aber nach zwei Stücken gegangen. Bastille war musikalisch professionell und gut, insbesondere zwei alte Coverversionen und deren Hits natürlich. Darin lag nur leider ein Stück weit das Problem: zu professionell runtergespielt. Es gab mir zu viele „Buy our Album“ und zu viele runtergespulte „It’s awesome to be here“.

Was teilweise auch nicht gut war, war die Abmischung. Bei K.I.Z. und Kakkmaddafakka war es verdammt leise. Da hat sich dann irgendwann das Publikum beschwert. Bei Enno Bunger, der eigentlich gut war, war der Bass total übersteuert und hat das Konzert für mich etwas kaputt gemacht. Wenn ich bei ner Ballade Ohrstöpsel rein machen muss, dann stimmt doch irgendwie was nicht, oder?

Schön war auch, dass es das Poetryslam-Finale gab. Vom Grundsatz her! Ich hab leider nur zwei nicht so überragende Slammer mitbekommen, aber die Idee, das da nachmittags auszurichten, fand ich gut. Und das andauernd irgendwo DJs aufgelegt haben fand ich auch super.

MS Dockville 2016.

Finja: Mein absolutes Highlight war Half Moon Run, weil ich die Lieder kenne und liebe, die Band aber noch nie live gesehen hab. Zudem war eine super schöne Athomsphäre durch die Sonne. Auf K.I.Z. hatte ich mich genauso gefreut. Die Show war auch super, allerdings stand entweder der Wind bescheiden oder die Mikrofone waren irgendwie schlecht abgemischt, sodass ich die Texte teilweise kaum verstanden habe, beziehungsweise was zwischendurch geredet wurde. Enno Bunger hatte ich vor ein paar Jahren schonmal live gesehen und finde den Typen einfach total cool. Er hat einige schöne Lieder und Texte und dazu sein trockener Humor.

Theresa: Mein absolutes Konzerthighlight war Bilderbuch … wir sind in der WG schon seit Jahren große Fans und haben uns alle schon vorher riesig auf den Auftritt gefreut. Wir konnten gar nicht enttäuscht werden! Vermisst habe ich in diesem Jahr bloß das DJ- Projekt Nebelungen, dafür aber immer wieder großartig ist natürlich ein Besuch des Dancefloors vor dem easy Kisi-Wohnwagen.

MS Dockville 2016.

Wie war die Stimmung, wie war das Publikum drauf?

Henning: Ich fand das Publikum sehr entspannt. Für ein Festival fand ich das Publikum zudem angenehm durchmischt! Abiturientin neben Familienvater mit Kind. Super! Ich hab niemanden fertig in der Ecke liegen sehen, keinen Rettungseinsatz mitbekommen und mir ist niemand im Publikum unangenehm aufgefallen.

Finja: Die Stimmung war ausgelassen und die Sonne hat ihr Bestes zu der tollen Athmosphäre beigetragen.

Wie war die Organisation, das Essensangebot, lief alles reibungslos ab?

Henning: Ich hatte das Gefühl, dass es eigentlich ganz gut organisiert war. Ich fand es super, dass es Trinkwasserstationen gab. Wenn möglich gerne mehr davon, ich habe nur zwei gefunden, damit man nicht immer übers halbe Gelände laufen muss. Okay, Luxusproblem! Die Toiletten kamen mir recht sauber vor. Einmal ist eine Pissrinne übergelaufen, aber sonst … Ach ja, der eine Burger vom Burgerstand neben der Hauptbühne war eine riesen Enttäuschung!

Finja: Organisatorisch habe ich nichts zu bemängeln. Ich habe nie lange ander Toilette angestanden, konnte hinterher Hände waschen oder desinfizieren. Trinkwasser gab es auch an genug Standorten und das Handbrot war 1a. Total enttäuscht hat mich der Cheeseburger. Den habe ich tatsächlich nicht runterbekommen und ich bin eigentlich nicht so krüsch. Das Fleisch war gummiartig wie eine Schuhsohle … bah. Die Pommes-Portion war so groß, dass 8 Leute davon satt wurden, aber dafür waren sie viel zu kurz frittiert. Ansonsten gabs für mich noch einen Crèpe und gebrannte Mandeln. Die haben dann die Welt wieder in Ordnung gebracht

MS Dockville 2016.

Es war der 10. Geburtstag des Dockville – Zufrieden mit dem Jubiläum? Was würdet ihr euch für die Zukunft des Festivals wünschen?

Henning: Um ehrlich zu sein: Vom Jubiläum hab ich nicht viel mitbekommen … Was schön ist, ist die Mischung, die Location und dass man als Hamburger zu Hause schlafen kann. Ich fand auch besonders klasse, dass immer irgendwo gute Dancemukke lief und man so die Zeit zwischen den Konzerten gut überbrücken konnte. Wenn man mal müde war: ab auf den Floor und zack wieder wach! Besonders witzig fand ich die Idee, alte Lkw-Reifen als Trampoline umzubauen. Hat in der Praxis leider schlechter funktioniert als gedacht, aber das war trotzdem super.

Finja: Wenn es nicht auf dem coolen silbernen Festivalbändchen gestanden hätte, wäre mir nicht aufgefallen, dass 10. Jubiäum war. Mir hat aber auch nichts gefehlt.

Theresa: Ob nun Jubiläumsjahr oder nicht, ich glaube, das Dockville ist einfach immer mit so viel Liebe zum Detail dekoriert! Ich finde es jedes Mal wieder faszinierend, dass ein Festival von der Größe so viele versteckte Ecken bereithalten kann. Am wohlsten fühle ich mich deshalb wahrscheinlich auf der Seite des MS-Artville-Geländes. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass das Festival so vielfältig und individuell gestaltet bleibt – weniger „Smirnoff-Stages“ und mehr Lakkiville, easyKisi und 40 FT DISKO!

MS Dockville 2016.

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