Wie sah es denn im Vorjahr auf dem Dockville aus? So. (Foto: Harry Horstmann)

Wie sah es denn im Vorjahr auf dem Dockville aus? So. (Foto: Harry Horstmann)

Vom 21. bis 23. August findet auf den Elbinseln in Wilhelmsburg zum neunten Mal das MS Dockville Festival statt. Wir erwarten Elektro, Indiepop und Hippieflair vom Feinsten. Aber worauf freuen wir uns am meisten?

Was ist dein persönliches Highlight?

Falk: Finde ich schwer, dieses Jahr, weil ich nur einen Bruchteil der Acts kenne. Auf Caribou freue ich mich jedenfalls sehr.

Michael: Leute, geht zu Sylvan Esso. Ganz im Ernst. Oder halt, nein, geht nicht, dann habe ich mehr Platz, um meinen Speck zu schütteln. Das US-Duo hat mich beim letzten Reeperbahn Festival vollends in seinen Bann gezogen, hat den Moondoo-Club zum Tanzen gebracht wie ich es nirgends zuvor gesehen habe. Auf Platte klingt ihr simpler Electropop eher schlicht, aber live schlägt der Bassbonus zu und die aus dem Himmel herabgestiegenen Hüften von Sängerin Amelia erledigen den Rest. Niemand tanzt so großartig wie diese Frau. Hands down.

Enrico: Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit den Warm Graves. Sie retteten mir das Immergut Festival schon bevor ich wusste, dass sie zudem aus meiner Heimatstadt Leipzig kommen. Die Welt ist klein, Gräber noch kleiner. Wenn sie aber mit solch warmen und atmosphärischen Drums gefüllt werden: Lasst mich durch! Was auf Platte viel ruhiger und atherischer klingt, gewinnt durch die druckvollen Live-Drums an Leben und lässt einen am Ende erfreut aus dem Grab steigen.

Und was findest du echt doof?

Falk: Zugezogen Maskulin, Antilopen Gang und Prinz Pi. Deutschrap ist ja seit einem Jahr wieder richtig groß, nicht mehr mit Gansterattitüde, sondern links, intellektuell, mit dem richtigen Bewusstsein, also habe ich im noch einmal eine Chance gegeben und alle drei ausdauernd und unvoreingenommen angehört. Und was soll ich sagen? Ist schlimm. Deutschrap ist nicht deswegen scheiße, weil die Pseudogangsterrapper so blöde Inhalte verbreiten, Deutschrap ist einfach immer scheiße.

Michael: Dieses ganzen DJ-Kram brauch ich nicht. Damit wird das Lineup nur künstlich aufgeblasen. Gehört in den Club.

Enrico: Pff, Falk. Okay, den Hype um die Antilopen-Gang und Prinz Pi habe ich nie nachvollziehen können, aber Zugezogen Maskulin gehen schwer in Ordnung. Alleine schon für „Oranienplatz“ sollte man ihnen ein kleines Denkmal setzen und gleich wieder einreißen, ganz in ihrem Sinne. An mir selbst werden die ganzen Elektro-„Mützen-auch-wenns-warm-ist-Trager“-Singer/Songwriter wie Darwin Deez komplett vorbeigehen. Totales Desinteresse.

Worauf freust du dich, hast aber Angst, dass du enttäuscht sein wirst?

Falk: Young Fathers. Postrassistischer HipHop aus Edinburgh, ganz großartige Platte. Die allerdings recht vertrackt ist, sich weigert, einem ins Ohr zu gehen. Ich bin mir nicht sicher, ob das live funktioniert.

Michael: Sei beruhigt, Falk, die Young Fathers sind schon nicht leicht bekömmlich, aber live ganz großartig, wenn man sich darauf einlässt. Ich werde versuchen, mich wieder einmal auf Interpol live einzulassen. Das habe ich schon zweimal versucht, in der Kölner Kulturkirche und im Hamburger Docks, und fand es jedes Mal mies. Ich trage eine große Liebe in meinem Herzen für die New Yorker, aber live spielen sie uncharismatisch ihre Sachen einfach runter, werden zu banalem Indierock ohne die Finesse, die ich auf Platte so schätze. Aber dieses Mal! Dieses Mal wird alles besser.

Enrico: Die Young Fathers habe ich bisher schon so oft verpasst und habe deswegen große Angst, sie am Ende blöd zu finden. Aber Versuch macht klug. Außerdem hoffe ich, dass ODESZA live genauso viel Spaß machen wie auf Platte.

Ein Guilty Pleasure?

Falk: Interpol. Beim Dockville funktionieren bei mir manchmal Bands, die ich eigentlich nicht mit der Kneifzange anfassen würde, Maximo Park damals, oder Foals. Will sagen, ich werde mir die alten Männer anhören, es toll finden und hinterher behaupten, dass es doof war.

Michael: Ich mag den Banalo-Indiepop von Sizarr … ja, ich weiß. Eigentlich bin ich 15 Jahre zu alt für die, und fünf Modeblogs zu schlecht angezogen, aber vielleicht finde ich ein Basecap im Schrank, die ich mir schnell falsch herum aufziehen und mich dann unter die Schüler mischen kann. Bitte nicht auffliegen lassen!

Enrico: Fällt mir niemand ein, sowas wie Guilty Pleasures habe ich nicht. Alles was ich höre, höre ich offen. Ich würde mich sehr über guten Pop freuen!

Und sonst?

Falk: Ich freue mich auf den Pelmeni-Stand im Foodbereich.

Michael: Ich bete für gutes Wetter. Bei Regen sind die Elbinseln eine einzige Katastrophe, 2011 lässt grüßen. Matscht wen anders an, Kids!

Enrico: Ich bin aufgeregt. Das erste Mal Dockville. Ich habe die ganze Zeit Hafen vor Augen und Musik im Kopf. Solange das Publikum entspannt-ausgelassen (ja, das geht) und die Anlage gut gestimmt ist, wird das fetzig.

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