Der Meta-Meta-Superstar | Father John Misty live in Berlin

Wir haben ihn provoziert, wir haben ihn bekommen, den einzigen Superstar, den unser Zeitgeist zulässt, just kidding. Josh Tillman trommelte bis 2012 bei den Fleet Foxes, machte unter seinem echten Namen so ein paar Sachen, dann irgendwann ein sehr gutes, aber nicht überragendes Album, unter dem Alter Ego Father John Misty. „Fear Fun“ war das, auf dem er Songwriterfolk spielte, alles nichts Spektakuläres, kommt zu Hauf vor. Aber irgendwann zwischen 2012 und 2015 passierte etwas, eine Wandlung vollzog sich und Tillman wuchs in Misty hinein, machte ihn zur Showpersona, die natürlich totally er selbst ist, no kidding. Fortan sollte man nichts mehr zu ernst nehmen, was der Mann in Interviews sagte oder tat, oder zumindest musste man immer fragen: Ist das jetzt wieder ironisch gemeint oder was ist los?

Ja, irgendwie ist er das US-Musikerpendant zu unserem geliebten und gehassten Satiriker Jan Böhmermann: ein hagerer Nerd, der gerne gehasst und vergöttert wird, aber am allerliebsten nichts davon, man ist ja auf einer Mission. Das hätte fatal nach hinten losgehen können, aber letztes Jahr kam sein zweites FJM-Werk, „I Love You, Honeybear“, und Tillman manifestierte sich in dem besten Album, das 2015 hervorbringen sollte. Der Folk rückte in den Hintergrund, mit voller Band und oft Orchester ließ Misty ein Füllhorn herzzerreißender Melodien über uns herein brechen, zitierte musikalisch die 50er, irritierte mit banalen Samples eines lachenden Publikums das gesamte Feuilleton und, das ist das Wichtigste, schrieb Texte, die man sich ausnahmslos irgendwohin tätowieren möchte, oder auf Flugblättern verteilen muss, like, hier nimm, whatever. Lieblingsthemen: Perversion, seine junge Ehe mit Emma Tillman, Weltuntergang, Szenen eines Lebens als alternder Niemand auf Medikamenten, der keinen mehr hochkriegt, ach, alles so überspitzt, dass einfach jede einzelne Zeile wahr sein muss, gerade weil das so keiner glauben wird. Düster? Nichts davon, wie denn auch, in so verzückende Neoromantiksongs gehüllt?

Gleichzeitig mutierte er auch auf der Bühne zum übertriebenen Hipster 3000, immer den schlangenartigen Körper in Anzüge gehüllt, nicht edel, eben hobochique, stolziert er wie ein dave-gahanscher Gockel jeden Schritt, lässt sich in gymnastischer Perfektion zusammensacken wie Marilyn Manson zu seinen schlanken Zeiten Anfang der 90er, schmeißt die Arme durch die Gegend wie der verlorene Bruder Nick Caves. Von Miley Cyrus über Nirvana bis hin zu Nine Inch Nails‘ „Closer“ covert er alles und jeden, nimmt regelmäßig Fake-Werbespots für fragwürdige Produkte auf, schmeißt in Lana-Del-Rey-Videos LSD – und beteuert immer wieder: Hey, das ist keine Show, das ist mein Leben, alles völlig ernst gemeint, also, halt, Father John Misty. Gottlob steckt dahinter aber auch eine strenge Arbeitsmoral, denn Tillman weiß, dass er auf der Höhe seines Hypes ist und tourt derweil ohne Pause durch die ganze Welt, in meist ausverkauften Clubs. Das meint er dann doch ernst, bei aller Meta-meta-mega-Melancholia.

Der feiste Father (Küsschen an unsere eingene Metaikone und sein #verafake) kommt am 25. Mai noch einmal ins Astra Kulturhaus nach Berlin. Seid dabei und lasst uns ihn uns gemeinsam lallend lobpreisen, wir haben auch zwei Karten für euch – man verdient ja nichts. Schickt uns bis Sonntag, 23.59 Uhr, eine E-Mail an redaktion@lesflaneurs.de mit dem Betreff „Oh Father John!“ und em Namen, unter dem euch FJM zum Sektempfang begrüßen (vielleicht, eher nein) und auf die Gästeliste setzen soll. Viel Glück, ganz ernst gemeint!

https://www.youtube.com/watch?v=ssZwLF8pcZs

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Michael Schock Verfasst von:

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