#instagram – auf drei Bilder mit Parisian floors

Selbstverliebte Selfies, haufenweise Hashtags und das Streben nach Likes – Instagram kann mehr als nur oberflächliche Selbstdarstellung. Wir stellen euch in unserer Reihe „#instagram – auf drei Bilder mit…“ besondere Perspektiven auf die Bildersammlungsplattform vor. Heute mit Parisian floors.

 

Der Hashtag #fromwhereistand ist ein unendliches Fotoalbum von fremden Füßen, die irgendwo in der Weltgeschichte stehen. Hunderte dieser Bilder zeigen ein Paar edle Männerschuhe auf aufwendigen Pariser Mosaikböden. Der deutsche Fotograf Sebastian Erras hat auf Instagram mit seinen Parisian floors eine neue Perspektive auf die französische Hauptstadt geschaffen. Täglich veröffentlicht er ein Foto von einem der zahlreichen Pariser Fliesenböden. Seine hochwertigen Lederschuhe am unteren Rand der Bilder sind dabei zum Markenzeichen der Parisian floors geworden.

Im Mai letztens Jahres hat Sebastian seinen ersten Boden auf Instagram geteilt. Nun warten täglich 75.000 Menschen weltweit auf ein neues Pariser Mosaik. Inspiriert wurde der junge Interior-Fotograf durch die filigrane Mosaiktechnik im Bahia-Palast in Marrakesch. Sebastian lebt zwar schon seit fünf Jahren abwechselnd in Paris und Deutschland, aber nach diesem Marokko-Trip seien ihm die ausgefallenen Böden in den Pariser Cafés und Hauseingängen überhaupt erst richtig aufgefallen. Die Idee für Parisian floors war geboren. Über einige Mosaikböden laufen die Franzosen schon seit über hundert Jahren, so Sebastian. „Aber niemandem war wirklich klar, dass es in der ganzen Stadt so eine Auswahl an verschiedenen Böden gibt.“ In Bistros und Cafés sind abstrakte Fliesenböden noch dazu zum Trend geworden.

Wenn Sebastian auf Entdeckertour geht, hat er immer mehrere Paar Schuhe im Rucksack. Einige Marken sind mittlerweile auf ihn aufmerksam geworden und versorgen ihn mit edlen Tretern. Je nach Muster und Farbe des Bodens fotografiert er das Mosaik dann mit verschiedenen Schuhen. „Um den künstlerischen Effekt zu erhöhen“, wie er sagt. „Die Schuhe sind schließlich das einzige persönliche und variierbare Element in den Bildern.“ In einem Bistro wurde er neulich beim Fotografieren sogar aufgrund seiner blauen Lederschuhe von der Besitzerin erkannt.

Wenn das Wetter mitspielt, nimmt der junge Deutsche sich einen Tag Zeit und spaziert durch die französische Hauptstadt – immer mit gesenktem Kopf. Wenn er in einem Hauseingang ein besonders schönes Mosaik sieht, wartet er gern auch mal 20 Minuten vor der Tür, bis ihn zufällig jemand hineinlässt. Ab und an schicken ihm Leute sogar die Codes von ihren Hauseingängen oder Bars laden ihn zum Fotografieren ein. Dann sucht sich Sebastian einen guten Fleck vor einem Fenster oder der Tür, damit das Licht stimmt und nach einer Minute ist er wieder verschwunden. Filter seien nicht sein Ding, meint der junge Deutsche. Er versucht alle Fotos so natürlich wie möglich zu lassen.

Manche Muster lassen verschiedene Variationen zu und sind mehrmals bei Parisian floors vertreten. Sebastian fotografiert diese Böden dann aus verschiedenen Winkeln oder kommt mit einem anderen Paar Schuhe zurück. Sein Lieblingsmosaik liegt vor dem Eingang zum Luxushotel Regina unweit des Louvre. Dort auf dem Boden winden sich Blumenranken um eine Krone rundherum. Die Parisian floors sind bunt und zeigen eine gewisse Symmetrie, was auf Instagram sehr gut ankäme, so Sebastian. Dass die Mosaikböden auch noch in Paris fotografiert werden, eine der meistbesuchtesten Städte der Welt, steigert die Popularität noch mehr. „Ich weiß nicht, ob ich den gleichen Erfolg gehabt hätte, wenn ich ein ähnliches Projekt in Berlin gestartet hätte“, resümiert der junge Fotograf.

Sebastian gibt zu jedem Foto auf Instagram an, wo er den Boden fotografiert hat, damit seine Follower ihre eigene Stadttour machen können. Die beliebtesten Böden haben ein überlappendes Kreismuster, sind überwiegend blau. Warum gerade diese Mosaike auf der Fotoplattform so beliebt sind, kann sich der Fotograf nicht erklären. „Wenn ich solche Böden poste, kann ich garantieren, dass ich über 5.000 Likes bekomme.“ Immer wenn er die App auf seinem Handy öffnet, um mir ein bestimmtes Bild zu zeigen,  leuchten vielzählige neue Herzen in seiner Aktivitätenliste auf. Sebastian zeigt mir auf einer anderen Website Statistiken über seine Follower und Likes. Der Großteil seiner Follower stammt aus den USA und Brasilien, gefolgt von Frankreich auf Platz drei. Solche Zahlen spornen ihn an. „Das liegt vielleicht ein bisschen an der deutsche Mentalität: Gut organisiert sein und alles verfolgen“, gibt Sebastian lachend zu.

Sein Ziel ist aber nicht eine bestimmte Anzahl an Beiträgen oder Followern zu erreichen, sondern ganz Paris abzuklappern und Böden in jedem Arrondissement zu fotografieren. „Ich glaube, alle werde ich aber nie schaffen.“ Bis zum Sommer möchte er die Parisian floors auf Instagram noch weiterführen und dann am liebsten ein Coffee Table Book herausbringen und als Abschluss eine interaktive Ausstellung in Paris eröffnen. Bis dahin kundschaftet er andere europäische Städte und ihre Mosaikböden aus.

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Lisa Ksienrzyk Verfasst von:

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