Neues vom Kriminalsofa – Interview Spezial

Julia Probst ist Bloggerin und Aktivistin. Offline und online unter meinaugenschmaus.blogspot.de und ihrem Twitteraccount @EinAugenschmaus setzt sie sich für Inklusion und hier vor allem für bewusste Sprache und die Rechte gehörloser Menschen ein. Und: Julia ist großer Tatort-Fan und -Expertin. Am 24. Januar läuft in der ARD der Tatort „Totenstille“ mit Devid Striesow. Julia hat am Drehbuch mitgearbeitet und stand der Produktion beratend zur Seite. Ninia hat mit ihr über diesen besonderen Tatort und ihre Aufgabe als Beraterin gesprochen.

Julia, am 24.01.2016 wird der neue SR-Tatort ausgestrahlt. Du bist daran nicht ganz unbeteiligt. Was war deine Aufgabe?

Meine Ideen und Erfahrungen aus meinem Leben als Gehörlose ins Drehbuch einfliessen lassen, also die Fachberatung zu liefern, was dann dazu führte, dass ich auch am Drehbuch mitgearbeitet habe. Das wird auch im Vorspann vom Tatort so stehen, was ein unbeschreiblich tolles Gefühl ist.

Wie bist du dazu gekommen?

Peter Probst, ein sehr bekannter Drehbuchautor, trat an mich heran im Herbst 2014 mit seinem Anliegen. Er habe da eine Anfrage für einen Tatort und diesen möchte er in der Gehörlosenwelt spielen lassen. Ob ich ihm helfen würde mit meiner Expertise in eigener Sache?  Und so begann unsere Zusammenarbei‎t und Freundschaft – eine sehr tolle und intensive, wofür ich sehr dankbar bin. [Peter Probst ist trotz Namensgleichheit nicht mit Julia verwandt – Anmerk. der Redaktion]

Kannst du uns ein bisschen verraten, worum es in dem Tatort gehen wird?



Es kommt jemand ums Leben und die Leiche soll beiseite geschafft werden, aber leider gibt es einen Zeugen, der genau weiss, was passiert ist, worauf das Geschehen seinen Lauf nimmt, aber nicht so, wie es die Beteiligten es erwartet haben. Es sind eigentlich 3 Geschichten, die nebenbei erzählt werden, wobei die 2 Storylines klar erkennbar sind, die dritte aber erst am Schluss enthüllt wird, wenn man genau aufpasst.

Ich bin eigentlich großer Striesow-Fan und war von den bisherigen Fällen allerdings sehr enttäuscht. Was hältst du vom Tatort aus Saarbrücken?



Von den bisherigen Fällen aus Saarbrücken war ich bisher auch nicht sehr angetan, weshalb ich kein großer Fan des Teams bin. Aber ich halte sehr viel von Striesow, unter anderem auch, weil er richtig nett ist und ein richtig guter Schauspieler ist.

Wenn du jede Tatort-Redaktion beraten könntest – was wäre dir besonders wichtig?

Mir wäre vor allem eine inklusive Besetzung wichtig, wenn eine Rolle eine Behinderung hat, dann sollte man auch einen Schauspieler suchen, der die gewünschte Behinderung hat. Es gibt sie, man muss sie nur suchen und auch finden wollen. Und was ich auch wichtig finde: Man sollte viel mehr auf sprachliche Formulierungen achten. Ich kann schon gar nicht mehr aufzählen, wie oft im Tatort schon „taubstumm“ verwendet worden ist, obwohl dieser Begriff sehr diskriminierend ist für uns Gehörlose, weil wir ja nicht stumm sind, sondern sprechen können. Unsere Stimme hört sich halt anders an.

 Und die Begriffe „Spast“ oder „Bist du behindert, oder was?“ sollten auch gestrichen werden, denn so macht man Behindertenfeindlichkeit salonfähig, denn Sprache formt unsere Vorstellung und Verhalten. Das Fernsehen hat hier ja doch einen sehr großen Einfluss. 
In meinen Augen muss auch vom Fernsehen ein großes Signal zur Inklusion kommen, damit die Gesellschaft dieses Signal aufnimmt und auch weiterhin an sich arbeitet.

Warum sollte ich trotz meiner Saarbrücken-Abneigung „deinen“ Fall einschalten?



Stellbrink hat mehr Ecken und Kanten bekommen, außerdem tut er etwas, was er sonst nicht tun würde – es wird allen Striesow-Fans gefallen. 🙂 Und die Storyline ist auch ganz nett – wir haben es geschafft, die Balance zu halten, dass die Geschichte sich ja nicht hauptsächlich um die Gehörlosen spielt, sondern dass sich das so ergeben hat und es in erster Linie ein spannender Kriminalfall ist, der eben anders ist, wenn die Kommunikation anders ist.

Vielen Dank, Julia, für das Interview. Das Kriminalsofa-Team ist gespannt und freut sich auf die Erstausstrahlung von „Totenstille“ – am 24.1.2016 auf der ARD.

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Ninia Binias Verfasst von:

Ninia lebt in Hannover und ist Autorin, Moderatorin und Online Communication Managerin.

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