Hanseatic Heels: Aus Hacken werden Handschuhe

Die Initiative rund um die Kleiderkammer in Hamburg steht für mich wie kein anderes Projekt für Willkommenskultur und pragmatische Hilfestellung. In den Messehallen wurden von unzähligen Helfern gigantische, gespendete Kleiderberge vorsortiert und in Paletten gepackt, die über die Grenzen Hamburgs hinaus an Geflüchtete verteilt wurden. Leider musste das Lager im Dezember nach Bramfeld umziehen, wo aber nicht genug Platz für die Annahme von Spenden ist. Gerade wird noch nach einer neue Halle gesucht. Auch sonst zeichnet sich die deutsche Willkommenskultur gerade vor allem durch Kurzatmigkeit aus. Konflikte? Probleme? Umm, dann doch nicht.

Umso schöner, dass der Verein „Hanseatic Help“, der aus dem Kern der Freiwilligen der Kleiderkammer entstanden ist, unbeeindruckt weitermacht und mit dem „Hanseatic Heels Store“ im Hamburger Karoviertel ein neues Hilfsprojekt auf die Beine gestellt hat.

Foto: Kathrin Kaufmann
Foto: Kathrin Kaufmann

Christina Klein vom Orgateam machte mich vergangene Woche in einer E-Mail auf das Projekt aufmerksam: „Vor ein paar Wochen überkam uns die leichte Verzweiflung über die mittlerweile sieben Paletten gespendeter eingelagerter High-Heels 🙂 Dazu kamen Kleidungsstücke wie Miniröcke oder Spaghettiträger-Kleidchen. Es war klar, dass diese Sachen niemals an Geflüchtete ausgegeben werden können und einfach Lagerplatz in Anspruch nehmen, der nicht kleiner zu werden schien.“

Dominik ist Initiator von Hanseatic Heels und oft selbst im Laden tätig. Foto: Kathrin Kaufmann
Dominik ist Initiator von Hanseatic Heels und oft selbst im Laden tätig. Foto: Kathrin Kaufmann

Dominik Bloh hatte dann die Idee, einen Second Hand Shop zu eröffnen, in dem unbrauchbare Spenden verkauft werden und den Gewinn in warme Winterkleidung zu investieren. Ein Ladenlokal mit geringer Miete wurde gefunden und gemeinsam mit Marcel Nehrig und anderen Helfern wurde geschweißt, gehämmert und gehängt. Mitte Dezember war es soweit: Der „Hanseatic Heels Store„ wurde in der Glashüttenstraße 108 eröffnet.

Vergangenen Freitag habe ich Dominik im Shop besucht, mich ein wenig umgesehen und mit ihm über das Projekt geschnackt. Es läuft gut: Seit der Eröffnung konnten 2.600 € eingenommen werden, und mit zusätzlichen Spenden wurden bereits 1000 Paar Schuhe, 2500 Paar Handschuhe und 1500 Wintermützen angeschafft.

Foto: Kathrin Kaufmann
Foto: Kathrin Kaufmann

 

Foto: Kathrin Kaufmann
Foto: Kathrin Kaufmann
Foto: Kathrin Kaufmann
Foto: Kathrin Kaufmann
Foto: Kathrin Kaufmann
Foto: Kathrin Kaufmann

Dominik freut sich natürlich über den Erfolg, aber noch wichtiger ist ihm ein anderer Aspekt in der Freiwilligenarbeit: „Wir haben alles selbst und mit Hilfe von Flüchtlingen und Obdachlosen gemacht. Gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen ist für alle das Schönste.“

Dabei gehen ihm und seiner Crew nie die Ideen aus. Der neueste Einfall: Sie wollen gespendete Anzüge zur Ausleihe bereitstellen, einen Barbier-Stuhl in den Laden packen und Menschen die Möglichkeit geben, sich hier auf Vorstellungsgespräche vorzubereiten.

Foto: Kathrin Kaufmann
Foto: Kathrin Kaufmann
Foto: Kathrin Kaufmann
Foto: Kathrin Kaufmann

 

 

Foto: Kathrin Kaufmann
Foto: Kathrin Kaufmann

Hilfe bei all diesen Vorhaben ist gern gesehen. Aktuell teilen sich sechs Freiwillige die Schichten im Laden. „Wir freuen uns über alle, die ein paar Stunden in der Woche aushelfen können. Interessierte können sich einfach über die Facebookseite melden oder im Store selbst vorbeischauen“, sagt Dominik.

Ich kann euch nur empfehlen, dem Hanseatic Heels Store mal einen Besuch abzustatten und zu stöbern. Wenn ihr Glück habt, gibt es auch noch einen leckeren Kaffee aus der von der Kaffeerösterei Speicherstadt gespendeten Siebträgermaschine und einen netten Schnack oben drauf.

Hanseatic Heels

 

Kathrin Kaufmann Verfasst von:

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.