Alltag du Sau (12): Wir sind egal

Konstengünstiger: Einfach einen Teller mit Konterfei verschicken.
Konstengünstiger Ersatz: Einfach einen Teller mit Konterfei verschicken. Grußbotschaft auf die Rückseite!

 

 

 

 

 

 

 

Von Enrico Seligmann

Wir sind Queensland! So titelte es heute morgen die Bild-Zeitung, nachdem gestern Abend Queen Mum mit dem Flieger in Berlin landete und im Adlon eincheckte. Gut, von der Bild-Zeitung war eh kein anderer Titel zu erwarten, die waren auch schon Papst, Deutschland und so weiter. Spart Arbeitskräfte! Jedoch sendet solch ein Titel ein völlig falsches Signal, denn die Staatsoberhäupter dieser Welt sollten vor allem folgendes lernen: Die Menschen interessieren sich einen Scheiß für euch!

Ständig werden in Berlin aus Angst Gully-Deckel zugeschweißt, Scharfschützen platziert, tausende Absperrgitter aufgestellt oder – wie heute – korrekt angeschlossene Fahrräder einfach mal gnadenlos entfernt, nur weil die Queen die Technische Universität in Berlin besucht. All dieser Aufwand – 800 Polizisten werden während des mehrtägigen Besuchs im Einsatz sein – wofür? Für die Paranoia einiger weniger, die meinen, sie wären besonders wichtig.

Ein paar Leute mögen immer noch geil werden beim Gedanken an Monarchie und im Sprühregen mit gezücktem Smartphone vor dem Adlon ausharren, selbst Renate Künast von den Grünen blickt verträumt in Richtung Polizeikonvoi, nur weil sich ein Teil des Königshauses für ökologische Belange interessiert. Doch dem Rest, dem großen Rest, geht der Besuch schlicht am Arsch vorbei. Die Queen besucht heute das Schloss Bellevue, schippert mit einem Boot über die Spree, winkt vor der TU und gönnt sich später wieder ’ne feine Haxe im Schloss und schon ist der Tag ‚rum – die Besuche sind von vornherein so strikt geplant, das möglichst kein Kontakt mit der Bevölkerung entsteht. Eh alles Terroristen. Mit Rohrbomben im Fahrradrahmen und so. Die paar Kontakte mit Schulklassen sind so strikt und unangenehm geordnet geplant, dass sie jedem denkenden Menschen peinlich sein müssten. Aber Hauptsache ein paar schöne Fotos für die Zeitung. Alles eine große Show, eine teure und lästige Show.

Zurecht werden die Stimmen lauter, die fragen, wessen Steuergelder und in welcher Höhe da eigentlich verschleudert werden, nur damit eine alte Dame ihre Touri-Tour durchführen kann, ohne dem Pöbel begegnen zu müssen. Dem normalen Betrachter wird nie vermittelt, was da hinter verschlossenen Türen eigentlich besprochen, verhandelt oder gekichert wird – ein paar Infofetzen für die Presse, geheuchelte Menschlichkeit („Sie hat doch glatt die Haxe mit den Fingern gegessen, wie ein normaler Mensch! Und Nachtisch wollte sie auch!“), das war’s. Alle anderen sollen diese Tage gefälligst einfach ertragen und brav mit der Sturmhaube vom Straßenrand winken , wenn der Konvoi vorüberzieht und die Autoreifen einem den Regen ins Gesicht spritzen. Ein Spritzer Monarchie, geil.

Es mehren sich übrigens die Gerüchte, dass die Queen später noch zur Fusion will. Das wäre schön – auf der Fusion eine Fusion mit dem Volk, welches normalerweise so begierig auf Abstand gehalten wird. Das wäre mal ein Zeichen! Na los Queen Mum, lass‘ uns mit ’nem Sterni anstoßen! Was, doch gleich den Trichter? Na dann!

Foto: rooreynolds – flickr.com, unter Verwendung der CreativeCommons-Lizenz

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