Wer spukt denn da in den Beelitzer Heilstätten herum?

Von einem Ort der Erinnerung zu einem Ort der Zukunft – die Beelitzer Heilstätten. (Copyright: Robert Felgentreu)

Die Beelitzer Heilstätten sind der feuchte Traum für Urban Explorer. Lange Geschichte – Hitler hat hier schon gelegen – vermischt sich mit dem, was eine teils vermoderte Heilstätte so an Geschichten liefert. Schreie im Treppenhaus, rostige Bettgestelle, kaputte Fliesen. Doch das Gelände bietet weit mehr als nur Grusel.

Frank Duske Copyright: Andrej Glusgold
Frank Duske, Initiator und Immobilien-Entiwckler (Copyright: Andrej Glusgold)

Bevor die kleinen Bagger (es soll ja nix kaputt gemacht werden) anrollen, um den Quadrant B der Beelitzer Heilstätten zu einem kreativen Refugium zu machen, könnt ihr einen Tag lang noch ein letztes Mal das Gelände und die Gebäude erkunden, euch durch lauter kreative Spargelgerichte futtern, auf dem Farmers Market regionale Produkte direkt vom Erzeuger kaufen (Whiskey!) und schöner Musik lauschen. Wir haben mit Initiator Frank Duske ein paar Worte über die Zukunft des Areals gewechselt.

 

Hallo Frank, du bist Initiator des neuen Kreativkomplexes. Wie kommt man dazu, gerade das Gelände einer alten, verlassenen Heilstätte als Standort zu wählen?

Nun, eine verlassene Heilstätte ist schon mal besser als ein ehemaliges Schlachthaus. Und leerstehende Gebäude regen nun mal unsere Phantasie an, das liegt in unserer DNA. Aber letztendlich ist es die Begeisterung für die unglaubliche Qualität und Liebe zum Detail mit der man damals öffentliche Gebäude gestaltet hat. Das vermissen wir im Zeitalter der Styropor-Dämmung doch heute alle.

Wie soll der Künstler-Zusammenschluss am Ende aussehen? Den Bewohnern werden später 6.200m² zur Verfügung stehen – ist bei so viel Fläche auch ein zentraler Treffpunkt geplant oder soll sich jeder so frei wie möglich fühlen?

Künstler ist eigentlich unzutreffend. Wir wollen Kreativschaffende ansprechen, also Menschen, bei denen zwei Seelen in ihrer Brust schlagen, sprich die ein unorthodoxeres Leben führen als der Rest. Jeder hat natürlich seine eigenen vier Wände, wir streben keine Hippie-Kommune an. Doch es gibt auch Angebote an die Gemeinschaft – zum Beispiel ein zentrales Kaminzimmer, den ehemaligen Speisesaal, der durchaus als Treffpunkt untereinander dienen kann. Oder gemeinschaftliche Hochbeete für die mit grünem Daumen.

Ihr baut nun Quadrant D um. Gibt es Pläne, bei Erfolg das komplette Gelände zu erneuern und als Wohnfläche nutzbar zu machen? Und werden die Gebäude zum Privatgelände ernannt und sind somit nicht mehr öffentlich für Führungen zugänglich?

Das Gesamtgelände Beelitz-Heilstätten hat mittlerweile viele Eigentümer. Und einiges ist ja auch schon umgebaut und wird neu genutzt, wie die neurologische Klinik auf Quadrant B. Der größte Bereich von allen, Quadrant A, wird aktuell mit einem Baumkronenpfad zu einem Ort der Öffentlichkeit umgebaut. Dessen Eröffnung ist erst für Herbst geplant. Hier werden Neugierige dauerhaft in den Zauber der Ruinen eintauchen und sich mit der Geschichte beschäftigen können, denn die meisten Gebäude dort sind zu kaputt, um sie noch zu retten.

Am 9. Mai ladet ihr zu „Spargel International“ ein – ein Festival rund ums namensgebende Gemüse – mit Musik, Führungen und hoffentlich bestem Wetter. Worauf freust du dich am meisten?

Für mich ist das Food-Konzept vom Contemporary Food Lab der Höhepunkt. Köche aus anderen Kulturen, teilweise aus ihrer Heimat vertrieben, interpretieren unser aller Spargel neu. Ein wichtiges Zeichen in Zeiten von brennenden Flüchtlingsheimen. Darin steckt für mich zudem eine der Grundideen von Kunst, nämlich das Altbekannte neu wahrzunehmen, bzw. neu schmecken.  Ich bin schon sehr gespannt auf die Gespräche mit den Besuchern, denn die Köche werden natürlich personlich vor Ort Rede und Antwort stehen.

Es soll außerdem einen Farmer’s Market geben, auf dem Bauern aus der Region ihre Produkte vorstellen werden. Inwiefern werden diese später in die Arbeit des Kreativkomplexes eingebunden? Gibt es schon Pläne für regionale Kooperationen?

Die regionale Erzeuger-Szene ist in der Tat sehr vielfältig. Und die Nachfrage bei den zukünftigen Refugium-Bewohnern nach guten Nahrungsmitteln ist definitiv groß. Bei regionalem Anbau steht Bio aber gar nicht so sehr im Vordergrund. Viel mehr traditionelle Anbaustrukturen und ein CO2-Fußabdruck, der gegen Null geht. Viele Höfe in der Umgebung stellen eigenen Produkte her, ob Sanddorn-Marmelade oder Kürbiskernöl. Auch Whiskey wird um die Ecke destilliert. Vielleicht bekommen wir mit denen ja eine Kooperation für die Bar im Kaminzimmer hin.

Habt ihr schon Pläne, um nach der Fertigstellung eventuell weitere Festtage auf dem Gelände zu organisieren, die dann besonders von den Arbeiten der dort wohnenden Künstler leben werden?

Es ist noch viel zu früh, um darüber zu sprechen, aber ja, wir haben Pläne. Die Beelitz-Heilstätten sind durch ihre direkte Anbindung an Berlin einfach sehr interessant. Das war auch einer der zentralen Gründe, wieso die Heilstätten dort gebaut wurden.

Die Beelitzer Heilstätten sind wie viele „abandoned ruins“ voll mit morbidem Charme und hunderten Erinnerungen. Was macht deiner Meinung nach die heutige Faszination für solche Orte aus?

Unsere Großstadtwelt besteht aus Hightech, Anti-Falten-Creme und Lebensversicherungen. Alles was oldschool, verknittert und unkontrolliert daherkommt, macht einfach grundsätzlich mehr Spaß. Und Ruinen flüstern uns in der Stille Geheimnisse über unsere Vergangenheit zu.

Die Tickets kosten im Vorverkauf 7 Euro, wobei 5 Euro davon vor Ort in Getränke und Essen eingetauscht werden können. Da es maximal Platz für 5000 Menschen gibt, geht jeden Mittwoch um 18 Uhr ein Kontingent auf Eventbrite zum Verkauf online. Weitere Informationen zum Event findet ihr auf der Facebook-Seite. Und mehr zum Beelitz Refugium hier.

Enrico Seligmann Verfasst von:

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