Jessica Wagener: Sieben Sätze, warum ich in Hamburg lebe

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Jessica Wagener erklärt den Flâneuren, warum sie in Hamburg lebt. (Foto: Tanja Hirner)

„Dank einer glücklichen Fügung des Schicksals wurde ich hier geboren, mochte es sehr und war bisher schlicht zu faul, meinen Lebensmittelpunkt woanders hin zu verlegen. Hamburg verbindet Beschaulichkeit und Weltoffenheit, Schmutz und Glanz – eine unwiderstehliche Melange aus Kiezromantik, Kotze und Kommerz. Es gibt Tage, an denen weckt mich nicht das Piepen des Müllabfuhr-LKWs, sondern Möwengeschrei vor meinem Fenster und dann muss ich im Halbschlaf lächeln. Wenn ich mal richtig gründlich nachdenken will, setze ich mich an den Hafen und starre über den Hals einer Buddel Astra hinweg auf die Elbe – das ist hier auch schon mittags vollkommen akzeptabel und hilft immer. Die Wege in meinem Hamburger Mikrokosmos sind angenehm kurz, ich kann fast alles mit dem Rad oder zu Fuß erledigen – purer Luxus. Wenn mich jemand mit „Moin, Moin, Mäuschen“ begrüßt oder ich ein Akkordeon „La Paloma“ spielen höre, fühle ich mich unvermittelt so zu Hause, dass mein Herz ziept. Am Besten haben es damals aber eigentlich schon die Brote auf den Punkt gebracht: „Ich liebe die Schiffe, das Meer und den Hafen und ich liebe es nach ‚ner Party breit am Elbstrand einzuschlafen.“ Word.“


Jessica Wagener wurde 1977 geboren, lebt in Hamburg und schreibt Texte. Für ihre eigene Seite. Und kürzlich auch für ihr erstes Buch „Narbenherz“.

In unserer Serie „Sieben Sätze“ erzählen uns Menschen, warum sie in der Stadt leben, in der sie leben. Du magst uns auch was zu deiner Wahlstadt schreiben? Dann schick uns eine Mail!

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Mark Heywinkel Verfasst von:

Mark Heywinkel arbeitet als Journalist in Berlin.

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