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Einige von uns Flâneuren schauen gerne den Tatort. In einem kurzen Rückblick zeigen wir euch an jedem Nach-Tatort-Montag, was wir über den aktuellen Tatort denken, welche Gefühle wir beim Schauen hatten und ob es sich lohnt, noch einmal in die Mediathek zu schauen.

Die harten Fakten:

Titel: Angezählt

Stadt: Wien

ErmittlerInnen: Eisner & Fellner

Austrahlungsdatum: 15. September 2013

Überraschungsmoment

Johanna: Gleich am Anfang, als Ivo lachend mit der Wasserpistole auf Julia schießt und sie plötzlich zu brennen anfängt. Ich dachte nur so: WTF?!

Falk: Ich habe vorab SpOn gelesen, entsprechend wusste ich schon, was passiert. Allerdings: Stimmt schon, eine der fiesesten und originellsten Mordpraktiken seit langem.

Ninia: Ja, hatte ich auch gelesen. Mein Moment: Bibis Telefon klingelt. Ich denke: “Schon aufstehen?” Ich habe ihren Klingelton als Wecker und war erst entzückt. Jetzt nervt er mich wahnsinnig.

Das hat gefehlt

Falk: Eisners Tochter. Bin ich aber auch dankbar für.

Johanna: Inhalt. Zeitweise war es doch sehr langatmig. Und Spannung auch ein wenig, da der “Mörder” ja von Anfang an bekannt war.

Ninia: Seh ich genauso. Ideen für die zweiten 45 Minuten.

Das war zu viel

Johanna: Ganz klar die Traumszene. Traumszenen sind immer schwierig. Da trifft es der Heiko auf den Punkt.

Falk: Nicht nur die Traumszene. Der ganze unaufgearbeitete Elternkomplex von Bibi, ein Jammer, wie diese tolle Figur da verheizt wurde.

Ninia: Die tragische Jammermusik beim Zeigen des verkohlten Körpers.

Falk: Oh ja, überhaupt, über diesen Musikeinsatz wollte ich noch herziehen! Weswegen läuft denn so lustiger Balkankram, als Ivo aus der Jugendhilfeeinrichtung abhaut? Das passt doch hinten und vorne nicht.

Johanna: Zum Thema Klischees komme ich weiter unten noch.

Lieblingsdialog

Falk: “Nimm dös.” – “Woas is dös?” – “Wurscht. Nimms afach.”

Ninia: “Der hat jemanden angezündet?” – “Ja, eine Frau.” – “Auf so eine Idee kommt ein Kind nicht von alleine.” Schlaufuchs.

Johanna: Alle Dialoge, in denen “Schleich’ di!” vorkommt.

Lieblingsszene

Ninia: Bibi in Rage. <3

Falk: Die Kamerafahrt über den verbrannten Körper. Da dachte ich die ganze Zeit: Nö, das trauen sie sich jetzt nicht wirklich!

Johanna: Als Bibi von dem potentiellen Freier angesprochen wird und sich als bulgarische Prostituierte ausgibt. Herrlich. Und dann auch noch sagt: “Beim nächsten Mal kostet das 100. Mindestens.”

Fehler

Ninia: Die schon angesprochene Traumszene. Niemals Traumszenen. Bitte.

Falk: Gab es echte Fehler? Die Geschichte war ja eigentlich recht straight runtererzählt, da lauerten kaum Fallstricke. Was den Kram aber auch streckenweise sehr überraschungsarm machte.

Johanna:

Ninia: Was ist ein Telefonbuch? (MEGAWITZ.)

Falk: *kicher*

Dabei habe ich Gänsehaut bekommen

Johanna: Als Bibi am Ende verprügelt wird. Das war mir auch definitiv eine (oder mehrere) Nummern zu hart. Ich dachte wirklich, der prügelt sie jetzt tot.

Ninia: Ja, die Szene fand ich auch krass. Und ihr Satz: “Ich brauche wahrscheinlich zehn Leichen, um etwas zu spüren.”

Falk: Fremdschämgänsehaut: als Ivo die Hand von Bibi nimmt. Könnt’ ich mich immer noch drüber aufregen.

Johanna: Hä, warum?

Falk: Ich fand das unvorstellbar kitschig und bei beiden Figuren überhaupt nicht motiviert. Weswegen vertraut Ivo ihr? Sie ist ja immerhin Polizistin. Und weswegen lässt sie die Nähe zu? Er hat ja immerhin kürzlich jemanden bestialisch ermordet.

Ninia: Ich fand die Szene ebenfalls zu kitschig und charakterlich nicht passend. Allerdings nicht, weil sie Polizistin ist, sondern weil sie ihn gerade “wegbringt”. Und das Kind sie einfach kein Stück kennt. Schwierige Situation.

Johanna: Es ging wohl darum zu zeigen, dass er – trotz des Mordes – immer noch ein Kind ist. Und jemanden sucht, der ihm Halt geben kann. Fand es ok, der Bibi kann man schon vertrauen.

Top-Tweet

Johanna:

Ninia:

Falk:

Das habe ich gelernt

Falk: Heute Nachmittag habe ich gelesen: Angela Merkel betont, dass wir heutzutage lebenslang lernen müssen. Unter diesen Umständen nehme ich mir das Recht raus, einmal nichts zu lernen.

Johanna: Dazu könnte ich dir ein Gedicht von Bertolt Brecht vortragen. “Ich habe gehört, ihr wollt nichts lernen…”

Ninia: Doch! “Geistiges Vakuum” ist ein schönes Schimpfwort.

Das wünsche ich mir beim nächsten Mal

Ninia: “Schaut schiach aus.” “Schleich di.” Mehr davon! In jedem Tatort.

Johanna: Dass die Bibi nur austeilt und nicht einstecken muss.

Falk: Ich motze gerade total rum, aber ich weiß jetzt schon, dass ich mir beim nächsten Mal Bibi Fellner zurückwünschen werde.

Was ich auch noch loswerden wollte

Ninia: Ich fliege bald nach Wien!

Falk: Beim ORF scheint man Sexarbeit nur im Kontext von Gewalt, Zwang und Kriminalität zu kennen. Schad’ eigentlich, die Diskussion war doch eigentlich schonmal weiter.

Johanna: Stimme dir vollkommen zu. Und es wäre auch schön, wenn mal wieder an Klischees gesparrt würde. Ein Tatort zum Thema gewaltfreie und freiwillige Sexarbeit ohne osteuropäische Prostituierte und Zuhälter.

Ninia: Aber ohne die Klischees meckern doch wieder die SpOn-Kommentator_innen, dass das alles unrealistisch ist!

Gesamtnote

Johanna: 2-. Da stimmt was nicht – der Tatort nächste Woche muss grottig werden.

Falk: Der Tatort nächste Woche heißt Bundestagswahl. Und, ja, ich erwarte tatsächlich Grottiges. Ansonsten: 4-. Wäre der Krimi aus Köln gekommen, hätte das womöglich zur 3 gereicht, aber von Wien erwarte ich mittlerweile einfach mehr.

Johanna: Ich gebs zu, bei Bibi geb ich automatisch immer eine Note besser. Zum Glück bin ich keine Lehrerin geworden.

Falk: Beinahe wäre ich Lehrer geworden. Aber wenn ich Schülern, von denen ich viel halte, schlechte Noten geben würde, weil, die könnten es ja besser – dann ist das auch nicht wirklich fair. Entsprechend: Auch gut, dass ich keiner geworden bin.

Ninia: Ich hatte schon Angst, ich wäre zu streng, aber: Eine super Bibi kann nicht den ganzen Tatort retten. Die erste dreiviertel Stunde war gut. Dann wurde es öde. Und das Ende dann, zu dramatisch für meinen Geschmack. Ach. Wegen Langatmigkeit gibt’s Abzüge: 2-3.

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