„Biersorten? 135! Ich gewinne!“

Lukas Thorsson
(Bild: Lukas Thorsson)

Wenn es eine Sache in Hannover im Überfluss gibt, dann sind das Kioske (die korrekte Mehrzahl musste ich googeln). Zumindest in den Vierteln Linden und Nordstadt, die von Studierenden, KünstlerInnen und Partygängern geprägt sind, reiht sich teilweise ein kleiner Laden an den anderen. Sie sind die Retter in der Not – wenn nachts das Bier alle ist, die Blättchen fehlen oder sonntags einfach nichts mehr im Kühlschrank ist. Lukas Thorsson schätzt die Anzahl der hannoverschen Kioske auf etwa 150: „Ist aber schwer zu schätzen. Und es findet immer eine hohe Fluktuation statt.“ Er wohnt in Linden und hatte eines katerreichen Morgens eine Idee: Wie wäre es mit einem Kioskquartett für Hannover? Ein halbes Jahr später hielt er sein erstes eigens designtes und erdachtes Quartett in der Hand.

„Das hat alles länger gedauert, als ich dachte“, erzählt Lukas, „ich glaubte, jo, heute läufst du mal im Viertel rum, machst einen Plan, morgen gehst du mit der Kamera herum und interviewst die Leute und übermorgen bist du fertig.“ Er grinst. „Naja, so einfach war das natürlich nicht.“ Erste Schwierigkeit: Kioskbesitzer finden, die mitmachen wollen. „Es gibt zwei Charaktere, die ich während der Recherche kennengelernt habe“, sagt er, „die, die total offen und immer gut gelaunt sind. Die sich mit jedem Gast unterhalten und denen die Uhrzeit völlig wumpe ist. Und die, die sich in ihrem Kiosk verstecken und mit niemandem reden wollen.“ Ein Kandidat antwortete beispielsweise auf die Frage von Lukas: „Eigentlich möchte ich nur meine Ruhe haben.“ Eine Schildkröte im Magazinparadies. Ein anderer ließ sich die Quartett-Idee erklären und sagte dann: „Also für mich ist das alles nur Hokuspokus.“ – „Es war nicht immer leicht“, so Lukas Kommentar.

32 Teilnehmer hat er trotzdem gefunden. Schade allerdings: Durch die hohe Fluktuation mussten zwei Kioske beim Erscheinen des Quartetts schon wieder schließen. „Bei der hohen Anzahl müssen die Besitzer tatsächlich ihre Nische finden – so wie bei Onkel Ollis, meinem Stammkiosk, dort gibt es 135 Biersorten, aber keine Zeitschriften.“ Olli macht regelmäßig sogar Bierverkostungen. „Er ist halt ein Feinschmecker“, so Lukas.

Lukas Thorsson
(Bild: Lukas Thorsson)

Die Kategorien hat Lukas in Zusammenarbeit mit seiner WG erstellt. „Billigstes Bier“ sei für viele die beste Kategorie. „Was halt wichtig ist, wenn man abends limmert“, sagt Lukas. „Limmern“ ist der Volkssport in Linden. Auf der Limmerstraße sitzen an schönen Abenden alle paar Meter Menschen, trinken Bier und unterhalten sich. Das ist günstiger als in der Kneipe zu sitzen. Die Zutaten besorgen sich alle bei einem der umliegenden Kioske.

Doch das Quartett bietet nicht nur die Kategorien. Auf den Spielkarten stehen über jeden Kiosk witzige und spannende Infos. Selbst wenn man nicht spielt, als Taschenkioskführer ist das Quartett genauso praktisch.

„Onkel Olli’s bietet laienpsychologische Tagesbetreuung und ist Depot für anderer Leute ihren Scheiß.“ (Selbstgeschrieben von Olli)

Eintausend Spiele hat Lukas damals herstellen lassen. „Die sind tatsächlich alle weggegangen“, freut er sich, „deshalb folgt bald eine neue Edition – dafür muss ich aber noch ein bisschen was tun.“ Lukas plant zusätzliche Ereigniskarten und will das Spiel noch ein bisschen abwechslungsreicher gestalten. „So ein Quartett ist ja auch schnell durchgespielt.“ Ein bisschen müssen wir also noch warten, bis es neuen Spielspaß aus Hannover gibt. „Zum Weihnachtsgeschäft will ich fertig sein“, sagt Lukas. In Hannover gehen die Menschen nämlich sogar zum Geschenkekauf in den Kiosk. Wir kennen es ja nicht anders.

Mehr über das Quartett gibt es hier.

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Ninia Binias Verfasst von:

Ninia lebt in Hannover und ist Autorin, Moderatorin und Online Communication Managerin.

Ein Kommentar

  1. der_dave
    27. September 2013
    Reply

    schon vor ca 10, bzw 12 jahren gab es ein quartett zu diesem thema; das „lindener kioskquartett“ von formwahren. schon hier stellten sich 32 kioske auf spielerische art und weise dem vergleich in sachen preis und vielfalt im sortiment bunte tüte, bier, zeitschriften oder öffnungszeiten. zusatztrumpf: lokale verbundenheit und die spielvariante schwarzer peter…

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