Man könnte vielleicht eine Performance einstudieren

Wenn der Maulwurf erscheint, bedeutet das Gefahr für den Swamp Club! (Foto: Martin Argyroglo)
Wenn der Maulwurf erscheint, bedeutet das Gefahr für den Swamp Club! (Foto: Martin Argyroglo)

Vor den Toren der Stadt liegen die Plattenbauviertel. Und im Schatten der Plattenbauten liegt der Sumpf, neblig und stickig und dunkel. Hirsche leben hier, Vögel, ein riesiger Maulwurf, außerdem gibt es eine Art Kulturzentrum, den Swamp Club. Schon leicht versumpfte Kuratoren produzieren in dem postmodernen Glaskasten ein überraschend beeindruckendes Programm: Im Studio nimmt ein Streichquartett Schostakowitsch auf, im Filmtheater läuft die Reihe „Kino und Widerstand“, irgendwo ist auch noch eine „Gedichtelesung“ angekündigt. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass praktisch kein Publikum zu sehen ist, hier draußen, im Sumpf.

Philippe Quesnes „Swamp Club“ ist eigentlich kein Theaterstück. Zumindest nicht, wenn man von einem Theaterstück erwartet, dass irgendetwas passiert: Hier passiert nämlich nichts. Das Streichquartett fiedelt, die Kuratoren beraten das Programm, das ist erstmal alles. Allerdings gibt es Residenten, die irgendwann auftauchen, aus Island, Polen und Frankreich, mit Rollkoffern und Hipsterbrillen. Die stehen dann im Sumpf, wissen nicht, was sie hier machen sollen und lassen sich von den Sumpfwesen im schönsten Künstlerstipendien-Pidgin einweisen: Niemand versteht, was der andere sagt, alle sind irgendwie misstrauisch, aber man hat ja keine Wahl. Und Widerspruch würde ohnehin nicht verstanden werden.

Irgendwann wacht der Maulwurf auf und wankt durch die clubeigene Sauna. Unruhe bei den Kuratoren: Wenn der Maulwurf erscheint, bedeutet das Gefahr für den Swamp Club! Die Residenten sind erotisiert, womöglich passiert doch noch was: „What danger?“ Schulterzucken. Man könnte vielleicht eine Performance einstudieren, um die Gefahr abzuwehren. Oder ein Plakat aufhängen. Feuerwerkskörper seien angeblich auch noch auf dem Gelände verteilt, aber, naja, die zünden erstmal nicht. Und dann ist „Swamp Club“ auch schon fast vorbei.

Natürlich ist „Swamp Club“ eine eigentlich nur so halb originelle Künstlersatire, nicht einmal besonders subtil ist das Stück. Natürlich lebt „Swamp Club“ weder von toller Performance, noch von großartigen dramaturgischen Wendungen, einzig das aufwändige Bühnenbild (für das ebenfalls Mastermind Quesne verantwortlich ist) verdient Beachtung. Aber! Die Künstler und Kuratoren, die hier durch den Sumpf irren, die sind naiv, harmlos, lächerlich und liebenswert, ja. Nur: Die Gefahr, die der Riesenmaulwurf andeutet, die existiert ja wirklich. Gentrifizierung, Marktorientierung von Kultur, das sind doch Bedrohungen, und man fürchtet, dass die niedlichen Sumpfbewohner ihnen keine halbe Stunde standhalten würde. Wenn es aber den Swamp Club nicht mehr geben würde – man möchte sich nicht vorstellen, wie öde diese Welt dann wäre.

 „Swamp Club“ ist noch zweimal beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel, Hamburg, zu sehen: am 23. 8. um 21 Uhr und am 24. 8. um 20 Uhr.

Falk Schreiber Verfasst von:

Falk arbeitet als Redakteur und Theaterkritiker in Hamburg.

3 Kommentare

    • 25. August 2013
      Antworten

      Na, so niedlich fand ich die Situation auch nicht. Die Gefahren, die dem Swamp Club drohen, sind ja durchaus konkret.

  1. 26. August 2013
    Antworten

    das stimmt, den punkt der realen gefahren hast du in deinem text ja auch betont, aber gerade in dem letzten absatz klingt es so, als sei SWAMP CLUB ein eher plattes stück ohne großen mehrwert, das eben einfach nur irgendwie niedlich ist – und dem würde ich eben nicht zustimmen, für mich hatte das stück auf mehreren ebenen mehrwert… den ich im theater eher selten finde

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