Ninia BiniasNur noch bis zum 28. Juli 2013 dauert die Ausstellung des niederländischen Fotografen Anton Corbijn im Bochumer Kunstmuseum. Hannover – Bochum, lohnt sich die Strecke? Ja, dachte ich, und machte mich auf den Weg. Annas Artikel über die Vernissage hatte mich auf die Ausstellung aufmerksam gemacht.

Das Bochumer Kunstmuseum ist schön – auf seine Art (und fast barrierefrei). Achtziger-Jahre-Charme, holz-verkleidete Wände im Eingangsbereich, kein aufwändig marketingmäßig-durchgestylter Museumsshop, ich mag das. Die Ausstellung von Anton Corbijn befindet sich im ersten Stock. Was ich besonders an Corbjins Kunst schätze, ist sein Talent für die interessante Wahl des Bildausschnitts und die Intensität seiner Porträts. Was das bedeutet, wird in dieser Ausstellung sehr deutlich. Alle Bilder sind schwarz weiß – natürlich. Corbijn fotografiert ausschließlich mit zwei verschiedenen Hasselblad-Kameras (und drei unterschiedlichen Objektiven). Auf alle anderen Hilfsmittel verzichtet er. Im Ausstellungskatalog sagt er, er möge die Intimität, die entstünde, wenn er und der Mensch, den er fotografieren möchte, alleine sind. Beim Betrachten der Porträts glaube ich ihm das sofort.

“In the age of visual democracy it is important to make images that are clearly yours.”

Der Fokus der Ausstellung liegt auf seinen Arbeiten mit bildenden Künstlern. Es werden unter anderem Porträts von Gerhard Richter und Marlene Dumas gezeigt. Bildende Künstler würden ihn faszinieren, sagt Corbijn. “Ganz im Gegensatz zu Musikern bringen sie ihr äußeres Erscheinungsbild nicht in Zusammenhang mit ihrer Arbeit.” Am meisten beeindrucken mich dann aber doch die Porträts von Patti Smith, PJ Harvey, Mick Jagger und Nelson Mandela. Ich stehe vor der Fotografie und habe das Gefühl, der Mensch auf dem Bild, würde gleich anfangen, mit mir zu sprechen. Das klingt vielleicht albern, aber man spürt förmlich das Vertrauen zwischen Objekt und Fotograf.

Ninia Binias

Neben den Fotografieren zeigt das Museum auf einem Monitor Stills und Backstage-Bilder aus den beiden Filmen, bei denen Corbijn Regie geführt hat: Control und The American. Und in einem kleinen Raum wird der Film “Inside  Out” über Corbijns Leben gezeigt. Ich bin tatsächlich ein bisschen glücklich, als ich wieder ins Freie trete. Nach der gelungenen Ausstellung habe ich das Gefühl, Corbijn ein bisschen besser kennengelernt zu haben. Und bin außerdem neidisch, wen dieser Mensch schon alles treffen durfte. “Wie macht man das? Wie kriegt man all diese Menschen vor die Kamera und dann kommen dabei so gute Bilder raus?” frage ich die Freundin, die mich begleitet hat. “Man macht es einfach”, sagt sie und hat wahrscheinlich Recht.

 

“Inwards and Onwards” dauert nur noch bis zum 28. Juli – nutzt die Chance, wenn ihr in der Nähe seid. Der Eintritt kostet fünf Euro.

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