Einige von uns Flâneuren schauen gerne den Tatort. In einem kurzen Rückblick zeigen wir euch an jedem Nach-Tatort-Montag, was wir über den aktuellen Tatort denken, welche Gefühle wir beim Schauen hatten und ob es sich lohnt, noch einmal in die Mediathek zu schauen.
Die harten Fakten:
Titel: Borowski und der Himmel über Kiel
Stadt: Kiel
ErmittlerInnen: Borowski und Brandt
Austrahlungsdatum: 25. Januar 2014
tl;dr
Johanna: Crystal Meth und die Kinder vom Bauernhof Kiel.
Ninia: Drogen, Techno und ein Beil.
Überraschungsmoment
Johanna: Ganz am Anfang, als der Typ im Dorf vom Fahrrad gefallen ist und ich dachte, der sei tot. Und dann plötzlich, schawumm, steht der wieder auf.
Ninia: Ja, das war gut. Und als alle Gäste der Party plötzlich ruhig geworden sind, nur weil jemand sagt, sie sollten doch bitte mal ruhig sein.
Das hat gefehlt
Ninia: Der erhobene Zeigefinger. Fand ich aber gut.
Johanna: Helene Fischer in der Dorfdisko. Das war aber auch gut so. Und der passende Soundtrack:
Das war zuviel
Ninia: Die Eltern vom Täter. Die müssen doch selbst gelacht haben, als sie nach Maske und Garderobe in den Spiegel geguckt haben.
Johanna: Puh. Eigentlich war alles zu viel. Also die Dunkelheit, die bedrückende Atmosphäre, die Drogen, die Vergewaltigungen. Gerade die doppelte Vergewaltigung am Strand, die ja nicht gezeigt, aber auf eine sehr intensive Art deutlich gemacht wurde.
Ninia: Absolut. Sehr viel von allem, sehr bedrückend auch. Aber gleichzeitig auch sehr gut.
Johanna: Was sollte das eigentlich mit der Eilmeldung? Das waren gefühlt fünf Minuten – echt störend.
Ninia: Empfand ich auch sehr lang. Ich hab erst gedacht: “Oh Gott, was ist jetzt schon wieder Schlimmes passiert?” Aber es war ja Gott sei Dank nichts in die Richtung.
Lieblingsdialog
Ninia: Die zerknirschte Entschuldigung von Borowski, nachdem er Brandt angeschrien hat.
Johanna: Leicht entfremdet, aber passend.
„Ich hab das, glaub ich, alles nur fantasiert als ich auf Mett war.“ #tatort
— Sebastian Waters (@sebastianwaters) January 25, 2015
Lieblingsszene
Ninia: Die Sternebeobachtung. Ich hab sehnlichst auf das Batman-Zeichen gewartet.
Johanna: Die Szene, als Borowski, Brandt und der Kollege das Hühnchen essen und der Kollege beschreibt, wie er es zubereitet hat. Und das sage ich, eine Vegetarierin, puh. Aber es war wohl einfach die entspannteste, am wenigsten bedrückende Szene.
Fehler
Johanna: Ist Crystal Meth nicht eigentlich blau? #scnr
Ninia: Nur das Gute. In Kiel gibt’s bestimmt nur Billigzeug.
Top-Tweet
Johanna:
Milch, Eier, Käse, Crystal – alles direkt vom Erzeuger #Tatort
— Vizekönigin (@vizekoenigin) January 25, 2015
Ninia:
Früher fuhren Omas, mit Motorrädern durch Hühnerställe! Und nun das… #tatort
— Annika (@emmazissou) 25. Januar 2015
Bechdel-Test
Ninia: Leider nicht bestanden, oder?
Johanna: Doch, auf jeden Fall. Es gab mehrere kurze Gespräche zwischen Brandt und Frauen und ein längeres mit dem Mädel auf dem Spielplatz.
Ninia: Okay.
Das habe ich gelernt
Ninia:
Aber hey, Stricken geht noch. Das ist doch eine gute Nachricht. #Tatort
— Quarkkrokettchen (@anneschuessler) 25. Januar 2015
Das wünsche ich mir beim nächsten Mal
Johanna: Der letzte richtig gute Tatort (Faber, Dortmund) war auch ein ernster und sehr bedrückender. Ich will mal wieder einen „leichteren“ Tatort, der thematisch nicht so schwer zu ertragen ist.
Ninia: Ach, ich steh ja auf die bedrückenden Fälle. Das hat immer was von skandinavischen Krimis und die herze ich ja auch. Ich hätte gerne mal wieder einen im Bauernhof-einsame-Insel-Setting. Bitte.
Was ich auch noch loswerden wollte
Johanna: Der Schauspieler (Joel Basman), der den Mike gespielt hat, spielt jetzt in dem Kinofilm “Wir sind jung. Wir sind stark” über Rostock Lichtenhagen mit. Ist also einer dieser aufstrebenden jungen deutschen Schauspieler, den wir in nächster Zeit wohl öfter in anspruchsvollen Filmen (oder Tatorten) sehen werden.
Ninia: Ah, okay. Den Film will ich auch noch sehen. Und noch was anderes: Hast du auch gedacht, dass die Elisa Schlott dir im Gesicht so ähnlich sieht? Johanna mit blonden, langen Haaren!
Johanna: Jetzt bin ich gerührt, ich finde sie nämlich sehr hübsch. Danke. Und: Ninia und ich haben uns am Samstag in allerbester Schwester-in-Crime-Manier auf einer Party betrunken, weshalb mir dieser Tatort heute noch schwerer im Magen lag.
Ninia: Psssst!
Gesamtnote
Ninia: Ich hab wenig getwittert, was immer ein Zeichen für besonders gute Fälle ist. Ich war rundum zufrieden. Gute Schauspieler_innen, spannender Fall, keine Moralpredigt. Ich gebe ein 2+.
Johanna: Ich finde es doof (ja, mimimi), dass die bösen Drogendealer und Vergwaltiger am Ende ungestraft davon gekommen sind. Ansonsten: Extrem gute Geschichte ohne zu viele Nebenstränge. Verwirrend waren allerdings die vielen blonden Mädchen, da habe ich zwischenzeitlich etwas den Überblick verloren. Aber die jungen Schauspieler_innen haben wirklich beeindruckend gespielt, das war sehr überzeugend. Fazit: Nicht unbedingt ein guter Kater-Tatort, aber dennoch ein (sehr) guter Tatort. Ich gebe eine 1-.



Bei der Huhnszene hatte ich irgendwie das ungute Gefühl das später rauskommt, dass der Rest der Leiche an die Hühner verfüttert worden ist. Ansonsten mag ich ja sowieso diese „Männer-WG“ von Borowski und seinem Chef.
Leichtere tatort Kost gibt’s dann ja wieder vom Bodensee. Zum Glück aber mit nicht mehr allzu vielen Folgen! R.I.P.