Musik hinter dem Horizont – Unsere Festivalwünsche

Eine Wiese, ein See, eine halbwegs vernünftige Anbindung ans Straßennetz – schon stehen die Grundlagen für ein Sommerfestival. Überall auf der Welt sprießen immer mehr kleine und große Festivals aus dem Boden für fast jede Musikart. Hier wird sich unter alten Eichen in den Moshpit geworfen, dort am Strand der Abendsonne und den elektronischen Klängen gehuldigt. Doch wir wollen hier nicht einfach nur Tipps abgeben, sondern einen Blick auf Festivals werfen, die wir schon seit langem besuchen wollen, bei denen uns aber der Preis, die Entfernung, die Hitze oder etwas ganz anderes davon abhält. Sehnsuchtsfestivals.

Enrico – Trænafestivalen, Norwegen

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Schönheit im Norden.

Hoch im Norden Norwegens gelegen – bei den Lofoten – findet jährlich dieses kleine Festival statt. Mit begrenzter Ticketanzahl, Blick für Natur(schutz) und Bands zum Entdecken und Liebenlernen hat es mir dieses Festival angetan, seit ich vor mehreren Jahren davon erfuhr. Konzerte in einer kleinen Kirche, auf der Wiese oder das Abschlusskonzert vor einer Grotte, jede Bühne versprüht hier ihre eigene Magie. Zwischenzeitlich gab es Gerüchte es würde nicht weitergehen, wäre zu groß geworden, zu stressig (alle Leute arbeiten ehrenamtlich für das Festival). Doch es läuft weiterhin und vielleicht, ja vielleicht schaffe ich es mal hin. Bisher hat mich vor allem der Preis für die Anreise davon abgehalten. Aber dann sehe ich wieder Bilder und seufze nur. Hach.

Trænafestivalen im Netz

 

Nina – Burning Man

Foto von Scott London (www.scottlondon.com)
Zwischen den Welten.

Seit ich damals als Teenager diese Folge von Malcolm Mittendrin gesehen habe, in der die Familie zum Burning Man Festival reist und die verrücktesten Dinge erlebt, wollte ich da auch hin. Trockener, weißer Wüstenstaub, neun Tage lang Musik, spontan errichtete Kunstwerke, ganze Gebäudekomplexe aus Sperrholz, Stahl und Pappe, überall Neon und Glitzer, aufwendige Kostüme und die übermannshohe Skulptur eines Mannes, die feierlich am Ende des Festivals angezündet wird. Und natürlich die spektakulären Sonnenauf- und Untergänge. Das Burning Man hat sich seit den 80ern zu einem exklusiven Mythos etabliert. Eine Gemeinschaft von hunderten Helfern errichtet jedes Jahr die provisorischen Stadtstrukturen, symmetrisch nach Osten ausgerichtet über 15,5 km² mit eigener Radiostation, einem Krankenhaus, einem Flughafen (!!) und Straßennetz. Man fährt mit selbstgeschraubten und liebevoll dekorierten Gefährten durch die Gegend, lässt sich mit Mandalas bemalen und klettert auf Skulpturen herum. Weder Handys noch Geld sind brauchbar, denn es gibt keinen Empfang und keine Essstände. Jeder bringt mit und teilt. Es gibt nur 70 000 Tickets und die sind wahnsinnig schnell weg.

Wer das Festival besucht, hält sich an die zehn Grundregeln des Miteinander und räumt all seinen Müll nach den neun Tagen brav wieder weg. Eine der Organisatorinnen, Marian Godell, reist mittlerweile um die Welt und hält Vorträge über die Philosophie des Burning Man und die daraus entstandene Gemeinschaft von ehrenamtlichen Krisenhelfern, Burners without Borders. Das alles klingt so abgefahren, ich kann gar nicht erwarten mit einem Campingwagen dort anzurollen.

Burning Man im Netz

 

Katharina – Fusion

Foto: Montecruz Foto
Fünf Tage im Paralleluniversum.

Das Schicksal scheint es nicht zu wollen! Irgendetwas steht immer zwischen mir und dem Fusion Festival. Ich wohne seit einigen Jahren in Berlin und seit meinem Umzug plane ich schon meine erste Fusionierung. Das Festivalgelände läge ja in in erreichbarer Nähe, nur zwei Autostunden ist die gemütliche Gemeinde Lärz von der Hauptstadt entfernt. Eigentlich kein Problem. Auch das Losglück (Tickets können nicht direkt gekauft werden) meinte es bisher gut mit mir. Die Vorfreude wuchs mit den Geschichten, die Freunde von den fünf Tagen in der Parallelwelt, von Musikneuentdeckungen, Theaterperformances und Kunstinstallationen erzählten. Doch irgendwie kam bisher immer etwas dazwischen. Auch in diesem Jahr meint es das Schicksal wieder nicht gut mit mir.

Fusion im Netz

 

Sven – Glastonbury

Glastonbury, Jahrmarkt der Seltsamkeiten. (Copyright: Michael Hirst/flickr/CC License)
Glastonbury, Jahrmarkt der Seltsamkeiten.

Glastonbury. Im ersten Moment weckt dieser erhabene Name eher Assoziationen an eine höfische Gesellschaft, die auf dem Landsitz eines britischen Earls mittelalterlicher Musik lauscht. Und weniger an 180.000 Menschen, die sich bis zur (ganz vielleicht drogeninduzierten) Ekstase den Klängen von Muse, LCD Soundsystem und The Last Shadow Puppets, Jake Bugg, Chvrches und The Syrian National Orchestra hingeben. Zumindest ist das der Plan für dieses Jahr. Seit den 70ern tun sie das auf dem Weideland von Farmer Michael Eavis, nahe der Kleinstadt Glastonbury in der Grafschaft Somerset. Dort, wo nicht wenige den mystischen Ort Avalon aus der Artus-Legende vermuten.

Heute ist es aber wahrscheinlicher, dem einen oder anderen Alt-Hippie zu begegnen als keltischen Kriegern. Manch sagenhafte Kunstgestalt soll sich dort allerdings rumtreiben, schließlich ist der größte europäische Karneval der Popkulturen ein „Festival of Contemporary Performing Arts“. Ein bisschen wie das Burning Man. Nur ohne Staub und Salz. Dafür mit Matsch und Mist. Eine bunte Fantasiewelt im Südwesten Englands. Und doch real. Wer weiß, vielleicht stehe ich tatsächlich irgendwann vor der legendären Pyramid Stage? Trotz der einhundertneunundsiebzigtausendneunhundertneunundneunzig (!) anderen Menschen. Es sollen ja noch Zeichen und Wunder geschehen.

Glastonbury im Netz

 

Fotorechte: Træna 2015 (Ole Kristian Losvik), Glastonbury (Michael Hirst), Fusion (Montecruz Foto), Burning Man (curtesy of Scott London). Alle unter Verwendung der CreativeCommons-Lizenz.

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