Wohin mit der Energie?

Endlich. Endlich. Frühling. In den Cafés werden die Terrassen gefegt und Sonnenschirme aufgespannt. Beim Discounter ist Gartenwoche und es gibt an jeder Ecke Tulpen und Narzissen. Alle graben die Sonnenbrillen und Sandalen aus. Und dann liegt auf einmal auch so eine Magie von „Alles ist möglich“ in der Luft. Wir schnüren die Sportschuhe, melden uns für Kletterkurse oder Bikram Yoga an, planen Wochenendausflüge zu entlegenen Orten und verlegen das home office in den Park. Wohin wir unsere Frühlingsenergie stecken, erfahrt ihr hier.

Nina – Wochenmarkt und Gartenglück

Gleich zwei gute Sachen sind dieses Jahr schon passiert. Ich bin in die Nähe eines großen Wochenmarkts gezogen, auf dem ich jetzt jeden Samstag klischeegetreu mit Bastkorb und Blumenkleid Obst und Gemüse einkaufe UND meine Mitbewohnerin hat sich einen Kleingarten zugelegt. Das heißt, ich werde ab jetzt nur noch draußen sein, lokalen Honig verkosten, Häkelmützen aufprobieren, Pflanzennamen auswendig lernen und allgemein im Dreck wühlen. Wir haben es uns nicht nehmen lassen letzten Sonntag bei neun Grad und Nieselregel anzugrillen, warm und trocken sind doch überbewertet. Und pünktlich als die Kohle durchgebrannt zu glühen begann, kam die Sonne raus und wir konnten die Steaks auf den Grill schmeißen. Wir schaffen uns ein Planschbecken für den Sommer an und probieren Hängematten und Klappliegen bei Ikea aus. Die ulkige Gartengemeinschaft wird mich außerdem eines Tages zu einem Kriminalroman inspirieren.

Foto: Sheren M ( creative common license)
Foto: Sheren M (unter Verwendung der creative common license)

Enrico – Körperkampf und Frischluftradeln

Ich bin da mal ganz klassisch und habe es endlich geschafft, mich mal wieder in einem Fitnessstudio anzumelden. In der Winterzeit bin ich einfach zu bequem und mag das Eingekuscheltsein in tausend Decken zu sehr, in denen immer mal wieder eine Packung Lebkuchen auftaucht. Sport? Muhahahaha, ähm, nein. Die Helligkeit des Frühlings treibt mich dann allerdings raus, auf’s Rad, erst ein wenig im Studio mal etwas anderes heben als Glühweinflaschen und danach durch die Parks und Straßen der Stadt radeln und flanieren. Ein Eis ist auch mal drin. Joggen habe ich probiert, ist einfach nicht meins, aber auf dem Rad kann ich Stunden unterwegs sein. Auf ins Grüne! Auf zum See! Auf in die Stadt! Umso schöner fühlt sich dann der lange Abend an, wenn er wieder in tausend Decken endet. Denn nicht alles muss sich ändern um gut zu sein.

Foto: enanalita (unter Verwendung der creative common license)
Foto: enanalita (unter Verwendung der creative common license)

Ninia – Biergartenglück und Objektivsuche

Ich liebe Biergärten! Und jetzt ist es endlich wieder soweit. Ich kann bald ärmellos und mit Sonnenbrille quasi den ganzen Tag dort sitzen, Alster trinken und Menschen treffen. Fremde Hunde kommen vorbei und schnüffeln am Hosenbein, große Pläne werden geschmiedet und wieder verworfen und der neueste Klatsch und Tratsch wird ausgetauscht. Die Luft riecht nach dieser Mischung aus Grillgut, Zigarettenrauch und Sonne und alles fühlt sich irgendwie besser an, selbst der Kater am Sonntagmorgen. Und wenn ich dann doch ein bisschen Bewegung brauche, schnappe ich mir eine meiner analogen Kameras und stromere durch Hannover auf der Suche nach neuen Motiven. Ich mag Häuserfassaden. Und Ecken, die nicht nach Hannover aussehen. Und Streetart. Und all das wird jetzt wieder festgehalten.

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Streetart in Hannover

Katharina – Blumenmarathon und Balkonglückseligkeit

Frühling ist für mich genau dann, wenn die Balkonzeit beginnt. Ich schrubbe den Steinboden meines Balkons, klappere meine Lieblingsblumenläden nach dem passenden Grünzeug ab und überlege mir ein Farbschema für dieses Jahr. Ich liebe das. Abgesehen vom Schleppen der Erdpackungen vielleicht. Aber das ist dann meine Art des Frühjahrssports. Also los!

Foto Katharina
Mein Balkon – Work in Progress.

Michael – Frühjahrsputz und Altlastenverwertung

Ich bin der klassische Typ „Ich heb‘ das erst mal auf, man weiß ja nicht, wann man das wieder braucht“. Nicht im Messyformat, aber ob Karton des Bartschneiders (könnte ja in ein paar Tagen defekt sein, muss man dann ja ordentlich zurückgeben können) oder aus dem Philosophiestudium übriggebliebener Wälzer (Nein klar, ich werde irgendwann noch mal ganz in Ruhe Fachliteratur zum Utilitarismus lesen, suuure), erst mal behalten. Bis jetzt. Tonne auf, raus damit. Ich brauche das nicht mehr und vor allem: ich identifiziere mich nicht mehr damit. Das Bücherregal muss nicht überlaufen, um belesen zu wirken. Das DVD-Regal muss nicht vollgestopft sein, um möglichst spontan Auswahl für jeden Geschmack zu haben. Vier riesige Kisten habe ich für ein bekanntes Ankaufportal geschnürt und abholen lassen – es sind 160 Euro zusammengekommen. Wer diese Portale kennt und weiß, dass da pro „Artikel“, der auch eine dicke DVD-Box sein kann, gerne mal so 15 Cent rumkommen, wird eine Vorstellung davon haben, wie viel Altlast meine Wohnung verlassen hat. Und trotzdem ist sie gefühlt nicht leerer geworden. Schon tut sich ein neuer Stapel auf. Zum Minimalisten werde ich niemals werden, aber das ist okay. Es ist ein Anfang, das ist mein Frühling des Objekteloslassens.

Lisa – Kaffeefahrt und Deckenfreiheit

Der allgemeine Franzose sitzt ja sowieso Sommer wie Winter en terrasse und gönnt sich seinen Espresso an der frischen Luft bei einer Zigarette. Bei 5°C habe ich dafür nicht viel übrig, außer natürlich einige Gläser Rotwein mindern mein Kältegefühl. Daher macht es für mich im Frühling endlich wieder Sinn, sich vor das Café zu setzen – ohne Heizstrahler und kuschlige Decken. Ich probiere gern neue Cafés aus, wenigstens zwei neue pro Woche. Fahre dazu auch mal quer durch die Stadt oder laufe zwei Kilometer am Kanal entlang. Mal zum arbeiten, mal zum Freunde treffen, mal um dort den hoch gelobten Matcha Latte zu probieren. Ich bin eine totale Sonnenanbeterin, nutze nach der dunklen Jahreszeit also jede Minute, entspannt bei einem Cappuccino in der Sonne zu sitzen. Bei Kaffee und Kuchen draußen kann man dann noch besser die vorbeilaufenden Menschen beobachten und fachsimpeln, ob die Pariser nun DIE Stilikonen sind oder nicht. Nicht alle Cafés haben Platz für Tische und Stühle auf dem Gehweg, dafür sieht es innen oft aus wie aus einem Lifestyle-Blog gepellt. Perfekt für Instagram!

Liebe, Sonne und pain au chocolat
Liebe, Sonne und pain au chocolat
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