Doch was wäre ein Festival ohne Feiern bis zum Morgengrauen? Deswegen gibt’s danach noch KARAOKE MIT CHERRY-O-KIE, es wird also laut, lang und bunt – mit Tendenz zu pink. Wenn ihr reinhören wollt, gönnt euch doch die vollgepackte Spotify-Playlist oder schaut den Festival-Trailer:
Natürlich könntet ihr euch im nächsten Ticketshop direkt Karten für schmale 20€ sichern – doch vorher könnt ihr natürlich auch euer Glück bei unserem Gewinnspiel versuchen. Dank Handshake Booking verlosen wir einmal zwei Tickets für das REMMI DEMMI Festival! Dafür müsst ihr uns nur bis zum 15.4. eine Mail mit dem Betreff „Remmidemmi“ an [email protected] schicken und der Antwort auf die Frage, auf wen ihr euch an diesem Abend am meisten freut. Wir melden uns dann umgehend bei dem Gewinner/der Gewinnerin. Viel Glück!
Fotorechte: FINS (Marco Senschke), Milliarden (Vitali Gelwich), Kat Frankie (Carola Schmidt), Marc O’Reilly (Roger Woolman)
]]>Während die einen mit Furcht auf das unbekannte Neue schauen, erhoffen sich andere einen Ruck in Richtung von mehr Offenheit, Gleichheit und vor allem der Möglichkeiten. Wer die Grenze wo zieht, wie die Grenzen in den Köpfen der Menschen verlaufen, welche Geographie sich dort entfaltet – das weiß niemand. Doch elektronische Musik kann diese Grenzen verzerren und genau darin kennt sich das CTM-Festival aus, welches nicht ohne Grund die Unterzeile „Festival for Adventurous Music and Art“ trägt. Ein Abenteuer ist somit vorprogrammiert.
Ein persönliches Highlight, wenn auch ein eh sehr offensichtliches Highlight des diesjährigen Festivals, wird die „Deep Web“-Kinetic-Audiovisual-Installation von Christopher Bauder und Robert Henke sein. Was eigentlich für das „Festival of Lights 2015“ in Lyon angedacht war, welches nach den tragischen Terroranschlägen von Paris auf einen anderen Termin verschoben wurde, wird nun exklusiv in Berlin gezeigt, bevor in Lyon Ende des Jahres ein neuer Versuch gestartet wird. Berlin ist elektro-visuelle Spielereien schon gewohnt, doch diese Installation wird selbst für CTM-Verhältnisse besonders. Ein dunkles Kraftwerk als Kulisse, 175 Kugeln und 12 Hochleistungslaser die zu raumgreifenden Klängen auf 30 Metern durch den Raum tanzen, während der eigene Körper mittendrin steht. Wo der Geist dann sein wird? Wahrscheinlich unterwegs – Grenzen einreißen.
Um zu schauen, wofür es noch Tickets gibt, folgt ihr am besten diesem Link, denn das Ticket-Prozedere ist etwas komplizierter. Es gibt nicht alle Tickets an jeder Vorverkaufsstelle. Die CTM 2016 läuft vom 29.1.-7.2. und wird das Berghain, HAU – Hebbel am Ufer, Heimathafen Neukölln, die Werkstatt der Kulturen und das Kraftwerk Berlin bespielen.
Fotorechte liegen alle beim CTM-Festival. Vielen Dank für die Bereitstellung!
]]>Berlin, 2030: Ich radle gerade auf der Fahrradautobahn von Nord nach Süd durch die Stadt. An den Seiten rascheln die Bäume, das Begrünungsprogramm 2020 hat aus der sowieso schon sehr grünen Stadt einen richtigen urbanen Dschungel geschaffen. Die in der Nähe fahrende Ein-Schienen-S-Bahn ist dadurch fast nicht zu hören. Ich nehme die Abfahrt Tempelhof und stelle mein Rad am Tempelhofer Feld ab. Am Paraglider-Stand ist eine lange Schlange, aber es geht schnell voran. „Moabit–Westhafen, bitte“, sage ich und schnalle mir den Rucksack um, bevor ich mich ins Katapult setze. „3,2,1 … los!“ und schon sause ich durch die Luft. Ich öffne den Rucksack und gerate ins Gleiten – wie wunderbar! Seit fünf Jahren gibt es diese komfortable und immer wieder adrenalinfördernde Art des Reisens.

Seit der Flugverkehr durch die „Unterirdische-Teleportröhren-Reise AG“, kurz: URRG, seinen Sinn verloren hat, sind die Lüfte wieder frei. Ich sehe in einiger Entfernung zwei andere Paraglider durch die Lüfte segeln und fange an zu steuern. Gestern saß ich im IMAX Olympiastadion für den 17ten Star Wars-Film und bin immer noch überrascht, wie gut mir die Einbindung eines „Evil Ewok“ in den Filmkanon gefallen hat. Ihr wisst schon, diese kleinen knuffigen Teddybären – jetzt nur in Böse. Vielleicht schreibe ich später einen Artikel dazu, mal sehen ob in meinem Denkarium ein paar schlaue Gedanken dazu herumfliegen.
Jetzt gleite ich erstmal über dem Berliner Stadtschloss dahin, welches ziemlich früh nach seiner Fertigstellung vor 5 Monaten als zu veraltet galt und seitdem vor allem durch seine Eignung als Partylocation aufgefallen ist. Der Bass dröhnt bis zu mir und wenn ich es richtig deute, tanzt da gerade eine nackte Frau Merkel über die Wiese. Seit sie mit Herrn Ströbele von den Grünen zusammen ist, ist sie wie ausgewechselt und machte in den letzten Jahren als DJane von sich reden. T-Shirts mit ihrer Merkelraute, die in der Mitte ein Herz hält, sind sehr oft auf der Straße zu sehen.
Ja, auch allgemein ist diese Welt eine liebendere geworden. Die Unterbringung vieler Flüchtlinge im Hangar des ehemaligen Flughafens Tempelhof machte ihn zu einer kulturellen Versuchswerkstatt, die nun ihre Buntheit an vielen Ecken der Stadt ausströmen lässt. Der Fernsehturm wurde bspw. letztes Jahr angemalt, jeder Meter stellt nun die Kultur eines anderen Landes dar. Ein knisterndes Interesse an dem was fremd scheint hat sich breit gemacht, nach all den Kriegen und dem Terror Mitte des letzten Jahrzehntes entwickelte sich eine „Jetzt erst Recht Friede, Freude und Falafel!“-Haltung, die nachhaltig wirkt.
Wenige Schwebemomente später sehe ich unter mir reiche Menschen in ihren Reichstag-Lofts sitzen. Seit der Zusammenlegung aller europäischen Länder zur UNoHB (United Nation of Human Beings) wurden die Regierungsgebäude freigegeben, da Gesetzgebung und -sprechung mittlerweile komplett online ablaufen und durch ein nun besser durchdachtes System der „liquid democracy“ bestens funktioniert. Diese letzte Bastion der Reichen hier wird auch noch fallen – bis dahin schmunzle ich und setze langsam zur Landung auf einer grünen Wiese nahe am Westhafen an, gebe meinen Gleitschirm zurück und mache mich auf dem Weg zum Café Morgenlicht, um dort eine Freundin zu treffen und ’nen Stück frischgebackenen Mohnkuchen zu essen. Denn auch das ist Teil einer Utopie: Dass manch‘ gute Dinge einfach so bleiben können wie sie sind.
Fotorechte: Ashley Rose – flickr.com und Niko Trinkhaus – flickr.com, modifiziert durch Enrico Seligmann, unter Berücksichtigung der CreativeCommons-Lizenz
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Langsam schiebt sich die Masse durch die Straßen. Manche stoßen sich mit einem Bein voran, andere versuchen auf dem Rad zu bleiben und zuckeln stoßweise nach vorne. Sie ist erreicht – die kritische Masse. Es ist wieder der letzte Freitag des Monats, Zeit für die „Critical Mass“ in Berlin und anderen Städten. Kurz die Fakten abhaken: Wenn mehr als 16 Fahrradfahrer zusammen unterwegs sind, gelten sie als ein Gefährt, dürfen die ganze Straßenbreite nutzen und über Rot fahren, denn sie gelten ja als gemeinsames Gefährt und das muss eben erstmal rüber. Dies macht sich die „Critical Mass“ zunutze, um sich 1x im Monat den öffentlichen Raum zurückzuerobern und gemeinsam durch die Straßen zu ziehen.
Ich erinnere mich noch gut an meine Aufregung vor dem diesjährigen Immergut Festival – mein erstes Campingfestival überhaupt. Meine bisherigen Festivalbesuche führten mich bisher immer in eine Stadt, sei es Reykjavik oder Hamburg oder Berlin. Nicht weil ich campen nicht mag, es hat sich eben einfach so ergeben. Umso gespannter war ich nun auf das Immergut und wurde ziemlich enttäuscht. Zu wenig Liebe im Detail, zu viel Beschäftigungstherapie für späte Blumenkinder und ein fehlender „Crêpes-mit-drei-Riegeln-Kinderschokolade-drin“-Stand auf dem Campinggelände selbst. Wer an Festivals Kritik übt, hört als Antwort oft die Altersfrage – als ob man nur bis Mitte 20 Spaß auf einem Festival haben könnte. Dass man so locker, wie die Jugend oft gerne wäre, auftreten und trotzdem Spaß für viele Altersklassen bieten kann, zeigte vorletztes Wochenende das „A Summer’s Tale“-Festival, bei dem sich Michael sehr wohl fühlte.
Mir gefiel es bisher am besten in Reykjavik, weil dort die Stadt einen wunderbaren Kontrast zum Trubel und Jubel des Iceland Airwaves Festivals bildete. Am Nachmittag lauschte ich dort neben Familien und Senioren kanadischem Prog-Rock, bevor abends die junge Meute Konzertlocations übernahm, während nicht weit weg in einer Kirche Bläser aufgefahren wurden. Durch die Stadt zur nächsten Location wandern war nie Stress, nie Umweg, sondern immer Befreiung und Verarbeitung. Eine Runde am Hafen drehen, dann auf zum nächsten Erlebnis.
Als das Berlin Festival noch auf dem Flughafengelände Tempelhof stattfand, war dies ebenso was Besonderes. Die riesigen Hallen, der brüchige Beton und am Abend weitziehende Schatten des durch nichts verbauten Sonnenscheins. Der Flughafen war akustisch gesehen nicht die beste Wahl – falls dies wirklich am Ort lag – aber er faszinierte, mehr als das nun bespielte Arenagelände.
Für das Dockville erhoffe ich mir nun das Beste aus beiden Welten. Einerseits die Faszination der Lage, Blicke auf’s Wasser, weite Sicht, wie in Reykjavik. Mit Bässen, die an Containerwänden abprallen. Und andererseits das Ungewisse im Großstädtischen, das aus der Stadt geworfen sein – innerhalb der Stadt. Am Ende lebt ein Festival jedoch vor allem dann, wenn alles zusammenkommt. Gute Menschen, gute Musik, eine gute Zeit – ja, ich bin Dockville-bereit!
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Doch keine Sorge – wir sind nicht komplett weg vom Fenster. Wenn wir nicht gerade unter dem Hashtag #flaneursommer auf unserem Instagram-Kanal Urlaubsbilder teilen, rutscht sicher die ein oder andere Nachricht auf ganz traditionellem Weg durch, immerhin ist Festivalzeit und es steht nicht nur das Dockville an.
In der Zwischenzeit liegen wir zwar auf der faulen Haut, doch die Köpfe arbeiten auf Hochtouren, denn wann – wenn nicht jetzt – ist die beste Zeit, um neue Ideen zu entwickeln. Wir diskutieren in aller Ruhe, in welche Richtung die Flâneure nach der Sommerpause navigieren sollen. Was auch immer dabei herauskommt, ihr werdet es als Erste erfahren!
Wie verbringt ihr den #flaneursommer? Lasst uns an euren Festival-, Urlaubs- und Flaniererlebnissen bei Twitter und Instagram teilhaben. Bis dahin bleibt uns nur eines zu wünschen: Habt einen feinen August! 

Wir sind Queensland! So titelte es heute morgen die Bild-Zeitung, nachdem gestern Abend Queen Mum mit dem Flieger in Berlin landete und im Adlon eincheckte. Gut, von der Bild-Zeitung war eh kein anderer Titel zu erwarten, die waren auch schon Papst, Deutschland und so weiter. Spart Arbeitskräfte! Jedoch sendet solch ein Titel ein völlig falsches Signal, denn die Staatsoberhäupter dieser Welt sollten vor allem folgendes lernen: Die Menschen interessieren sich einen Scheiß für euch!
Ständig werden in Berlin aus Angst Gully-Deckel zugeschweißt, Scharfschützen platziert, tausende Absperrgitter aufgestellt oder – wie heute – korrekt angeschlossene Fahrräder einfach mal gnadenlos entfernt, nur weil die Queen die Technische Universität in Berlin besucht. All dieser Aufwand – 800 Polizisten werden während des mehrtägigen Besuchs im Einsatz sein – wofür? Für die Paranoia einiger weniger, die meinen, sie wären besonders wichtig.
Ein paar Leute mögen immer noch geil werden beim Gedanken an Monarchie und im Sprühregen mit gezücktem Smartphone vor dem Adlon ausharren, selbst Renate Künast von den Grünen blickt verträumt in Richtung Polizeikonvoi, nur weil sich ein Teil des Königshauses für ökologische Belange interessiert. Doch dem Rest, dem großen Rest, geht der Besuch schlicht am Arsch vorbei. Die Queen besucht heute das Schloss Bellevue, schippert mit einem Boot über die Spree, winkt vor der TU und gönnt sich später wieder ’ne feine Haxe im Schloss und schon ist der Tag ‚rum – die Besuche sind von vornherein so strikt geplant, das möglichst kein Kontakt mit der Bevölkerung entsteht. Eh alles Terroristen. Mit Rohrbomben im Fahrradrahmen und so. Die paar Kontakte mit Schulklassen sind so strikt und unangenehm geordnet geplant, dass sie jedem denkenden Menschen peinlich sein müssten. Aber Hauptsache ein paar schöne Fotos für die Zeitung. Alles eine große Show, eine teure und lästige Show.
Zurecht werden die Stimmen lauter, die fragen, wessen Steuergelder und in welcher Höhe da eigentlich verschleudert werden, nur damit eine alte Dame ihre Touri-Tour durchführen kann, ohne dem Pöbel begegnen zu müssen. Dem normalen Betrachter wird nie vermittelt, was da hinter verschlossenen Türen eigentlich besprochen, verhandelt oder gekichert wird – ein paar Infofetzen für die Presse, geheuchelte Menschlichkeit („Sie hat doch glatt die Haxe mit den Fingern gegessen, wie ein normaler Mensch! Und Nachtisch wollte sie auch!“), das war’s. Alle anderen sollen diese Tage gefälligst einfach ertragen und brav mit der Sturmhaube vom Straßenrand winken , wenn der Konvoi vorüberzieht und die Autoreifen einem den Regen ins Gesicht spritzen. Ein Spritzer Monarchie, geil.
Es mehren sich übrigens die Gerüchte, dass die Queen später noch zur Fusion will. Das wäre schön – auf der Fusion eine Fusion mit dem Volk, welches normalerweise so begierig auf Abstand gehalten wird. Das wäre mal ein Zeichen! Na los Queen Mum, lass‘ uns mit ’nem Sterni anstoßen! Was, doch gleich den Trichter? Na dann!
Foto: rooreynolds – flickr.com, unter Verwendung der CreativeCommons-Lizenz
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Ryan Gosling. Dieser Dackelblick, dieser über’s Sixpack gespannte V-Ausschnitt, dieser charmante Bruch in der Augenbraue, der ihm etwas Gefährliches verleiht – und dieses ständige Schweigen. Ja, das macht sie heutzutage aus, die Helden. Alle drücken „Gefällt mir“, Ryan nicht. Er macht einfach… nichts. Wie tiefgründig und mysteriös. Mit „Only God Forgives“ wurde ihm ein filmisches Denkmal gesetzt, dass genauso langweilig ist wie er selbst. Gerade mal 90 Minuten lang, fordert er ab der zweiten Minute schon höchste Konzentration, sonst nickt man weg. Eigentlich passt das wehleidige Gehabe in „Only God Forgives“ perfekt nach Berlin.
Da Regisseur Nicolas Winding Refn gerne möglichst wenig Licht am Set hat, drehen wir im Berghain. Wie in der Vorlage reist die Filmmami gen Berlin, nachdem der große Filmbruder von Ryan an einer Überdosis Selbstjustiz gestorben ist. Selber Schuld. Hätte er mal keinen Stress mit dem Türsteher angefangen. Ryan ist verwirrt. Ist er doch trotz dämlicher Gangstergeste reingekommen.
Aber es ist Samstagnacht, er endlich aus der Warteschlange raus und hat besseres zu tun, als sich um den Bruder zu sorgen. Lieber schaut er einer jungen Frau beim Masturbieren zu. So scheinen Stunden zu vergehen. Masturbation, durch neonbeleuchtete Gänge laufen, Masturbation. Dazwischen ein wenig Hundetanz – tja, hier ist eben alles erlaubt!
Trauriger Blick. Danach wartet das Abendessen mit Mutti im schicken Mitte um Klarheit in die filmische Struktur zu bringen. Seine Prostituiertenfreundin soll sich ein schönes Kleid anziehen, damit Mutti nicht meckert. Da ist er echt rigoros und kann selbst mit seinem sonnenbrillengeschützen Blick noch töten!
Hilft alles nix: Laut Mami ist Ryan ein Weichei und sein Bruder wäre sowieso viel besser gewesen, weil… sein Penis größer war. Da ich mit zwei Brüdern aufgewachsen bin, kenne ich solche völlig normalen Diskussionen beim Abendessen natürlich. Im hedonistischen Freizeitsektor Berlins mag dieses Argument sogar wichtig sein, Ryan bebt förmlich nach dieser verbalen Attacke. Ich habe Angst – bekommt er da etwa Emotionen?
Er stiefelt zum Berghain und will den Türsteher zur Rede stellen. Nun ja, das ist nett formuliert. „Wanna fight?“ sind seine Worte. Es spricht! Sven Marquardt schaut ihn so gleichgültig an wie ein Nacktmull. Die Tanzfläche wird gerade eh geräumt, es ist mittlerweile Sonntag Abend. Alle sind Tatort schauen statt am Tatort zu sein. Ein typischer Moment in der Eventgroßstadt. Ryan gibt sein Bestes, z.B. sein Designersakko, brav an der Garderobe ab, bevor er sich… verprügeln lässt. Puh, von meinem ersten Boxkampf im Berghain hatte ich mir mehr erwartet, sogar etwas Befriedigung einfachster Gefühle wie Neid. Nichts da. Ich gähne, Ryan liegt am Boden, das Auge blau und die Lippe rot.
Sven geht mit stoischer Gelassenheit zurück zur Tür. Ihm wird das nun zu bunt hier. All diese besoffenen Teenies mit ihren Weltproblemen – wo sind die Erziehungsberechtigten?! Das Jugendamt gibt aufgrund von Personalnot nur zu gerne Auskunft und lässt Sven gewähren. Ryan sitzt derweil wieder traurig herum, wie eben jeder traurig dasitzen würde, nachdem der eigene Penis gedisst wurde. Der Film endet mit Sven im verlassenen Berghain. Um ihn herum werden die Scherben der vergangenen Nächte weggekehrt – er singt gelassen ein Lied. Etwas, wovon Ryan nur träumen kann.
Aber vielleicht war dies alles auch nur ein Traum? Das wäe wünschenswert – für alle Beteiligten. Denn dieser sogenannte Gott mag ja viel vergeben, aber diesen Film… ne, das wird nix mehr.
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Vor ein paar Wochen fuhr ich mit dem Bus von Hamburg nach Berlin. Von meinem ursprünglichen Plan etwas Zeitung zu lesen nahm ich schnell Abstand, als es hieß, die Mediathek würde funktionieren. Zur Entschuldigung: Ich bin ein schlechter Zeitungwiederzusammenfalter. Kurz durchgescrollt, aha, aha, Avatar, nee, zu lang, ahja, 500 Days of Summer. Den fanden doch alle so gut…
Tja, hätte ich mal nicht auf „alle“ gehört. Bis auf das Ende war der Film nämlich ein grandioses Klischee, das fing bei der Musikauswahl mit „The Smiths“ an und endete bei Zooey Deschanel als (mal wieder) Manic Pixie Dream Girl noch lange nicht. All diese hippen Elementen, der hätte durchaus auch in Berlin spielen können.
Aus der Postkartengestaltungsagentur, in der sich Mann und Frau das erste Mal treffen, machen wir eine der hippen Werbeagenturen in Berlin-Mitte. Statt am Kopierer trifft man sich natürlich am Kaffeevollautomaten. Bis die richtige Mischung ausgewählt und zusammengerührt ist, bleibt viel Zeit für Smalltalk. Ein kleiner Zettel wird ‚rübergereicht: „Willst du mit mir gehen? – Ja – Nein – Vielleicht“ Das ist Berlin, man redet ungern um den heißen Werbebrei herum. Naja, manchmal… sie wählt „Vielleicht“. Reicht für erste Glücksgefühle im Körper von Joseph Gordon-Levitt. Zur Feier des Tages lässt er sich mit einem Kumpel im Späti um die Ecke günstig aber effektiv zulaufen. Romantisch.
Beim Firmenkaraoke an der Warschauer Brücke wird laut gesungen und leise geschwärmt. Wäre da nicht der immer noch besoffene Freund, der sich verplappert und – OH MEIN GOTT! – die Geschichte endlich mal in Fahrt bringt. Die Rückblenden aus dem Original sparen wir uns mal zwecks Lesbarkeit und zur Straffung der überschaubaren Geschichte. Also – es geht los! Datingphase! Freudig läuft er durch den Görlitzer Park als wäre er in einem Musical. Er jongliert mit Cannabispäckchen, raucht zur Freude einen Joint und lässt ein paar Spritzen ihren Inhalt wie Brunnenfontänen gen Himmel speien, bevor er am Ende – verliebt wie er ist – ein paar Tiere im Kinderbauernhof streichelt. Schön.
Doch, oh nein, es ziehen erste dunkle Wolken auf. Sie will sich nicht binden. Woran das wohl liegt? Dabei war das gemeinsame bei Ikea rumlungern doch so spaßig. In Berlin wäre durch die Stellung als Spaßstadt der Republik noch eine Schlacht mit Kötbullar drin gewesen.
Beide sind verzweifelt. „Was machen wir da eigentlich?“ Gute Frage – ihr lebt eben Berlin, das Unbestimmte, Ungewisse, Unbefriedigte. Ihr beide wollt mehr, nur nicht voneinander. Ihr werdet nie zusammenkommen, du Friedrichshain, sie Kreuzberg, da liegen doch Welten zwischen! Am Spreeufer wird Trübsal geblasen. Sie war doch die große Liebe. Na wenigstens sitzt du an deinem Lieblingsplatz, an dem man so schön auf das Mediaspree-Projekt schauen kann. Hach, diese glatten, nichtssagenden Fassaden, die einem den Blick rauben – herrlich! Da denkt man doch sofort an das eigene Architekturstudium.
Was viele denken, aber keiner im Film laut sagen will: Joseph, du bist ein Depp. Brauchst Beziehungstipps von deiner jungen Schwester, die aufgrund ihrer Bildung in einer privaten Zehlendorfer Hochleistungsschule schon jetzt einen doppelt so hohen IQ wie du besitzt. Und deine Traumfrau wird heiraten – nur nicht dich. Gut, dass du in Berlin bist. Hier ist scheitern noch schön und Alltag. Du packst deine Sachen in der Werbeagentur nach einem kindischen Wutausbrauch mit existenzieller Lieblingsphilosophen-Zitat-Note zusammen und setzt dich wieder ans Spreeufer. Ja, hier ist’s schön. Doch wie wäre es jetzt mal mit anpacken statt nur herumzustreunern?
Du schnappst dir dein altes Sakko, packst deine Bewerbungsmappe zusammen und marschierst zu den Architekturbüros der Stadt. „Flughafen BER? Ich bin ihr Mann!“. Du bist motiviert, hast lange genug nur rumgesessen, und wirst dich nun ganz alleine um diese elendige Brandschutzanlage kümmern. Toll. Happy End.
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