Rückkehr in die reale Welt | Loney Dear live in Berlin

Inzwischen schleppt gefühlt jeder zweite Singer/Songwriter die Loopstation wie selbstverständlich mit sich herum. Zur Hölle, ich glaube, sogar Ed Sheeran benutzt eine? Ich will das nicht nachrecherchieren, am Ende würde ich mich nur wieder aufregen. Vor der großen Welle des gagigen Ich-nehme-mich-selbst-live-auf-und-bin-meine-eigene-backing-Band erlebte ich diese Technik das erste Mal im Hamburger Knust bei dem Schweden Emil Svanängen, alias Loney Dear.

Das ist rund sieben Jahre her und ich dachte mir damals nach dem Konzert: Ja, das war hübsch, das war gut, das war schön. Seitdem war es still um Svanägen. Ich stellte beim vergangenen Reeperbahn Festival verwundert fest, dass Loney Dear durchaus noch existiert, bloß in der Zwischenzeit wirklich nichts veröffentlicht hatte. In Interviews gab er an, mit seinem Management und der Plattenfirma gebrochen zu haben, ebenso ging seine zwölfjährige Beziehung in die Binsen. Es waren, so muss man schlussfolgern, düstere Zeiten für den heute 38-Jährigen.

Dass sie aber nicht fruchtlos waren, merkte ich während seines Auftritts beim erwähnten Clubfestival. Loney Dear füllte die St.-Pauli-Kirche hauptsächlich mit neuen Stücken seines inzwischen erschienenen Albums „Loney Dear“, die so viel mehr an kompositorischer wie emotionaler Bandbreite bemerken ließen als zuvor. Derweil hat ihn Peter Gabriel persönlich bei seinem Label Real World aufgenommen, was hier auch ein guter musikalischer Anhaltspunkt ist. Ähnlich zu dessen Musik spielt Svanägen in seiner eigenen jetzt noch stärker mit stimmlichen wie expressiven Höhen und Tiefen, lässt eingängige Melodien selbstverständlich neben, unter und über vertrackten Arrangements stehen. Live kommt das derweil so imposant und teilweise wuchtig rüber, dass es auch hier mehr ist als damals; mehr als nur hübsch, mehr als nur gut, mehr als nur schön. Wir können heilfroh sein, dass die Krise Emil Svanängen nicht gebrochen hat, sondern gestärkt.

Außerdem sind wir heilfroh, dass Loney Dear auf Tour in den Berliner Privatclub kommt, am Samstag, 10. Februar. Taucht ein in die Loopgewitter Emil Svanängens, wir haben zweimal zwei Gästelistenplätze für euch reserviert. Schickt uns einfach bis zum Mittwoch, 7.2., eine E-Mail mit dem Betreff „Loney Dear“ an redaktion@lesflaneurs.de und sagt uns den Namen, den wir plus eins für das Konzert notieren dürfen. Lycka till!

Michael Schock Verfasst von:

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