Techno und Käsetoast: Aparde im Mensch Meier

Von Julia Tautz

Die Crème de la Crème des elektronischen Down Beats aus Berlin hatte zu „A Tribe Called Kotori“ im Club Mensch Meier geladen: Mira vom Kater Blau, Niko Schwind, ein Secret Act und drei Live-Sets von Be Svendsen, Wide Awake, Midas 104 und Aparde. Bereits um ein Uhr ließ die Länge der Schlange vermuten, dass es eine denkwürdige Party werden würde.

Das Mensch Meier hat vor zwei Jahren auf einem Industriegebiet an der Storkower Straße eröffnet, aus dem Kollektiv um die Räuberhöhle auf dem Fusion-Gelände entstanden. Wie der Name schon andeutet, ein sehr linker Club, der unterschiedlichen Kollektiven Raum für Partys bietet, die auch mal experimentellen oder unbekannten DJs die Möglichkeit lassen, sich auszuprobieren. Chaotische, selbstgezimmerte Deko, die sich erfreulicherweise mit jeder Menge Trash von den sonst üblichen, perfekt durchgestylten Holzcollagen absetzt. Kein Kater-Style, sondern eher im Sinne von: Könnte man so machen, sieht aber dann scheiße aus. Das finde ich äußerst sympathisch. Ganz im Sinne der Veranstaltungsankündigung präsentiert diese Party psychedelische Lichtinstallationen im langen Flur des Industriegebäudes, die selbst meine liebste Lichttechnikerin, die mich begleitet, kurz stutzen lässt, um nach dem Ursprung der umherschwirrenden Lichtquelle zu suchen.

Anschließend irren wir durch die drei Räume und vermissen den ehemaligen Kiosk, bei dem man Tee, Süßes und Tarokarten-Prophezeihungen bekommen konnte. Dafür können wir uns im Innenhof am Lagerfeuer wärmen und überdrehte 20-Jährige mit riesigen Pupillen losschicken, um uns Käsetoasts zu besorgen.

So vertrödeln wir uns die Zeit, bis der kleinste Raum öffnet: Das Theater, das mit Podesten und eingebauten Ebenen zum Klettern und Perspektivwechsel einlädt oder zum Verstecken motiviert, in einem abgeranzten Auto in der hintersten Ecke. Heute Abend verspricht der Raum mit drei Live-Sets von Aparde, Wide Awake und Be Svendsen einen Abend voller melodiöser Finesse und elektronischer Experimente. Um halb zwei macht Aparde, mit richtigem Namen Paul Camillo Rachel, den Opener. Sofort füllt sich der Floor und klarer, treibender Techno mit sphärischen Unterbrechungen von melodischen, verträumten Klängen bringen sowohl Hipster in Adidas-Hosen und weißen Turnschuhen als auch Hippie-Mädels in bunten Röcken und Kopftüchern zum Tanzen. Die Pausen sind wohl durchdacht, der Beat setzt genau im richtigen Moment ein: ein wohl komponierter Klangteppich aus atmosphärischen Melodien und kraftvollen Beats mit einem Tupfer Melancholie. Aber letztendlich bleibt es bei einem klassischen Sound, der sich nicht traut, die altbekannten Gefilde zu verlassen. Ich wünsche mir mehr Mut zu Brüchen, Irritationen und Experimenten.

Mensch Meier
A Tribe Called Kotori, © Mensch Meier

Doch auch die Menge trägt dazu bei, dass die allzu hohen Erwartungen enttäuscht werden. Viel zu viele Menschen in einem viel zu engen Raum, wer die Arme oben hat, muss sie oben lassen. Ab drei Uhr morgens ist Einlassstopp und Freunde müssen zwei Stunden in der Kälte stehen. So voll habe ich das Mensch Meier noch nie erlebt.

Bezeichnenderweise ist parallel auf dem Mainfloor verhältnismäßig viel Platz. Der Secret Act, Oliver Koletzki, zieht mit seinem Namen viele Leute, präsentiert aber Tech-House aus einem musikalischen Werkzeugkoffer des Standards. Kein Wunder, dass es die Menge in das Theater zieht, wo die solide Performance der Live-Sets perfekt den Höhepunkt des Abends einleitet: Um vier Uhr morgens bringen die Tracks von Mira die wabernde Masse an Gliedmaßen zum musikalischen Höhepunkt, während grüne Lichtringe von der Decke des Mainfloors gefeuert werden.

Ein guter Abschluss für den Abend, die Nacht, den Morgen – der bereits graut und mich wieder daran erinnert: Berliner Partynächte sind lang.

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