Wenn die Sprache verroht, schleifen wir sie wieder fein.

Bevor vergangenen Sonntag in den Mai getanzt wurde, lud der studentische Kunstverein artburst berlin zu einem Performance-Abend im jungen Literaturhaus Lettrétage in Kreuzberg ein.

Unter dem Titel „Kunstansage – Politik = Sprache“ reflektierten sechs Künstler und Künstlergruppen mit interaktiven Performances, Workshops und Kunstwerken Tendenzen von Sprache in der Politik. Sie setzten sich mit der bedrohlichen Wahrheit auseinander, dass Hetze, Hass und Vorurteile im alltäglichen politischen Diskurs angekommen sind.

Der Künstler Aleks Slota performt seinen Monolog 'Meat Puppet'.
Aleks Slota: ‚Meat Puppet‘

So performte Aleks Slota mit Meat Puppet einen improvisierten Vortrag, eine Collage von rechtskonservativen Klischee-Aussagen und „darf man doch mal sagen“ Redebausteinen, à la Motivationsredner auf dem Kleinstadtrummel. Das Künstlerkollektiv die.theaterlehrer interviewte zunächst einzelne Besucher zu Utopie und Kindheitserinnerungen, bastelte aus den Antworten und Anekdoten dann eine leidenschaftliche Rede, die sie im Sprechchoral vortrug.

Das Theaterkollektiv die.theaterlehrer bei 'utopia unboxed'.
die.theaterlehrer: ‚utopia unboxed‘
Das Theaterkollektiv die.theaterlehrer bei 'utopia unboxed'.
die.theaterlehrer: ‚utopia unboxed‘

Felix Lüke nahm das Publikum in dem performativen Monolog „Unser Herr Kießling oder: Gedanken zur Situation Deutschlands“ in die private Gedankenwelt eines Bundestagsabgeordneten mit und lies an dessen Beispiel die sonst so glatte Politwelt auf einmal sehr privat aufbrechen.

Der Schauspieler Felix Lüke performt sein one-man-Stück:Unser Herr Kießling oder Gedanken zur Situation Deutschlands'.
Felix Lüke: ‚Unser Herr Kießling oder: Gedanken zur Situation Deutschlands‘

artburst berlin ist ein unabhängiger, studentisch organisierter Kunstverein, der jungen KuratorInnen und KünstlerInnen Möglichkeiten gibt, sich unter realen Marktbedingungen in der Berliner Kunstszene auszuprobieren und zu zeigen. Mit regelmäßigen open calls zu thematischen Ausstellungen, die mal den Schwerpunkt auf bildende Kunst, auf Filme oder eben auf Performance legen, versucht der Verein eine große Bandbreite von künstlerischen Positionen eine Plattform zu bieten. Gleichzeitig ist es auch für das Organisatorenteam eine Möglichkeit, eigene kuratorische Konzepte zu verwirklichen. Eben das, was man weder im Studium lernt, noch im Praktikum machen darf.

Ebenfalls unter den Austellenden: Melchior und Timon Grau
Melchior und Timon Grau: Every thing is possible.

Der Vorstand des Vereins, Laura Wolf und Thekla Mellau, übernahmen die Idee für den Verein vom Heidelberger Vorläufer „Art van Demon“ und haben zusammen mit der Gruppe kunstinteressierter Studierender in Berlin bereits zahlreiche Ausstellungen, Events und Partys organisiert.

 

Im Workshop der Künstlerin Amini Roshanak wurden politische Reden zu einem Buch zusammengebunden.
Im Workshop der Künstlerin Amini Roshanak wurden politische Reden zu einem Buch zusammengebunden.

Das nächste Konzept steht schon: Auf der Homepage oder der Facebookseite findet ihr aktuelle Versanstaltungen von artbust berlin, demnächst auch einen Aufruf für die geplante Ausstellung zum Thema Überwachung kommenden September.

PRIMA Neanderthal! : 'BallonTreiben - Sich Luft machen'
PRIMA Neanderthal! : ‚BallonTreiben – Sich Luft machen‘

 

 

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Nina Behrendt Verfasst von:

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