Anorganische Organik | Hundreds live in Hamburg 2016

Der Reiz des Debüts des damaligen Wahlhamburger-Geschwisterduos Eva und Philipp Milner war seine kühle Unnahbarkeit, die sich mit einem subtilen Gespür für Pop gerade soweit öffnete, dass Hundreds zum kleinen Hype werden konnten. In den mit leichtfüßigen Klaviermelodien kontrastierten Elektroloops spürte man seine Virtuosität, in ihrer stimmlichen Wärme und Verspieltheit auf der Bühne das Emotionale – Hundreds, nicht Thousands oder Millions, alleine der Name suggeriert eine zurückhaltende Andeutung von Epik. Das gleichnamige Debüt ließ sich letztlich nur langsam ganz erschließen, dafür umso nachhaltiger.

Nachfolger „Aftermath“ brachte mehr Zugänglichkeit in den Sound, eine Akustik-Anmutung mit Songs wie „Circus“, die – das kann man im Nachhinein sagen – nett waren, aber irgendwie deplatziert in diesem Kosmos der anorganischen Organik wirkten. Der Zweitling glänzte letztlich erst auf der B-Seite, in kosmischem Schwarz, auf der sie ihre Wurzeln verfeinerten. Songs wie „Rabbits On The Roof“ sind eingängig wie speziell, und auch wenn sie sich auf der „düsteren“ Hälfte der Albums befinden nicht depressiv, sondern weit. Ein offenes Sonnensystem, in dem verglühende Sterne die Instrumente geben. Ein karger Raum der Möglichkeiten, ein offenes Feld.

Letztlich signalisierte dort „Beehive“ die zukünftige Richtung. In dem dank dezenter Tribalbeats tanzbaren Stück steckte die Wurzel der „Wilderness“. Die neue Hundreds ist noch einmal eingängiger als die Vorgänger, aber sie weist viel mehr als diese eine Eigenschaft auf, die die meisten großartigen Alben ausmacht: Sie funktioniert am besten als Ganzes. Ein alleinstehendes Highlight lässt sich schwer identifizieren, und das ist gut so. Die schlichten Popstücke sind weitestgehend passe, in mal verzerrten Vocals, oft kräftigen Loops und einem angezogenen, organischen Schlagzeugteppich fließt ein Stück ins andere, auch wenn es nicht immer fließende Übergänge gibt. Der Spagat zwischen dem stärkeren Melodieelement und Philipp Milners nach wie vor präsenten Willen zum Experiment gelingt voll und ganz. Allein schon der Dreiklang „What Remains“ – „Black Sea“ – „Spotless“ ist ein Meisterstück.

Es wird also live noch einmal beatiger, noch einmal fleischiger. Und auf der Bühne waren die Hundreds mit großen Visuals und kleinem Stage-Minimalismus schon immer ein Erlebnis. Den Schritt in die „Wilderness“ erleichtern wir euch – kommt mit uns ins Hamburger Gruenspan, am 16. November. Wir haben zweimal zwei Tickets für euch zurücklegen lassen. Sendet einfach eine E-Mail mit dem Betreff „Hundreds“ an redaktion@lesflaneurs.de bis inklusive 13.11. Viel Glück!

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Michael Schock Verfasst von:

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