Nehmt mich vom Netz | Unterwegs zum A Summer’s Tale 2016

Foto: Ilona Henne // ILOve Photography www.ilovephotography.de
Foto: Ilona Henne // ILOve Photography www.ilovephotography.de

Zurück in die heile Heidewelt. Das klingt gerade sehr verlockend. Letztes Jahr gab das Festival A Summer’s Tale seinen insgesamt gelungenen Einstand. Auf dem hübsch herausgemachten Gelände in Luhmühlen bei Lüneburg, wo sonst Vielseitigkeitsreiterei zelebriert wird, werden sich bestimmt wieder Familien neben Gothies, Hipstern und Normalos tummeln. Das gefiel mir besonders gut am Debüt 2015: die sehr bunt gemischte Klientel, die fast besinnliche Stimmung. Man hatte Urlaub, das Wetter war gut. Was soll man sich aufregen, dass der Lachsdöner so teuer und schnell ausverkauft war?

Das Line-Up ist auch dieses Jahr wieder vielversprechend, wartet sogar mit der exklusiven Deutschlandperformance der Isländer Sigur Rós auf. Die habe ich nun schon mehr als ein Dutzend Mal gesehen, immer mit Streichquartett oder später gar halbem Orchester. Derzeit sind die Verbliebenen als Trio unterwegs, viele Elemente der oft ausladend arrangierten Epen kommen daher vom Band. Dass das dennoch nicht mau klingt, davon konnten wir uns schon im Juni beim Primavera Sound in Barcelona überzeugen. Hier waren sie trotz Sparbesetzung und dank stylischem neuen Bühnenbild eines der Highlights.

Fotograf: Hinrich Carstensen ; www.hinrichcarstensen.de
Baumdeko auf dem Gelände. Fotograf: Hinrich Carstensen ; www.hinrichcarstensen.de

Auch sonst passt das Musikprogramm wieder sehr gut zur Zielgruppe. Der schwedische Singer/Songwriter José González ist mit seinem Akustikpop irgendwie in die Fast-Stadion-Liga gerutscht. Sein Set wurde beim MS Dockville letztes Jahr von den Kids zerlabert; in Luhmühlen wird das bestimmt nicht passieren. Und wie schlagen sich wohl die Altheroen von Garbage? Auf Hits wie „Special“ und „Only Happy When It Rains“ habe ich jetzt schon Bock. Und der The-Frames-Frontmann Glen Hansard wird sicher auch ohne seine formidable Band schöne Stimmung verbreiten.

Ob ich als später Fan seines „Fest und Flauschig“-Podcasts mit Jan Böhmermann auch Olli Schulz als Musiker endlich eine Chance geben werde? Der Plan sieht das zumindest vor. Aber wer will eigentlich Noel Gallagher’s High Flying Birds sehen? Not me. Oder One-Hit-Wonder Amy McDonald … die macht noch Musik? Okay. Aber das ist ja das Schöne: Es steht viel auf dem Programm, von dem man sich wird überraschen lassen können.

Sigur Rós.
Sigur Rós.

Dazu kommen wieder Lesungen, Filmvorführungen und illustre Workshops von Qi Gong über japanische Teezeremonie bis hin zu Didgeridoo und Cakepops. Warum nicht, nicht wahr? Immerhin sorgt der sympathische Klimbim auch mit für die Atmosphäre des (positiv und halbironisch gesagt) „Alte-Leute-Festivals“. Und ob es dieses Mal wohl eine WLAN-Versorgung auf dem Gelände geben wird? Wenn nicht, werden wir das einfach als weitere Beruhigungs- und Entschleunigungsmaßnahme der Macher betrachten. Wie es war, lest ihr dann im August hier bei uns.

Das A Summer’s Tale Festival 2016 findet vom 10. bis 16. August in Luhmühlen statt. Infos unter: www.asummerstale.de.

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Michael Schock Verfasst von:

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