Zwischen Zauberwald und Westernstadt | So war es beim Feel Festival 2016

Bis zur allerletzten Minute wurde das Line-Up geheim gehalten, erst zum Bändchen das Programm gereicht: Bosse, OK KID, Frittenbude, Kid Simius, Oliver Koletzki und und und. Das Feel Festival spielt mittlerweile bei den großen Indies mit. Fünf Tage lang tauchten dort tausende Besucher in eine Parallelwelt ab und tanzten sich die Füße wund.

Im letzten Jahr sind die Veranstalter an den Bergheider See nach Brandenburg gezogen. Ich bin im Dorf nebenan aufgewachsen, für mich also ein Heimspiel. Für die Daheimgebliebenen ist das Feel Festival ein Riesenspektakel. So viele Menschen, die verrückt angezogen sind, extra aus den Niederlanden mit dem Auto anreisen und ungewöhnlich viel Geld für ein Bier bezahlen. Auch ein Paralleluniversum für die Alteingesessenen, egal ob jung oder alt.

Wochenlang haben die Macher vom Feel Festival am Bergheider See gebaut und 21 Floors unter dem Stahlkoloss der F60 erschaffen, auf denen getanzt, gestaltet und gestaunt wurde. Das gesamte Gebiet war früher Tagebau und die Förderbrücke hat noch bis Anfang der 90er Braunkohle freigelegt. Dort, wo jetzt der See ist, befand sich bis kurz vor der Wende noch das Dörfchen Bergheide. Daher der Name. Damals mussten Hunderte Menschen ihr Zuhause verlassen, das wenig später weggebaggert wurde. Heute tanzen dort einmal im Jahr Tausende Großstädter bis zur Erschöpfung. Geschichte im Wandel der Zeit. Zu Schulzeiten bin ich manchmal mit dem Fahrrad zur Tagebaukante gefahren und habe beobachtet wie der See mit den Jahren gewachsen ist. Damals lag noch eine unendliche Weite hinter der Sanddüne.

20160709_204343Aber von der Historie bekam am Wochenende niemand etwas mit. Mehr als 200 Acts haben rund um die Uhr das Festival beschallt. Mein Highlight war ganz klar Bosse. Der sympathische Braunschweiger hat das erste Mal auf einem Electro-Festival gespielt und war dann selbst ganz überrascht von der riesigen Meute vor der Bühne. Disco-Altmeister Erobique, Frittenbude und Marterias Wunderkind Kid Simius standen ebenfalls ganz oben auf meiner Top-Liste.

Die Floors entsprachen einer Märchenwelt aus Holz: mal war man in einem Zauberwald verloren und hat dem DJ in der Baumkrone bejubelt, mal hat man neben Pyramiden am Strand gefeiert oder im Westernsaloon zum Beat gestapft. Das Festivalgelände hat sich in diesem Jahr stark vergrößert, nicht nur um Bühnen, auch um Zeltplätze. So war manches Chaos nicht auszuschließen: zu wenig Toiletten und Duschplätze und ein schier endloser Weg zur neuen Westernstadt, wo es auch noch einen Stromausfall gab. Die Kulisse hat dafür einiges wettgemacht. Tagsüber konnte man im See schwimmen, Traumfänger basteln oder Lesungen lauschen, der partyerschöpfte Festivalbesucher fand allerlei Ruhepole. Ein Ferienlager für die Großen.

Und während sich alle mit Schlafsack, modernen Plumpsklos und Duschschlangen herumplagten, habe ich derweil auf der Couch meiner Schwester geschlafen. Mit Frühstück, privatem Badezimmer und frischen Himbeeren aus Omas Garten.

Feel Festival Strand

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Lisa Ksienrzyk Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. 12. April 2017
    Reply

    Hey,
    ich habe auch ein Beitrag zum Feel Festival 2016 geschrieben und freue mich schon so auf das Feel in diesem Jahr! Schau doch mal bei mir vorbei, ich schreibe auch noch über andere Festivals.
    https://icakgl.wordpress.com/
    Liebe Grüße
    Jessi

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