Unterwegs zum Feel Festival 2016

Ab dem dritten Mal ist etwas Tradition, so sagt man und damit reiht sich in diesem Sommer auch das Feel Festival in meinen Ritualkatalog ein. Neben exzessivem Märchenschauen zu Weihnachten und der Caipirinha-Überdosis auf dem Kreuzberger MyFest nun das erste Festival. Und das Beste: Seit dem letzten Jahr wird am Bergheider See gefeiert, gut 100 Kilometer südlich von Berlin, in meiner Heimat. Ich bin im Dorf nebenan aufgewachsen, kenne den Baggersee als er noch keiner war und beobachte mit Erstaunen wie meine alte Einöde nun einmal im Jahr zur neuen Partyhochburg wird.

Das Feel Festival ist noch jung und feiert in dieser Saison erst sein viertes Bestehen. Die ersten zwei Jahre wurde noch in gemütlichem Ambiente am Berliner Stadtrand geravt. An mein erstes Mal kann ich mich noch ganz genau erinnern: Ein liebevoll dekoriertes Wäldchen, gute Musik, dann Unwetter und plötzlich wurden wir Weltmeister. Ein Jahr später noch mehr Bühnen, aus dem Dorftümpel wurde ein See und die Besucherzahl hat sich verdreifacht. Die Förderbrücke F60 aus alten Tagebauzeiten erinnert stark an die Eisenstadt Ferropolis und wacht als mächtiger Stahlkoloss über das Gelände. Und in diesem Jahr soll das Festival noch größer werden. Das absolute Highlight ist die Westernstadt, die die Veranstalter neu als Floor nutzen wollen. Im vergangenen Jahr hat Hollywood dort den Western-Thriller „Brimstone“ gedreht und die Kulisse stehen lassen. Nun soll der Saloon als eine von 16 Bühnen dienen.

Top Secret Line-Up

Das Line-Up für das diesjährige Feel Festival wird erst vor Ort bekannt gegeben, es bleibt also bis zum Schluss spannend. In den letzten Jahren sind Musiker und DJs wie AnnenMayKantereit und Teesy sowie Dirty Doering und Wankelmut aufgetreten. Die Geheimniskrämerei zieht, denn das Festival ist trotzdem ausverkauft. Die Großstädter pilgern nicht unbedingt der Musik wegen in die brandenburgische Provinz, sondern wegen der Location, der Atmosphäre, dem Drumherum. Workshops, Kino und Zirkusvorführungen füllen den Tag, man möchte das Feel Festival fast als kleine Fusion bezeichnen. Berliner Hipster belagern dann vom 7. bis 11. Juli das 500-Seelen-Dörfchen, fahren in meinem alten Schulbus vom Bahnhof zum Gelände und verwundern mit ihrer hippiesken Erscheinung die Einwohner. Ich habe mich im letzten Jahr auf dem Gelände, aber auch in der anreisenden Techno-Menge zuhause gefühlt, den fremden Festivalbesuchern fast schon überlegen.

Ob ich dieses Mal wieder zelte oder gleich komplett den Luxus einer Dusche und eines Frühstücks nutze, weiß ich noch nicht. In jedem Fall werde ich mich über die Invasion der Großstädter amüsieren. Und vielleicht mal zu Mutti Kaffee trinken gehen.

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Lisa Ksienrzyk Verfasst von:

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