Angst vor Pegida-Dresden

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Foto: Michael Schock

Wie gerne hätte ich in diesem Jahr einen längeren Ausflug nach Dresden unternommen. Hätte mir die Semperoper, die Frauenkirche und den Zwinger angesehen. Wäre bis spät in die Nacht an der Elbe entlangflaniert. Hätte Quarkkäulchen an heißen Sauerkirschen gegessen. Und und und. Doch mal passte es zeitlich nicht. Mal war ich zu faul. Und jetzt scheitert mein lange gehegtes Vorhaben an einem ganz anderen Grund: Ich habe ein bisschen Angst vor der Stadt. Oder besser: einem Teil ihrer Einwohner.

Ich fürchte mich vor den 15.000 Dresdnern, die sich zu etwas treffen, das sie verharmlosend als „Spaziergang“ deklarieren. Menschen, die Facebook-Kommentare beginnen mit „Guten Tag, ich bin weder nazistisch, rassistisch noch ausländerfeindlich, aber …“*. Menschen, die sich vor einer vermeintlichen islamischen Leitkultur fürchten und deshalb einem kruden Positionspapier hinterherstolpern, das weniger Position ist als viel mehr Ausdruck einer orientierungslosen Wut.

Ich fürchte mich vor der Unkonkretheit der Pegida-Anhänger, die den vielfältigen Online-Kommentaren nach selbst nicht genau wissen, ob sie nun gegen den IS, für mehr Volksentscheide, gegen TTIP, für die Aufstockung der Polizei-Mittel oder gegen „dieses wahnwitzige Gender Mainstreaming“ sein sollen.

Das Pegida-Dresden ist nicht das Dresden, das ich kennenlernen möchte. Lieber bleibe ich im Wedding. Einem Stadtteil Berlins, in dem nicht 8,2 Prozent der Bevölkerung, sondern jeder zweite Bewohner einen Migrationshintergrund hat; in dem also Integration und Miteinander-Klarkommen statt Integration-Behindern und Gegeneinander-Stimmung-Machen auf der Tagesordnung stehen. Ich bleibe lieber in einer Umgebung, in der trotz der kulturellen Unterschiede keiner auf die Straße geht, „damit in zehn Jahren bei uns in Deutschland statt Kirchenglocken nicht plötzlich nur noch die Stimmen der Muezzins auf den Minaretten zu hören sind und unsere Kinder nicht erschossen in den Schulen liegen“.

Pegida-Dresden, ich hoffe, 2015 bist du einfach wieder Dresden. Und trennst dich von dieser unbegründeten Angst, die auch mich von dir fernhält.

* Sämtliche Zitate sind den Kommentaren auf der Pegida-Facebook-Seite entnommen und wurden an die deutsche Rechtschreibung angepasst.

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Mark Heywinkel Verfasst von:

Mark Heywinkel arbeitet als Journalist in Berlin.

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