Peter, Benni und Axel nerven

peterbenniundaxel

Aufblende.

Peter lacht. Vielleicht heißt Peter auch Tim, Kasimir oder Rainer-Maria, man weiß es nicht, jedenfalls lacht er. Es ist kein aufdringliches Lachen, kein chefiges Phhhaaahahaaa und auch kein überkandideltes It-Girl-Ahühü. Es ist eher ein dezentes Nhehehe, an dem sich normalerweise niemand stören würde. Normalerweise. Aber im nur halb gefüllten Kinosaal, da nervt es. Zumal es bei fast jeder Szene von „Iron Man 3“ aus Peter herausgluckst. Robert Downey Jr. aka Toni Stark reißt einen Mackerspruch: Nhehehe. Stark kauft seiner Freundin Pepper einen Riesenhasen mit Brüsten: Nhehehe. Stark knallt in seinem Iron-Man-Anzug gegen einen Laster: Nhehehe. Peter lacht und lacht und nervt und nervt. Man möchte ihm sein Popcorn tief in den Rachen stopfen, aber man hat ja gar keins gekauft. Mist.

Abblende in Schwarz. Titel: Peter, Benni und Axel nerven. Aufblende.

Benni und Axel, sie mögen auch anders heißen, sind gute Freunde. Zumindest wirkt es auf den ersten Blick so. Denn sie haben sich in Reihe E direkt nebeneinander gesetzt, um über den neuen „Star Trek“-Streifen zu fachsimpeln. Ununterbrochen. Doch auf der Hälfte des Sci-Fi-Films schlägt die Stimmung ihres kleinen Kaffeekränzchens jäh um.

Benni: (genervt) Du rüttelst immer so an meinem Sitz. Hör auf so an meinem Sitz herumzurütteln.
Axel: Ich rüttele doch gar nicht.
Benni: (jetzt aggressiv) Doch, du rüttelst!
Axel: (empört) Komm mal klar, du Vogel!

Daraufhin schüttelt Benni seine Bierflasche ein paar Mal und verpasst Axel eine herbe Gerstensaftdusche. Von der bekommen auch Kinobesucher in der Reihe vor dem Duo infernale etwas ab und motzen laut, aber Benni und Axel ist das egal. Benni und Axel zanken und zanken und nerven und nerven. Selbst wenn man eine XXL-Portion Popcorn gekauft hätte, würde sie nicht reichen, um diese beiden Streithähnen die Hälse zu stopfen.

Abblende in Schwarz. Musik setzt ein, Händel etwaAufblende.

Ein Kinosaal füllt sich in Zeitlupe. Nachdem sich das Publikum gesetzt hat, beginnen die Frauen und Männer, einander mit Popcorn zu bewerfen. Manche spritzen nehehehend mit Bier und Cola um sich. Andere brüllen: Hör auf zu rütteln, du Vogel! Dazwischen kämpfen Luke und Anakin Skywalker mit Lichtschwertern. Der Joker und Vin Diesel rangeln. Robert Redford lässt sich von Natalie Portman mit einer überdimensionierten Spielkarte den nackten Po versohlen. Jennifer Lawrence entzündet lachend einen Molotowcocktail, indes Lars von Trier ihr mit einer Axt ein Bein abschlagen will.

Voice Over: (besonnen, etwa mit der Stimme von Christian Brückner) Es gab eine Zeit, da war der Kinobesuch eine große Lust. Und das einzig Nervige an ihr war die durch die Blume gesprochene Aufforderung zumeist witziger Comicfiguren, während des Films doch bitte die Fresse zu halten und die scheiß Handys abzuschalten. Ja, genervt hat das, und dennoch haben wir gehorcht. Brav haben wir unsere Mobilfunkgerät in den Ruhezustand versetzt und die privaten Gespräche auf ein Minimum reduziert. Wenn nicht aus Respekt gegenüber den anderen Zuschauern, dann vielleicht, weil die witzigen Comicfiguren ja ganz niedlich aussahen. Auch Peter, Benni und Axel hörten auf die witzigen Comicfiguren. Damals. Die gute alte Zeit.

Holt die witzigen Comictiere zurück in die Werbeblöcke der Kinos! Jemand muss Peter, Benni und Alex wieder durch die Blume sagen, dass sie kacke sind. Das Kino war einst einer der wenigen Rückzugsorte in der Großstadt. Der Zeit und der Welt entrückte Raststätten. Holt die Comicviecher zurück! Lasst sie diese Orte zurückerobern!

Die streitenden Kinobesucher hören auf zu rangeln und gucken finster in die Kamera.

Voice Over: (nun genervt) Oder, ja oder der Autor dieses Textes hört auf, sich zu beschweren und geht einfach nicht mehr zu Prime-Time-Vorstellungen in Mainstreamfilme.

Abblende in Schwarz.

Mark Heywinkel Verfasst von:

Mark Heywinkel arbeitet als Journalist in Berlin.

Ein Kommentar

  1. Enrico
    24. Mai 2013
    Antworten

    Die einfachste Lösung wäre es die Säale so zu isolieren, dass man im Saal keinen Empfang mehr hat und Peter & Co. schon bei der Werbung merken, dass ihre Smartphone-Herauskramerei zwecklos ist.

    Noch einfacher wäre es, solche Idioten würden mal merken, dass sie nicht alleine auf der Welt sind und die Party/Bar/Kneipe, zu der sie später gehen wollen, auch ohne ewiges darüber schwatzen klar geht.

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